Schreiben für die kirchliche Morallehre

Maike Hickson: katholische Bloggerin als Brückenbauerin. Von Peter Winnemöller

In katholischen Kreisen in den USA dürfte fast jeder Maike Hickson kennen. Sie schreibt für lifesitenews.com, Onepeterfive, The Wanderer und andere. Auch für „Die Tagespost“ hat sie schon Artikel geschrieben. Sie gewinnt als katholische Brückenbauerin immer mehr Leser in Deutschland. Sie gilt als Kennerin der Kirche in Deutschland. Diese empfindet Hickson als Trauerspiel. Sie sei in einem erschütternden Zustand. In der katholischen Kirche in Deutschland folge eine Häresie und eine verquere Idee auf die andere, schildert die Bloggerin ihre Sicht.

Maike Hickson wurde 1972 in Hannover geboren, ging dort zur Schule und zur Universität. Sie schrieb in Hannover ihre Doktorarbeit in Literaturwissenschaft. Einige Jahre lebte sie in der Schweiz. Dann heiratete sie in die USA. Dort wohnt sie heute mit ihrem Mann und zwei Kindern (8 und 11) in der Diözese Arlington. Ihre eigene Kindheit war geprägt von zwei Scheidungen. Sie fühlte sich ihrer familiären Identität beraubt und ist sehr dankbar, heute in einer intakten Familie leben zu dürfen.

In einem typischen linksliberalen 68er- Umfeld aufgewachsen, war sie dieser Ideologie in Schule und Elternhaus ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb sieht sie liberale Erziehung heute sehr kritisch. In einer Anekdote schildert sie, wie absurderweise ein Neonazi aufgrund des Laissez-faire der Lehrer die Klasse terrorisieren konnte. Auch ihre Eltern kritisiert sie, da diese zu sehr auf Psychologie setzten. Sie selber, so Hickson, habe die Erfahrung gemacht, dass ein Leben nach Gottes Geboten die größtmögliche Gewähr für seelische Gesundheit sei. Noch in der Schweiz lernte die junge Frau den katholischen Glauben kennen und konvertierte. Es waren vor allem traditionelle Priester der Petrusbruderschaft, die sie im Glauben beeindruckten. Starker Glauben, tätige Nächstenliebe und große Familien beeindruckten Hickson an den Katholiken in den USA. „Die Deutschen haben die schöneren Kirchen, aber sie sind leer“, sagt Maike Hickson und fährt fort: „Die Amerikaner haben dafür viel mehr Glauben.“

Die kräftige Stimme vieler Bischöfe, die die Gläubigen ermutigen, findet sie ebenso bemerkenswert, wie das Gefühl, mit dem Glauben an Gott kein Exot zu sein. Prolifearbeit, Gebet (Rosenkranz und Novenen), die Unterweisung der Kinder im Glauben, eine stärkere Treue zur Kirche, nennt sie als große Stärken der amerikanischen Katholiken. Das Fundraising amerikanischer Gemeinden komme ihr zuweilen etwas peinlich vor, aber es gebe eben keine Kirchensteuer. Somit müsse jeder Katholik entscheiden, „in welches Körbchen“ er seinen Obolus gibt. Der Weg, eine der bekanntesten amerikanischen katholischen Bloggerinnen zu werden, führte zum einen über eine Neigung zu schreiben, die die Literaturwissenschaftlerin hat. Den äußeren Anlass gab Papst Franziskus mit seinen Familiensynoden. Maike Hickson kam zu der Erkenntnis, es werde hier die so wertvolle Morallehre der Kirche zur Disposition gestellt. Sie hatte erfahren und erlebt, welchen Wert diese darstellt.

Hier wird Maike Hickson so richtig kämpferisch: „Die Rede von Kardinal Kasper vor dem Konsistorium im Februar 2014 hatte mich auf den Plan gerufen.“ Da hieß es, für das zu kämpfen, was sie selber gerade als wahr und befreiend entdeckt hatte. Denn eine zerbrochene Liebesbeziehung, betont die Journalistin, sei ein Betrug am anderen. Aus ihrer eigenen Kindheit wisse sie, dass Kinder sichere Ehen brauchen. Die Erwachsenen brauchen sie auch.

Papst Franziskus hat sie zum Schreiben gebracht. Seitdem hört sie nicht mehr auf. Manchmal, so gibt sie zu, sei der Journalismus aufreibend. Auch die Familie bekomme das zu spüren. Ab und zu hofft und betet sie, dass es wieder Zeiten gibt, wo der Journalismus sie nicht so sehr in Beschlag nimmt.

Die private Maike Hickson gibt es auch. Sie bastelt gerne mit ihren Kindern. Sie mag ihren Gemüsegarten, ein wenig Handwerk und Stricken. Im Winter liebt sie die Abende am Kamin, wo sie sich von ihrem Mann vorlesen lässt. Wie man das alles schafft, darauf hat sie eine einfache Antwort: Die Kraft holt sie sich in der Heiligen Messe.