Statt Digitalisierung Gebäude sanieren

Debatte über Digitalisierungsoffensive an Schulen – Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, ist skeptisch

Die Pläne für ein Milliardenprogramm des Bundes für die Digitalisierung an Schulen wird kontrovers diskutiert. Der Deutsche Lehrerverband ist gegen ein Programm zur Ausstattung von Schulen mit Computern und freiem Internet. „Der Bund ist für so etwas eigentlich nicht zuständig“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch). Die Kommunen dagegen äußern sich in der „Rheinischen Post“ positiv, fordern aber eine noch höhere Investitionssumme von Bund und Ländern.

Lehrerverbands-Chef Kraus sagte, wenn es schon ein Milliardenprogramm für Schulen geben solle, „dann bitte für die Sanierung der Gebäude. Hier besteht ein Bedarf in dreistelliger Milliardenhöhe“. Zahlreiche Schulen seien in marodem Zustand und müssten eigentlich sofort saniert werden. Oft würden Beträge in zweistelliger Millionenhöhe benötigt, die Schulträger alleine nicht schultern könnten.

Schulen mit Computern, Tablets und Laptops auszustatten, bringe für den Unterricht kaum etwas, so Kraus. „Es nutzt am Ende nur der Industrie und den Herstellern.“ Viele Studien warnten davor, dass Deutschland digital abgehängt werden könnte. Aber man müsse auch darauf schauen, wer diese Untersuchungen in Auftrag gebe. „Das sind die großen Telekommunikationsfirmen. Es gibt keine belastbaren Befunde darüber, dass digitalisierte Schulen zu besseren Schülerleistungen führen.“

Rund 40 000 Schulen mit schnellem Internet auszustatten, bringe keinerlei Fortschritt für den Unterricht. „Die Digitalisierung der Klassen würde die bei den Schülern ohnehin vorhandene Neigung zum Häppchenwissen noch verstärken.“ Der Lehrerpräsident wünscht sich bundesweit Regelungen wie in Bayern. Dort sei die Nutzung digitaler Medien an Schulen außerhalb des Unterrichts und ohne Erlaubnis der Lehrkräfte verboten. „Ich würde mir wünschen, dass unsere Schüler auch in den Pausen miteinander sprechen, miteinander spielen.“

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, sagte der „Rheinischen Post“: „Digitale Bildung kostet Geld. Es fehlt bisher an einer abschließenden Kostenschätzung, aber es müssen mindestens 2,5 Milliarden Euro pro Jahr aufgewendet werden.“ Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte demnach erklärt, der Bund werde bis 2021 insgesamt fünf Milliarden Euro für Computer und W-Lan an rund 40 000 Schulen bereit stellen.

Landsberg forderte die Länder auf, die Digitalisierung in den Schulen stärker voranzutreiben. „Die Länder stehen in der Pflicht, die Medienbildung in den Lehr- und Bildungsplänen zu verankern.“ Die Kultusministerkonferenz müsse „einheitliche Mindeststandards zur schulischen Medienkompetenz“ erarbeiten. DT/KNA