Serie Zivilreligion: Glaube und Politik heute

Teil 1: Professorin Janne Haaland Matlary (Norwegen) über „Christdemokratie ohne Christen“. Der Beitrag basiert auf einer unveröffentlichten, gekürzten und leicht überarbeiteten Rede der Autorin unter obigem Titel, die sie am 19. November 2008 vor dem englischen House of Lords gehalten hat.

Die Christen haben es in Europa zusehends schwerer, in der politischen Öffentlichkeit gehört, verstanden und akzeptiert zu werden. Zuletzt deutlich wurde dies bei der heftigen Medienschelte an Papst Benedikt XVI. nach dessen Aufhebung der Exkommunikation für vier Bischöfe der Piusbrüder. Darin kam das Selbstbewusstsein einer säkularen Gesellschaft zum Ausdruck, die der Kirche, die in den Personen von Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. so erfolgreich war, dass von einer Renaissance der Religion die Rede ging, nicht länger diesen Anspruch einer führenden öffentlichen Orientierungsmacht zugestehen will. Auch die aktuellen Erscheinungsformen des Atheismus, der Evolutionstheorie und Gehirnforschung möchten die Religion ins Private zurückdrängen. Anständig sein lässt sich auch ohne Gott, heißt das Motto. Dies alles wird derzeit unter dem schillernden Begriff der „Zivilreligion“ versammelt und diskutiert. Diesem Phänomen widmet die „Tagespost“ eine Feuilleton-Serie. sei