„Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“

Das Jahr des Glaubens hat begonnen und mit ihm die „Credo“-Serie der „Tagespost“: Schauspieler, Regisseure, Musiker und Schriftsteller äußern ihre persönlichen Gedanken zu einem Satz, einer Passage des Glaubensbekenntnisses. Im zweiten Teil der Serie kommt heute das Schriftstellerehepaar Elke Naters und Sven Lager zu Wort. Beide sind mit ihren beiden Kindern vor ein paar Jahren nach Südafrika ausgewandert. Dort fanden die einstigen Popliteraten nicht nur ein interessantes Kulturleben vor, sondern eine lebendige christliche Glaubenspraxis. Man könnte auch sagen: Das Credo live. Von Elke Naters und Sven Lager

Lebendiges Evangelium statt Pop der Beliebigkeit: Elke Naters und Sven Lager. Foto: Archiv
Lebendiges Evangelium statt Pop der Beliebigkeit: Elke Naters und Sven Lager. Foto: Archiv

Wir glauben heute, dass wir alles glauben können und nichts, wie wir wollen. Das ist die Postmoderne. Die Aidskranken aber, die wir jede Woche im Krankenhaus besuchen, wollen die Wahrheit hören, keine Lügen mehr. Und sie werden nicht gesünder von dem, was sie glauben könnten, wie sie wollen. Im Gegenteil, manche sind krank, weil sie Lügen vertraut haben und sich haben anstecken lassen. Genauso die Selbstmordgefährdeten. Neulich trafen wir einen jungen Mann, und es sind viele junge Männer in Südafrika depressiv, der erst Tabletten geschluckt und dann versucht hatte, sich vor einen Laster zu werfen. Ein Wunder, dass er überlebte. Niemand, sagt unser Arztfreund, ist mehr bereit für das Evangelium als ein Selbstmörder. Dieses Leben muss enden, damit ein neues anfangen kann. Nur dass die meisten Selbstmörder dieses Leben beenden wollen, weil alles relativ ist. Deswegen ist ihnen der Tod lieber, das Ende dieser menschlichen Unsicherheit.

Nur die ganze Wahrheit über Christus ist Schlagzeilen wert

Auftritt: Jesus. Nie war die Wahrheit über Jesus wichtiger als heute. Die ganze Wahrheit, denn nur die ganze Wahrheit setzt uns wirklich frei und macht Sinn. Nur die ganze Wahrheit ist es wert, Schlagzeilen zu machen, denn das meint das Wort Evangelium, großartige Nachrichten! Unfassbar, wunderbar und geradezu ekstatisch! Wir wuchsen auf in liberalen Kreisen und was Jesus betraf, gab es nie die ganze Wahrheit. Oder wir wollten sie nicht hören. Selbst die Christen um uns waren sich nicht sicher: Ist Jesus wirklich Gott? Oder nur ein herausragender Mensch, der als Vorbild lebte? Vielleicht eine karmische Wiederkehr von Buddha? Und Maria, war die wirklich eine Jungfrau? Waren „Jungfrau“ und „Heiliger Geist“ nicht nur Metaphern für Unschuld, Gewissen, Liebe und andere Werte? Wir sind in Deutschland innerhalb einer Kultur aufgewachsen, die Jesus relevant machen wollte, akzeptabel. Was blieb, war ein Abklatsch, ein nettes Denkmodell, ist doch der wahre Jesus der Stolperstein in jeder Kultur.

So war es und so wird es immer sein. Er muss offensiv sein, kontrovers. Und wenn man versucht, ihn weniger stolperig zu machen, weniger im Weg, dann sind das auch nicht mehr die Guten Nachrichten, die er brachte. Dann sind es freundliche, liebe und nette und vor allem langweilige Nachrichten, wie sie Esoteriker oft anbieten. Gott ist nicht lieb, seine Liebe ist wild und kompromisslos und aufregend. Das ist der Schöpfer, dessen Leidenschaft nach Jahrzehnten des Zweifelns überzeugt und für sich eingenommen hat. Davor war Jesus für uns ein antiquiertes System, eine andere Idee, eine Denkübung in einem philosophischen Irrgarten.

Hier in Südafrika interessiert niemanden ein Vielleicht. Apartheid hat das Land zerrissen, überwältigend viele Menschen leben noch in Armut, die Krankenversorgung ist manchmal katastrophal, kurzum, hier ist man noch auf Gottes Hilfe angewiesen. Deswegen interessiert hier nur der offensive, radikale und unmissverständliche Jesus. Der Jesus, der heilt und uns freisetzt, der für unser täglich Brot sorgt, uns erlöst und uns Leben gibt, hier und jetzt und in Ewigkeit.

Vor allem die spirituelle Überlegenheit Jesu ist entscheidend in einem Land, wo das Übernatürliche für viele eine Realität ist. Ein junger Xhosamann kam neulich in die Notaufnahme. Er sagte, die Schlangen in seinem Bauch machten ihn verrückt, und er hatte Angst, sie würden weiter in andere Körperteile kriechen. Wir arbeiten mit Ärzten und Schwestern zusammen und wir wissen, hier hilft keine Medizin, keine Therapie, nur Gebet. Der junge Mann war Christ, aber lebte in Angst, in großer Angst. Er wusste, dass er von einem Medizinmann gegen Bezahlung verflucht worden war. Aus Neid, aus Eifersucht. Es spielte keine Rolle. Was er nicht wusste, war, dass Jesus sein Problem mühelos lösen konnte. Kurzes Gebet, Ermutigung, und in Jesu Namen verschwanden die Schlangen und er spürte einen neuen Frieden und Sicherheit.

Was wir dem Xhosamann auch mitgeben konnten, war die Gewissheit, dass Jesus immer und ewig und unwiderruflich stärker ist als jeder Fluch. Sein Glaube daran war entscheidend, ob er eine neue Attacke selbst abwehren konnte.

Der postmoderne Mensch hat Recht: Wir sind was wir glauben. Auch wenn es manchmal die negativen Konsequenzen sind. Wer in Boomzeiten glaubt, Geld würde sich einfach vermehren, verliert später alles. Wer glaubt, sexuelle Freiheit bringt Frieden, erlebt den Terror, keine echte Liebe mehr zu kennen. Wer glaubt, er müsse jeden Tag etwas kleines Gutes tun, wundert sich, warum er von Gott nicht belohnt wird mit einem Lottogewinn. Und wer glaubt, dass man alles glauben kann, je nach Laune, Horoskop und philosophischer Mode, endet knapp vor dem Selbstmord. Weil das Leben dann keinen Sinn mehr macht.

Was viele unserer Freunde in Deutschland, die im Kulturmilieu beheimatet sind, erst langsam verstehen ist, dass unser Glaube an Jesus anders ist. Durch unseren Glauben erleben wir, was Jesus auch ohne unseren Glauben ist: Gottes Sohn, König der Könige, ganz Mensch und ganz Gott, geboren von einer Jungfrau, empfangen vom Heiligen Geist, in einem Akt göttlicher Liebe für uns gestorben und für uns und mit uns von den Toten wiederauferstanden. Jesus ist wunderlich. Und für unser Verständnis unfassbar. Inzwischen haben selbst die Astronomen erkannt, dass Unfassbares bei Jesu Geburt und Kreuzigung am Himmel geschah. Und mehr und mehr Wissenschaftler halten die Evolutionstheorie für unwahrscheinlicher und erkennen, dass es „jemanden“ gegeben haben muss mit hoher Intelligenz, der diese bis in Detail so komplexe Welt erschaffen haben muss. Das kann schon rein mathematisch kein Zufall sein. Wir leben in großartigen Zeiten. Unter dem See der Beliebigkeit wird der Boden der Tatsachen immer deutlicher sichtbar. Jesus Christus ist genau derjenige, von dem er sagt, wer er sei. Menschensohn, Gottes Sohn. Heiland. Die guten Nachrichten sind tatsächlich gute Nachrichten! Dass wir Jesus brauchen, Gottes Liebe, dass wir tot sind ohne sie, das bleibt offensiv. Diesen Jesus kann aber nur derjenige empfangen, persönlich kennenlernen, der ein Wunder nötig hat. Wer mehr im Leben will, als nur irdische Vertröstungen. Das sind gute Nachrichten für unsere Selbstmörder, unsere Aidskranken und Verzweifelten. Die Depressiven verlässt die grauenhafte Dunkelheit, wenn sie den Heiligen Geist, den das „Credo“ an prominenter Position auflistet, erfahren, im Krankenzimmer, an der Tankstelle, wo auch immer wir Hand auflegen und für sie beten.

Das Gebet zu Jesus wirkt auch heute noch bei Kranken

Die Lebensmüden sind auf ihren Knien und danken Jesus für ein neues Leben und tatsächlich finden sie Hoffnung, Sinn, Arbeit, Freunde und Freude. Und auch die Kranken stehen auf und sind gesund. Nicht alle immer und sofort. Aber jeder, der begreift, wie radikal anders Jesus ist und wie unmissverständlich und alles übergreifend der Akt der Liebe ist, der in Jesus Leben, Tod und Wiederauferstehung zu sehen ist, der hat Hoffnung. Nicht auf später, sondern heute. Eine Hoffnung und Liebe, die ihn freisetzt von den Lügen, den Krankheiten und dem Tod dieser Welt. Eine Welt, die die Wahrheit für relativ hält, wie der arme Pilatus. Pilatus verschwand, Jesus blieb. Und nichts und niemand kann ihn aufhalten.

Zu den Autoren: Bekannt wurde Elke Naters (49), die als Vertreterin der Popliteratur gilt, schon vor einigen Jahren durch ihre Romane „Königinnen“ und „Mau Mau“. Ihr Mann Sven Lager (47) schrieb die Romane „Phosphor“ und „Im Gras“ sowie eine „Gebrauchsanweisung für Südafrika“. Als Autorenduo haben beide zuletzt „Was wir von der Liebe verstehen“ veröffentlicht.

Soeben ist Elke Naters neuer Roman „Später Regen” erschienen. Im Herbst 2013 kommt als nächstes gemeinsames Buch „Es muss im Leben mehr als nur alles geben“ auf den Markt. DT/mee