Rom

Tagesposting: Ein Film, eine Mauer und Twitter

Eine erfolgreicher Film aus den 50er Jahren, Audrey Hepburn, eine Mauer aus dem Jahr 270, ein Bombenangriff – und am Ende steht doch Gebet und Frömmigkeit.

"Ein Herz und eine Krone"
Audrey Hepburn als Prinzessin Anne neben Gregory Peck als Reporter in einer Szene des Spielfilms "Ein Herz und eine Krone". Foto: dpa

Wer kennt ihn nicht, den bekanntesten Romfilm „Ein Herz und eine Krone“ (1955) mit Gregory Peck und Audrey Hepburn? Wer erinnert sich nicht an die unvergessliche Vespafahrt durch das Nachkriegsrom, die Hand im Mund der Bocca della Veritá und an die bezaubernde, einsame Prinzessin, die für einen Tag Rom entdecken darf? Als Familienvater habe ich diesen Film schon zahlreiche Male sehen dürfen und mag ihn – trotz des bittersüßen Endes. Eine der weniger spektakulären Szenen des Films spielt sich an der sogenannten „Mauer der Wünsche“ ab, einem langen Mauerstück voller Votivtafeln, welche für erfüllte Wünsche stehen. Eine Gelegenheit für Hepburn und Peck, über ihre eigene Beziehung nachzudenken. Ich habe niemals länger über die Szene reflektiert, vor allem habe ich mich nie gefragt, wo sie eigentlich spielt – und warum die Votivtafeln dort hängen.

Die "Mauer der Wünsche"

Nun kommt Twitter ins Spiel und meine Passion für Mauern. Spät am Abend wanderte ich gleich neben meiner Botschaft an der Aurelianischen Mauer entlang. Da leuchtete von der Mitte der langen Mauer am Castro Pretorio ein Licht über die Straße herüber. Ich machte ein Foto, stellte das stimmungsvolle Bild auf Twitter und schrieb: Dort sei eine kleine Kapelle in die antike römische Mauer eingelassen, mit einem Muttergottesbild, bei dem ich zuweilen mit den Kindern stehenbleibe. Und, siehe: ein Twitterfollower antwortete, dies sei genau die Stelle, an der die „Mauer der Wünsche“ stand! Als man für die Olympiade 1960 die Stadt Rom herrichtete und hier einen unterirdischen Tunnel einrichtete, hat man die Votivtafeln abgenommen – aus Angst, dass die Mauer (die immerhin aus dem Jahre 270 stammt) irgendwann unter der Last zusammenbrechen würde. Daraufhin schaute ich mir die Szene noch einmal an und bemerkte, dass da inmitten der weißen Votivtafeln, auf die unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird, eine alte Frau in Schwarz kniet und vor einem Marienbild betet. Dann hörte ich, wie Gregory Peck ganz deutlich über den Ursprung dieser „Mauer der Wünsche“ spricht: Wie nämlich ein Mann mit seinen vier Kindern während eines Bombenangriffs die Muttergottes um Hilfe angefleht hat und nichts als die Mauer als Schutz hatte – nichts passierte ihm. Seine Votivtafel war die erste aus Dank für die Erhörung.

Im Schrecken des Krieges den Schutzlosen gelächelt

Es handelt sich, wie ich im Internet herausbekam, um einen Bombenangriff im März 1944, der in der unmittelbaren Nachbarschaft schreckliche Schäden anrichtete und viele Tote und Verletzte forderte. Also schlenderte ich heute hinüber zur Kapelle. Lehnte meinen Kopf an das Gitter vor der Marien-Ikone „La Madonnella di viale del Policlinico”, und las die Inschrift: Dass niemand vergessen solle, wie die Madonna hier im Schrecken des Krieges als einzige den Schutzlosen gelächelt habe. Eine erfolgreicher Film aus den 50er Jahren, Audrey Hepburn, eine Mauer aus dem Jahr 270, ein Bombenangriff – und am Ende steht doch Gebet und Frömmigkeit. Feinste römische Geschichte, und das alles 50 Meter vor meiner Haustür. Ich liebe es, wie die modernen Medien uns helfen, die Geschichten von Rom zu begreifen.

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