Spott mit Gott

Eine Comedy-Serie des ZDF, die derzeit in Berlin gedreht wird, sorgt bereits vor der Ausstrahlung für Proteste. Von Carl-H. Pierk

Wird mit dieser Fernsehserie die Grenze zwischen Humor und Gotteslästerung überschritten? Das ZDF dreht derzeit unter dem Titel „Wir sind Gott“ in Berlin eine Comedy-Serie mit sechs Folgen von je 15 Minuten über Gott, er wird darin als „weiblich und zu zweit“ dargestellt.

In einer Pressemitteilung des ZDF heißt es dazu: „Jahrtausende glaubte ein Großteil der Menschen an den einen allmächtigen Gott. Doch die Wahrheit sieht völlig anders aus: Gott ist weiblich und zu zweit. Inge und Renate heißen die beiden Damen im besten Alter, die eine schwätzt mit hessischem, die andere mit sächsischem Dialekt. Aus dieser Ausgangslage machen Carsten Strauch und Rainer Ewerrien als Inge und Renate für das ZDF eine sechsteilige Kurzcomedy und widmen sich stets einem großen Thema der Menschheitsgeschichte, beginnend natürlich mit Adam und Eva... Mit der charmant schusseligen Art der beiden Damen ist schnell mal ein Ozonloch entstanden oder eine Küstenlinie verrutscht. Doch insgesamt zeigen sich Inge und Renate recht zufrieden mit ihrer Schöpfung. Nur vom Menschen hatten sie sich eigentlich mehr versprochen. Als Krönung der Schöpfung geplant, ist er leider stark hinter den Erwartungen zurückgeblieben und enttäuscht meist sehr. Inge und Renate finden die Zeit nun reif, den Menschen mit den nackten Tatsachen zu konfrontieren, um vielleicht doch noch etwas zu retten. Dazu wollen sie die modernen Medien wie TV und Internet nutzen.“

Evangelikale erheben Blasphemie-Vorwurf

Auch wenn ein Sendetermin noch nicht feststeht, zum Protest gegen diese „schrecklichste Form der Blasphemie“ hat der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbunds KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Wolfgang Baake, aufgerufen. Baake erklärte gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea, zwar dürfe man Comedy über Menschen machen, aber nicht über den Dreieinigen Gott: „Wo sind die Grenzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, und wo bleibt der Protest der Kirchenvertreter im Fernsehrat des ZDF?“ Er fragt zudem, was wohl geschehen würde, wenn das ZDF eine Comedy über Allah brächte. Baake fordert die Christen auf, massiv Protest einzulegen. Im Internet hat die Ankündigung des ZDF zur Comedy-Serie „Wir sind Gott“ bereits eine starke Resonanz ausgelöst. Empörung und Ablehnung ist der Tenor einer Vielzahl von Stimmen, die sich gegenüber medrum.de, einem christlichen Informationsforum, geäußert haben.

Sensibel mit dem Thema umgehen

Der Medienbeauftragte der EKD, Oberkirchenrat Markus Bräuer (Frankfurt am Main), appellierte an die Verantwortlichen, sensibel und verantwortungsvoll mit dem Thema umzugehen. Bräuer wies gegenüber idea darauf hin, dass es im Judentum eine lange Tradition gebe, den Glauben mit Humor zu begleiten. Auch im Christentum gehöre dies dazu, wie etwa die Don-Camillo-Filme zeigten. Allerdings bewege man sich auf schmalem Grat, wenn man die religiösen Gefühle nicht verletzen wolle. Bräuer: „Ich bitte Regisseure und Autoren der Reihe darum, verantwortungsvoll mit dem Thema umzugehen. Für den christlichen Glauben muss die gleiche Sensibilität gelten, mit der auch der Islam und das Judentum dargestellt werden würden.“

Von der „Tagespost“ um eine Stellungnahme zu dieser ZDF-Comedy gebeten, erklärte der aus Fernsehen und Radio bekannte Autor und Kapuziner Bruder Paulus Terwitte: „Gott macht sich immer wieder zum Thema. Gut, dass er geduldiger ist als wir. Viele ertragen die Ernsthaftigkeit seines Daseins nicht. Darum spotten sie den Heiligen. Die angekündigte Comedy-Serie feuert mich an: Wie kann ich aktiver per Fernsehen der Gesellschaft von Gott künden? Sie weckt Fragen an das ZDF: Ist das dein Ernst – die gelebte Liebe von Christen, Muslime und Juden zum allmächtigen Gott zu verhohnepipeln? Und durch sie spricht der wahre Gott zur katholischen Kirche in Deutschland: Fürchte dich nicht; fördere alle, die auf den TV-Markt gehen wollen; ,Inge und Renate‘ brauchen Konkurrenz.“