Freiburg

Von Weihnachten lernen

Auch wenn das christliche Wissen in der Gesellschaft rasant schwindet, die wichtigsten Personen und Handlungen rund um die Geburt Jesu sind vielen Menschen weiterhin präsent. Vielleicht nicht unbedingt aus Glaubens-, aber aus Gefühlsgründen. Dabei könnte gerade ein Blick auf die Heilige Familie sehr lehrreich und zukunftsweisend sein – für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Weihnachtsbaum in Dortmund
Es geht bei Weihnachten um mehr als um Glanz und Glimmer. Foto: dpa

In wenigen Tagen feiern wir die Heilige Weihnacht. Die städtischen Beleuchtungen sind angebracht, die meisten Weihnachtsbäume sind aufgestellt, die Weihnachtsmärkte beginnen jedes Jahr früher, und in den Geschäften werden wir von früh bis spät mit hoher Lautstärke beschallt, aber nur selten mit Weihnachtsliedern. Viele Gespräche drehen sich um den Speiseplan an den Festtagen, und die Christmette braucht man für das Gefühl, denn „bei Kerzen und Stille Nacht kommen mir immer die Tränen“, hören wir nicht selten. Das Rennen nach Geschenken hat sich nicht verändert, und für Besinnung und geistliche Vorbereitung bleibt keine Zeit.

Ist das nicht Anlass genug, einzuhalten und zu fragen, was dieses Fest für uns Christen eigentlich bedeutet? Wir feiern nämlich das Fest der Geburt des Gottessohnes Jesus Christus, der sich erniedrigt hat und als Mensch zu uns Menschen gekommen ist. Er wollte unter uns sein, mit uns leben, 30 Jahre lang in einer „ganz normalen“ Familie, um uns danach drei Jahre seine Wahrheiten zu verkünden bis zu seinem Weg nach Jerusalem ans Kreuz, um uns Menschen von der Sünde zu befreien und uns die Erlösung nach unserem irdischen Tod zu ermöglichen. Gehen wir in eine kurze Betrachtung der Geburt Jesu, wie sie sich wirklich ereignet hat.

Die Geburt war kein Fest mit Kaviar und Champagner

Diese Geburt war kein Fest mit Kaviar und Champagner, sondern fand in einem einfachen Viehstall statt mit Tieren wie Ochs und Esel, ohne Gynäkologen und Hebamme, ohne Wasserbett und Kinderarzt. Der Gottessohn lag in einer Futterkrippe mit Stroh nach einer langen Reise von Nazareth nach Bethlehem, Josef zu Fuß, und die hochschwangere Gottesmutter auf einem Esel.

Bei einem überraschenden Besuch des Engels Gabriel vorher in ihrer Wohnung verkündete dieser Maria eine unglaubliche Botschaft: „Du wirst empfangen, einen Sohn wirst du gebären, ihm sollst du den Namen Jesus geben.“ (Lk 1, 31) Und so geschah es, nachdem Maria geantwortet hatte: „Hoch preist meine Seele den Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn er hat geschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd…“ (Lk 1, 46–48).

Und die Zeit vor, während und nach der Geburt von Jesus verlangte von Josef, der mit Maria verlobt war, unglaublich viel Disziplin. Eigentlich wollte er Maria „entlassen“, wie es im 1. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus heißt, aber „während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach zu ihm: Josef, Sohn Davids, scheu dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen, denn was sie empfangen hat, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, ihm sollst du den Namen Jesus geben.“ (Mt 1, 20 –21) Josef folgte dem Auftrag des Engels. Auch später gehorchte er dem Herrn, als dieser ihm wieder durch einen Engel verkünden ließ, wegen der geplanten Kindermorde durch König Herodes von Bethlehem aufzubrechen und auf einem anderen Weg über Ägypten mit Maria und Jesus nach Nazareth zurückzukehren, aber so lange in Ägypten zu bleiben, bis Herodes tot sei, was Josef auch tat (siehe hierzu besonders Mt 2, 13–15).

Beantworten wir die Frage nach dem Vorbild der Heiligen Familie für uns:

Erstens: „Ich bin die Magd des Herrn…, mir geschehe nach deinem Wort… Denn er hat geschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd.“ (Lk 1, 38) Diesem Gebet liegen ein tiefer Glaube und eine große Demut zugrunde. Als „Magd“ hat sie sich verstanden und damit von Anfang an Gottes Größe und nie ihre eigene gewollt. Ein klarer Beweis hierfür ist auch die Hochzeit zu Kana in Galiläa, wo Maria, Jesus und seine Jünger eingeladen waren. Als der Wein ausging, sagte die Mutter zu ihrem Sohn: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Und zu den Dienern sagte Maria: „Was er euch sagt, das tut.“ (Joh 2, 3,5)

Zweitens: Maria hat mit Josef den Grundstein für das Aufwachsen Jesu in einer gläubigen Familie gelegt. In den drei Jahren der Lehrtätigkeit von Jesus hat Maria neben Freuden auch die größten seelischen Schmerzen und Leiden ihres Sohnes auf sich genommen, indem sie seinen Weg bis zum Kreuz mitgegangen ist und noch unter seinem Kreuz alle Schmähungen des Volkes gegen ihn mit ertragen hat. Nach seiner Himmelfahrt war sie mit den Aposteln im Abendmahlssaal, um mit ihnen im innigen Gebet nach dem Heimgang Jesu zu seinem Vater den Heiligen Geist auf alle Menschen herabzurufen.

Drittens: Die großartige Rolle, die Josef in dieser Familie gespielt hat, hatte ich bereits aufgezeigt. Wenn wir nach Schilderung dieses tiefen Glaubens der Eltern von Jesus Christus und der Demut der Gottesmutter Maria zu der Frage überleiten, welches Bild bestimmte Initiativen, die sich katholisch nennen, von der Gottesmutter heute zeichnen, dann landen wir in einer unfassbaren, irrealen Welt. Katholikinnen, unterstützt auch von Männern und zahlreichen Priestern, sogar Bischöfen, haben im Mai 2019 eine Aktion „Maria 2.0“ gegründet, die mit mehreren Demonstrationen, Kirchenstreiks sowie anderen Aktivitäten und Forderungen, insbesondere für die Weihe von Frauen zu Priestern, in der Öffentlichkeit erhoben, unter anderem mit einem Plakat „Maria Vulva“ an der Universitätskirche und anderen Kirchen im Bistum Freiburg. Initiator waren Studierende der katholischen Fachschaft der Universität Freiburg. Sie lehnten die Gottesmutter als gehorsame, schweigende und demütige Magd ab. Sie brauche ein „upgrading“, weil das bisherige Bild nicht mehr in die moderne Zeit passe und diskriminierend sei. Das neue Bild müsse eine Maria zeigen, „die für feministischen Mut und Stärke“ stehe.

Es besteht kein Zweifel, dass sich das Verständnis von Ehe und Familie zwischen der Heiligen Familie von Nazareth und heute gravierend voneinander unterscheidet. Umso mehr müssen wir für die Rückkehr zur persönlichen Heiligkeit eintreten, denn schon Marx und Engels hatten gewusst, dass sie sich der Familie bemächtigen müssen, wenn sie die Gesellschaft insgesamt verändern wollen. Und genau mit diesem Ziel wird ja auch heute noch versucht, ein neues Verständnis der Ehe („Ehe für alle“) und das Gender Mainstreaming (jeder bestimmt seine Geschlechtlichkeit selbst) in der Gesellschaft zu verankern. Glaubenstiefe mit dem gewollten Leben nach christlichen Werten und Überzeugungen in großer Demut war für die Heilige Familie selbstverständlich, während unsere heutige Gesellschaft weitgehend eine totale Freiheit ohne Gott will und sich im Relativismus wohlfühlt.

Es gibt Werte, welche Christen verteidigen sollten

Eine wesentliche Frage, die sich uns Christen in der Gegenwart klar und unmissverständlich stellt, lautet: Wollen wir denn eigentlich unsere christlichen Werte noch verteidigen? Und wenn ja, welche sind es denn? Beliebige und wechselnde Partnerschaften in Ehe-ähnlichem Zustand – Gewalt in der Familie – Abtreibung als Menschenrecht – Verbot von Lebensschutz-Organisationen – Verachtung gegenüber Behinderten – Wegschieben der alten Menschen, weil sie zu lästig und zu teuer sind – Abschieben unserer Kinder in staatliche Betreuungsanstalten – und Ergänzung des Grundgesetzes durch Kinderrechte, damit der Staat größeren Zugriff auf sie bekommt?

Wir müssen uns gegen alle Entwicklungen wehren, die negative Auswirkungen auf unsere Familien haben. Wir sind der Souverän zur Erziehung unserer Kinder und nicht der Staat. Wir sind Anhänger einer christlichen Religion, der Schöpfungstheologie und der Kulturtraditionen unseres christlichen Abendlandes. Wir achten das menschliche Leben, auch das ungeborene, weil jedes Leben ein Geschenk Gottes ist.

Es wäre sehr ermutigend, wenn von den nachfolgenden Festtagen die glaubensstarke Botschaft ausginge, dass wir Ehe und Familie als einen gottgewollten Auftrag verstanden haben und uns bemühen, danach zu leben. Dabei wären die Orientierung an das Vorbild der Heiligen Familie von Nazareth und das häufige Gebet eine Hilfe. Weihnachten ist dazu besonders geeignet.

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