Würzburg

Tagesposting: Katholiken müssen sich engagieren

Die einzige Voraussetzung für den Triumph des Bösen ist, dass gute Menschen nichts tun.

Engagiert: Marsch für das Leben
Das Evangelium fordert uns auf, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen und uns zu engagieren. Ein Beispiel ist der Marsch für das Leben. Foto: dpa

Gerade haben in Polen die Parlamentswahlen stattgefunden. Oft hörte man den Satz, die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen. Das klingt gut, aber nur, wenn man es richtig versteht. Es bedeutet, dass die Kirche als Institution keine konkreten Kandidaten oder Parteien unterstützen sollte, weil diese nie ideal sind. Gleichzeitig ist es aber eine Pflicht der Kirche und aller Katholiken, sich für Politik zu interessieren und über Aspekte des gesellschaftlichen Lebens öffentlich zu reden und Druck auszuüben, damit die Werte des Evangeliums so stark wie möglich in der Rechtsprechung und im öffentlichen Raum vertreten sind.

Aber sollten Katholiken sich trotzdem nicht lieber fernhalten von der Politik? Wird man durch diese nicht schmutzig? Das ist ein gefährlicher Mythos. Schon Edmund Burke sagte: Die einzige Voraussetzung für den Triumph des Bösen ist, dass gute Menschen nichts tun. Wenn wir – als Katholiken – nicht die Verantwortung für unsere Gesellschaft übernehmen, machen es gerne andere und nicht unbedingt in der Weise, die wir uns wünschen. Natürlich ist es nicht die Pflicht jedes Katholiken, Politiker zu werden, aber das Evangelium verlangt von jedem von uns, sich für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu interessieren und auch, sich zu engagieren.

Die Politiker auf den Prüfstand stellen

Und wenn es nur das ist, dass man die Politiker genau prüft. Wie und wozu äußern sie sich? Wie leben sie persönlich? Das ist keine Überwachung, sondern man prüft, ob jemand fähig ist, Verantwortung zu übernehmen. Schon Jesus hat gesagt: Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. (Lk 16, 10) Deswegen habe ich kein Vertrauen in Politiker, die betrügen, und sei es „nur“ den eigenen Ehepartner. Ich würde dazu sagen, dass die Einstellung zum Schutz des Lebens ein Grundkriterium ist. Ich kann nicht jemandem vertrauen, der nicht ausnahmslos allen Menschen die Menschenwürde verleiht.

Die PiS muss zeigen, ob sie ihre Versprechen hält

Die Partei, die in Polen gewonnen hat, PiS, hat schon mehrmals deklariert, sich am Leben zu orientieren. Leider hat man in den vergangenen vier Jahren nur die soziale Hilfe für Familien mit kranken Kindern verstärkt. Das hat aber – wie in der ganzen Welt – nicht geholfen, mehr Kinder vor Abtreibung zu schützen. Dazu benötigt man direkte Aktivitäten: man muss das Recht restriktiver gestalten und dies mit großen Kampagnen in den Medien erklären, damit die Bürger es besser verstehen. Die nun beginnende Legislaturperiode ist ein Test für die Partei, die gewonnen hat, ob ihre Deklarationen ehrlich waren. Es ist auch die Zeit für die Katholiken, diese Partei zu kontrollieren, im Guten zu unterstützen und bei manchen Entscheidungen einen großen Druck auszuüben … Falls wir es nicht tun, machen es die anderen … Also, auch nach der politischen Wahl ist unsere Gesellschaft in unseren Händen. Und unsere Pflicht ist auch das Gebet. Ohne Gebet für die Politiker lässt sich das Evangelium nicht umsetzen.

Die Autorin ist Juristin, Psychologin und eine der bekanntesten pro-life- und Familien-Aktivisten Polens.