Berlin

Tagesposting: Die Bibelfrage wird zur Schicksalsfrage

Nicht auf den Zeitgeist, sondern auf Petrus bauen: Eine Protestantisierung wird die katholische Kirche nicht attraktiver machen. Das zeigt auch ein Blick auf die Situation der evangelischen Kirche.

Petrus, der Fels
Wer klug ist, baut sein Haus auf den Felsen Petri, nicht auf den Sand des Zeitgeistes. Foto: Cristiano Fronteddu (Adobe Stock)

Heute ist er Regierungssprecher: Steffen Seibert, einst mein Nachfolger als Moderator der ZDF-Nachrichten „heute“. Seinen Glauben versteckt er nicht. Jugendbewegt war er aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Doch als seine Kinder geboren wurden, fehlten Rituale, Heimat, ein Geländer für ein sinnvolles Familienleben. Dem Kölner Domradio gesteht er 2010, warum er nicht wieder evangelisch geworden, sondern „bewusst“ in die katholische Kirche eingetreten ist: „ Es hatte mit Begegnungen zu tun.... mit der katholischen Liturgie, die mich anspricht, die mir sehr viel Halt gibt.“

Attraktiv war für Seibert also das Beständige, nicht das Beliebige. Nicht das Belanglose, was mit der Zeit kommt (und auch wieder geht), sondern das Bedeutende, was den Atem des Ewigen in sich trägt.

„Wer dem Katholizismus rät, sein Heil in der Protestantisierung zu suchen,
ist ein blinder Blindenleiter, ein marketingstrategischer Dilettant, ein Scharlatan“

Tagesposting: Die Bibelfrage wird zur Schicksalsfrage
Vom Bestseller-Autor ist aktuell erschienen: „Seid ihr noch ganz bei Trost? Schluss mit Sprachpolizei und Behördenterror... Foto: Archiv

Heute sucht der Katholizismus nach (synodalen) Wegen, für den modernen Menschen wieder attraktiv zu werden. Rettende Dauerbrenner im Modekatalog des Marketings sind – vor allem in Deutschland: Abschaffung des Zölibats, das Frauenpriestertum und natürlich eine „offene“ Sexualmoral nach dem Motto „Ehe für alle“. Auf dieser Hitliste findet man weder Liturgie noch Sakrament. Das, was Kirche im Kern Kirche sein lässt, scheint im klerikalen Instrumentenkasten keinen Platz (mehr) zu haben. Doch die „moderne“ Marketingstrategie der „Reformer“ lässt sich leicht überprüfen. Man muss nur rechnen können. Zahlen und Fakten sprechen für sich: Der Protestantismus praktiziert das doch alles seit langem und müsste sich vor Ein- und Übertritten nicht retten können. Doch das Gegenteil ist der Fall. Auch die Jahresstatistik 2018 bilanziert wieder wesentlich mehr Austritte aus der evangelischen als aus der katholischen Kirche. Und die Zahl der Gottesdienstbesucher ist bei Katholiken deutlich höher als bei Protestanten.

Rein rechnerisch geht die Gleichung also nicht auf. Theologisch ohnehin nicht. Allein die Konferenzen im Augsburger Gebetshaus beweisen Jahr für Jahr, was zehntausende Jugendliche wirklich wollen: Glauben an Jesus, Gebote der Bibel, Gebet und Gesang. Das, was Kirche konkurrenzlos wichtig macht und andere nicht zu bieten haben. Was Modernisierungs-Strategen jetzt vorschlagen, klingt nach Greenpeace und Arbeiterwohlfahrt, nach Greta und AOK. Aber nicht nach dem, was Kirche und Mensch im Innersten zusammenhält. Wer dem Katholizismus rät, sein Heil in der Protestantisierung zu suchen, ist ein blinder Blindenleiter, ein marketingstrategischer Dilettant, ein Scharlatan. Wir haben doch bereits den Beweis, dass das nicht funktioniert: Den Evangelischen laufen die Leute in Scharen weg. Dumm ist, wer sich freiwillig und sehenden Auges in den Abwärtssog begibt. Klug ist, wer sein Haus nicht auf den Flugsand der Wanderdünen modischer Meinungen baut, sondern auf den Felsen, den Jesus vor 2 000 Jahren selbst benannt hat: Petrus. Die Bibelfrage wird zur Schicksalsfrage, wohin der Weg der Kirchen in den nächsten 20 Jahren führt. Denn wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird schnell verwitwet (Kierkegaard).

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