Schauen, Nachdenken und Beten

Gedanken zum Fasten: „Das letzte Abendmahl“ im Frankfurter Dom St. Bartholomäus

Die Fastenzeit ist für Christen eine besondere Zeit der inneren Einkehr und Besinnung. Im bewussten Verzicht auf bestimmte Speisen und Getränke sowie in Verbindung mit kleinen Exerzitien im Alltag kann es gelingen, den tieferen Sinn der vierzig entbehrungsreichen Tage körperlich und seelisch zu erfahren. Wer nicht von seinen sonstigen Gewohnheiten abweicht, sich bewusste Auszeiten gönnt und Dinge unternimmt, für die sonst keine Zeit bleibt, wird es schwer haben, auf den Sinn und die tiefe Bedeutung des Fastens zu stoßen.

Möglichkeiten für kleine Auszeiten und innere Kontemplation bieten zum Beispiel die vielen Kunstwerke in unseren Gotteshäusern. Es lohnt sich also, mit offenen und wachen Augen durch die Kirchen zu gehen und den reichen Motivschatz aufzuspüren, der im Kontext der Passion Christi steht.

Der Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main – ehemalige Pfalzkapelle und Stiftskirche – ist der größte Sakralbau im Zentrum der Mainmetropole. Als Wahl- und Krönungskirche der römisch-deutschen Kaiser gilt der Dom als ein bedeutendes Bauwerk der deutschen Geschichte und war im 19. Jahrhundert Symbol nationaler Einheit.

Im nördlichen Querschiff von St. Bartholomäus befindet sich der Annenaltar, der drei spätgotische fränkische Figuren und in der Predella ein ebenfalls spätgotisches Abendmahlsrelief aus dem 14. Jahrhundert enthält.

Das letzte Abendmahl erinnert an das für den christlichen Glauben heilvolle Sterben Jesu Christi und diese Holzschnitzerei aus Niedersachsen vergegenwärtigt dem gläubigen Betrachter das Ereignis. Zu sehen ist das letzte feierliche Mahl von Jesus mit seinen zwölf erstberufenen Jüngern am Vorabend seines Todes. Um eine lange Tafel sind die meist bärtigen Männer versammelt. Jesu Lieblingsjünger Johannes schläft in den Armen des Herrn. Einige beten. Andere setzen den Becher zum Trunk an oder lassen sich gerade nachschenken. Mehrere Brote liegen auf dem weiß gedeckten Tisch. Goldene Becher, Teller und Messer liegen bereit. Zusammen mit der Taufe ist die Feier des Abendmahls für alle Christen die entscheidende gottesdienstliche Handlung. Dabei ist Jesus Christus in der von ihm gegebenen Gemeinschaft gegenwärtig.

Jesu Abendmahl fand im Rahmen eines Passahmahls statt. Auch auf diesem Bildwerk ist das kleine Passahlamm auf einem Teller vor Jesus zu sehen. Auch der Verrat des Judas Iskariot, mit dem Jesu Passion beginnt, ist angedeutet. Mit dem Rücken leicht gewendet und geneigt zum Betrachter gewandt, klammert Judas seinen Geldbeutel in seiner linken Hand offen auf dem Tisch. Er hält Blickkontakt zu Jesus. Dieser schaut traurig auf die gedeckte Tafel. Hinter ihm ist bereits ein goldener Lichtschein in Form eines Kruzifixus sichtbar.

Jesus übernahm die Rolle des jüdischen Hausvaters, der den ungesäuerten Brotfladen in die Hand nimmt, Gott dafür dankt und zu Beginn jeder Mahlzeit verkündet: „Gepriesen bist Du, Herr unser Gott, König der Welt, der das Brot aus der Erde hervorbringt“ –, das Brot in Stücke bricht und diese den Anwesenden reicht. In den Kelchen auf dem Tisch befindet sich der Wein.

In Markus (14,22ff) kann man das Geschehen wie folgt nachlesen: „Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Amen ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.“