Smartphones für Kinder verbieten?

Der IT-Verband Bitkom sieht darin keine Lösung. Ganz anders der Verein „Innocence in Danger&ldquo

KINA - WhatsApp-Chat mit Lehrern
Der gesunde Gebrauch des Smartphone wird kontrovers diskutiert. Foto: dpa

Analysiert man die DAK-Studie zu den gesundheitlichen Risiken übermäßiger Internetnutzung durch Kinder und Jugendliche (vgl. „Machen Soziale Medien krank?“), könnte man auf den Gedanken kommen, zumindest die Jüngsten vor den Gefahren zu schützen. Daher rührt die Forderung nach einem Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren, die Julia von Weiler erhoben hat, Internetexpertin im Fachbeirat des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung und im Vorstand des Vereins „Innocence in Danger“. Für sie ist vor allem der Konsum pornografischer Bilder und Videos durch Kinder ein großes Problem.

Der IT-Verband Bitkom hält dennoch nichts von einem solchen Verbot: „Verbote sind keine Antwort auf die Digitalisierung“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder gegenüber dem „Handelsblatt“. „Wer schwarz-weiß denkt und Handys einfach verbieten will, macht es sich zu einfach.“ Stattdessen setzt er auf Bildung: „Genauso wie Lesen und Schreiben sollte Medien- und Digitalkompetenz in den Schulen vermittelt werden.“ Julia von Weiler hält dagegen: „So, wie wir Kinder vor Alkohol oder anderen Drogen schützen, sollten wir sie auch vor den Risiken einer zu frühen Smartphone-Nutzung schützen.“

Auf seiner Website skizziert „Innocence in Danger“ die dramatische Situation wie folgt: „Noch nie zuvor hatten unsere Kinder soviel Einblick auf zum Teil verstörende Bilder und Filme im Internet. Und noch nie hatten Pädokriminelle so viele Möglichkeiten, auf Bilder, Gespräche und Adressen unserer Kinder zuzugreifen. In jeder Sekunde sind laut UN und FBI 750 000 Pädokriminelle online. Viele Teilnehmer in Kinderchats sind Täter auf der Suche nach Kindern.“ Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen und sie zu bekämpfen, bringe der Verein „das Tabuthema an die Öffentlichkeit“.

Eine besondere Gefahr sieht Julia von Weiler in der Verbreitung pornografischer Bilder und Videos von Kindern durch diese selbst, so genanntes „Sexting“. Das ist als „Verbreitung von Kinderpornografie“ strafbar, auch dann, wenn Kinder die „Täter“ sind. „Die Zahl der Anzeigen in diesem Bereich ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, sagte Judith Dobbrow vom Landeskriminalamt Berlin. Die Ermittler seien inzwischen im Schnitt alle zwei Wochen in einer Schule, um dort einer solchen Anzeige nachzugehen. „Seit jedes Kind ein Smartphone hat, werden auch die Tatverdächtigen immer jünger.“

Sicherlich sind in einer freiheitlichen Gesellschaft Verbote immer die ultima ratio. Ein generelles Smartphone-Verbot für Kinder ist daher problematisch. Verstärkt muss aber über technische Lösungen (etwa Inhaltseinschränkungen) nachgedacht werden, die den größten Schmutz filtern. Und schließlich sind die gefragt, denen die Erziehung der Kinder in erster Linie zukommt: die Eltern. Sie können das Nutzungsverhalten ihrer Kinder wohl am besten steuern. Sie sollten es.