Würzburg

Tagesposting: Mensch, überhebst Du Dich?

Der Mensch erklärt sich immer mehr zum Herrn über Leben und Tod. Im Gegensatz zur Klimadebatte bleibt der mediale Aufschrei erschreckenderweise aber aus.

Aktive Sterbehilfe in Belgien
Die Therapie beenden, die Geräte abschalten, die Organe spenden? In unserer Gesellschaft breitet sich zunehmend eine Kultur des Todes aus. Foto: Etienne Ansotte (BELGA)

Eigentlich wollte ich über Greta, die alternative Nobelpreisträgerin, schreiben – nach ihrem Auftritt in New York. Aber: ist es das wert, dass man sich so aufregt? Sie ist ein armer, autistischer, ausgenutzter Teenager – kein Kind, dem man angeblich die Kindheit gestohlen hat. Wenn ihr jemand die Kindheit geraubt hat, dann die Eltern, die eine beispiellose PR–Maschinerie angeworfen haben wegen des angeblich menschengemachten Klimawandels. How dare you!? Mensch, überhebst Du Dich?

Dass seit Jahrzehnten dagegen tatsächlich millionenfach Kindern im Mutterleib durch Abtreibung, Tötung vor der Geburt, nicht nur die Kindheit, sondern das ganze Leben geraubt wird – jede Perspektive einfach ausgelöscht wird. How dare you!? Das darf man nicht fragen – weder wutschnaubend, noch leise.

Tagesposting: Katholiken müssen sich engagieren
Das Tagesposting: Die Kolumne im Feuilleton der "Tagespost". Foto: pr

Noch nicht einmal, wenn – wie Mitte September in Kanada – eine Mutter straffrei bleibt, die ihr Neugeborenes erwürgt hat. Das ist Teil der Kultur des Todes, wenn es um das Menschenrecht auf Leben geht, bei dem immer wieder und immer mehr Unterschiede gemacht werden – am Anfang des Lebens genauso wie am Ende.

Gegen die Kultur des Todes

How dare you!? Dies möchte ich auch den Ärzten zurufen, die dem Vater einer Freundin gerade die Maschinen abgestellt haben. Sie hat gekämpft, gegen die Kultur des Todes. Sie, die nicht wirklich glaubt, wollte, dass er lebt, dass sie noch Zeit hat, sich zu verabschieden, dass nicht Ärzte, sondern die Natur, oder Gott, oder wer auch immer entscheidet. Sie hat gespürt, dass es noch Zeit braucht, dass die Entscheidung der Ärzte für den Abbruch der Therapie, das Drängen auf Organtransplantation verfrüht ist.

Obwohl sie nicht gläubig ist – hat sie ausgerechnet mit mir sprechen wollen, mit der „Gläubigen“ und mich um Gebet ersucht. Für mich unfassbar, weil mein Glaube ja immer eher belächelt wurde. Aber in der Not, wenn es um das Äußerste geht – dann sucht der Mensch vielleicht doch genau diejenigen, die glauben? Die anderen Familienmitglieder hatten sich vom Vater schnell verabschiedet. Sie aber wollte jedem Funken Hoffnung Raum geben, den Vater festhalten, Zeit mit ihm verbringen, das Wochenende noch, Abschied nehmen.

Im ungleichen Kampf der Kultur des Todes haben andere entschieden: Abschalten der Maschinen, Ziehen der Schläuche, tot. Kein weiterer Abschied, kein weiteres Wochenende, einfach Aus, für immer. Sie hätte ihm noch mindestens 21 Jahre geben wollen – ihre Großmutter wurde schließlich 102! Ich habe noch nie vorher so inständig um einen frühen Tod gebetet, darum, dass der Herr diesen Menschen zu sich nimmt, bevor die Verwandten, die Ärzte, diese Entscheidung fällen und das Leben einfach beenden ...

Denn ich glaube immer noch, dass es nur einen Herrn über Leben und Tod gibt. Ich glaube, dass der Herr diesen Vater zu der von Ihm bestimmten Zeit zu sich genommen hätte. Ich glaube, dass es richtiger gewesen wäre, allen Verwandten die Zeit zum Abschied zu geben. Ich glaube, dass es gut gewesen wäre für meine Freundin, wenn ihre Familie diesem Tod nicht so schnell zugestimmt hätte. Ich glaube – an den Herrn über mein Leben und meinen Tod und an die Ewigkeit bei Ihm.