Würzburg

Tagesposting: Weglieben und Weihwasserflatrate

Claudia Kaminski ist beschämt: Ihre Freundinnen leben ihr vor, was christliche Geduld und katholische Frömmigkeit bedeuten. Trotz schwerer Krankheiten und anderer Konfession.

Herz-Jesu-Figuren
Jesus-Figuren mit dem Heiligsten Herzen Jesu stehen in einer Ausstellung im Schloss Biendorf in Sachsen-Anhalt. Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild)

Immer wieder bin ich zutiefst beschämt – durch Freundinnen. Fast möchte ich schreiben: Und das ist gut so, weil es mir hilft, mich wieder mehr einzuordnen – auf den Herrn – weg von einer Selbstgefälligkeit, die sich gern fast unbemerkt einschleicht.

Tagesposting: Komm, süßer Tod? Die Euthanasie-Falle
Andreas Thonhauser ist Direktor für Kommunikation in Europa von ADF International. Foto: Archiv

In meinem Freundeskreis sind einige an Krebs erkrankt. Bei meinem „kleinen Bruder“ weiß man nicht genau, wie lebensverkürzend es ist. Bei meiner gleichaltrigen Freundin hat der Krebs vielleicht schon die Oberhand gewonnen und wir wissen nicht, ob wir noch mehr als einen Geburtstag gemeinsam feiern werden. Momentan ist sie immer mal wieder mit Atemnot im Krankenhaus. Bei einem dieser Krankenhausaufenthalte hatte sie eine Mitpatientin, die bis tief in die Nacht laute Musik hörte. Meine Freundin sagte zu mir: Ich habe mir vorgenommen, das „wegzulieben“. „Die andere Patientin weiß es nicht besser.“ Die Reaktion hat mich beeindruckt und beschämt, denn ich bin mir sicher, dass ich das so nicht gekonnt hätte – erst recht nicht mit Atemnot, die Angst macht.

Auch eine andere Freundin, die noch nicht einmal katholisch ist, sondern eine junge Frau aus dem Osten Deutschlands, die zwar getauft ist, aber dann nur noch die Jugendweihe bekommen hat, beschämt mich fast schon regelmäßig. Als ich vor zwei Jahren in Fatima war, habe ich ihr in meiner Begeisterung ein Weihwasserfläschchen mitgebracht und ihr „beigebracht“, dass man sich damit segnet, wenn man nach Hause kommt oder das Haus verlässt. Gerade schrieb sie mir wieder, dass das Fläschchen leer sei. Da sie eine „Weihwasserflatrate“ bei mir hat, habe ich es natürlich wieder aufgefüllt. Was mich daran beschämt? Ihr Weihwasserverbrauch ist höher als meiner.

Beschämt vor der Herz-Jesu-Figur

Kurz darauf hat sie mich wieder beschämt – ich finde kein anderes Wort dafür: Aus meinem Elternhaus habe ich eine Herz-Jesu-Figur geerbt. Meine junge Freundin war mit dabei, als ich einige Sachen in meinem Heimatort abholte und die Statue wurde, eingewickelt in eine Decke, auf unseren Knien sicher nach Köln transportiert. Unterwegs wollte sie wissen, wo er denn nun hinkommen sollte. Spontan meinte ich, dass er wohl am besten in dem uns verbindenden Flur aufgehoben wäre - er könnte ja dann als Bote zwischen uns fungieren, denn in meiner Wohnung habe ich schon einige Heiligenfiguren. Was ich versäumt hatte: Ich hatte nie daran gedacht, ihr die Sache mit dem Heiligsten Herzen Jesu zu erklären. Als ich jedoch im Juni für die israelischen Nachrichten einen Bericht zum Herz-Jesu-Monat machte, kam mir der Gedanke, ihr den fertigen Beitrag zu senden, damit sie weiß, wer da zwischen uns wacht. Sie bedankte sich sehr für die Erklärung und schrieb: „Dann werde ich ihm aber jetzt mal Blumen hinstellen – als Zeichen unserer Verehrung.“ Unserer!! Verehrung. Auch das hat mich zutiefst beschämt, denn so ganz weit her war es da eben mit meiner Verehrung nicht. So lerne ich immer wieder von Menschen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mir etwas beibringen werden. Ich hoffe, der jetzt gefasste Entschluss, offen auf jeden zuzugehen, um zu sehen, was er mir beibringen kann, hält an.

Die Autorin ist Ärztin und Direktorin für Kommunikation bei k-tv.