Würzburg

Tagesposting: Glauben in Zeiten des Corona-Virus

Der moralische Imperativ der Stunde lautet: sich selbst und seine Nächsten zu schützen.

Autorin Kristina Ballova
Die Autorin betreibt den Blog „Frau mit Eigenschaften“. Foto: Archiv

Der moralische Imperativ der Stunde lautet: sich selbst und seine Nächsten vor dem mittlerweile in ganz Europa grassierenden Corona-Virus zu schützen. Rücksichtnahme, Zurückhaltung und erhöhte Hygiene sind deshalb nicht nur ein Zeichen des Anstands, sondern auch der gelebten christlichen Nächstenliebe.

Jedoch: Ist dies alles, was unser Glaube in Zeiten einer Epidemie wie dieser zu bieten hat? Als ich kürzlich durch Instagram scrollte, stolperte ich über eine Botschaft, die ein bekannter Priester gepostet hatte. Es war ein Gemälde, auf dem der heilige Karl Borromäus einer an Pest erkrankten Frau die heilige Kommunion spendet. Mich hat dieses Bild zum Nachdenken gebracht. Die Präsenz und der Trost Gottes durch die Sakramente sind das Höchste, was die Kirche den Menschen in Gefahr, Not und Krankheit bieten kann und durch die Jahrhunderte hindurch geboten hat. Der Glaube hat sich der Krankheit entgegengestellt. Der Glaube daran, dass in der hl. Eucharistie der segnende Heiland präsent ist, und dass durch das gemeinsame Gebet während der Liturgie, Prozessionen, Andachten das Unheil und die Krankheit abgewandt werden können. 

Präsenz und der Trost Gottes durch die Sakramente sind das Höchste,
was die Kirche den Menschen in Gefahr, Not und Krankheit bieten kann
und durch die Jahrhunderte hindurch geboten hat.

Auf das Corona-Virus antwortet die Kirche gegenwärtig anders. In Italien bleiben die Kirchen bis Anfang April geschlossen, und auch in meinem Heimatland Slowakei wurden die öffentlichen Gottesdienste für die kommenden Wochen ausgesetzt. Eine solche Schließung der Kirchen und Einstellung ihres öffentlichen Wirkens habe ich noch nie erlebt; in Rom dürfte es das erste Mal seit den Zeiten Kaiser Neros sein.

"Aber es scheint eine Ratio ohne den Glauben zu walten."

Ist die heilige Messe eine kulturelle Veranstaltung wie jede andere und mit jeder beliebigen Vernissage gleichzusetzen, die man einfach absagt? Sind die Sakramente und Sakramentalien nur eine weitere Ansteckungsgefahr und in Zeiten der Krankheit besser zu meiden? Aus der Sicht der säkularen Gesellschaft sicher. Aber sollen wir uns als Katholiken diese Sicht zu eigen machen? Kann unser Umgang mit der Krankheit rein diesseitig-rational sein? Darf der geistliche Beistand der Kirche in Zeiten der Not in der Abwesenheit des liturgischen Lebens bestehen? Ich bin davon überzeugt, dass Politiker wie Bischöfe im besten Interesse der Menschen und nach Absprache mit Experten entschieden haben. Aber es scheint eine Ratio ohne den Glauben zu walten. Und so bin ich traurig für all die Menschen, die ihre Kraft und Stärkung im Alltag aus der Eucharistie und der Kirchenbesuche schöpfen wollen und nicht können.

All die, die den göttlichen Trost brauchen und nicht bekommen. All jene, die Sehnsucht nach mehr als Hygienehinweisen haben. Gerade Not-Zeiten sind Chancen, sich zu Gott zu bekehren und zu erkennen, dass Seine Macht größer ist als alle menschliche Ratio. Das ist keine irrationale Frömmigkeit, sondern durchaus praktisch gedacht: der vom Glauben erfüllte Mensch wird einer Krankheit ganz anders, optimistischer und lebensbejahender, entgegentreten und sie so besser bewältigen. Ich plädiere deshalb für mehr Gebet und weniger Angst. Für mehr Sakramente und weniger Zurückhaltung. Für mehr Gottvertrauen und weniger säkulare Bescheidenheit.

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