Salafistinnen missionieren im Netz

Gegen Formen des Hasses und der Falschmeldungen will jetzt Facebook mit mehr Aufklärung im Internet vorgehen. Von Alexander Riebel

Salafisten-Kundgebung in Offenbach
Weil männliche Salafisten häufig mit Gerichtsverfahren zu tun haben, werden nun die Frauen aktiv in der Mitgliederwerbung. Foto: dpa
Salafisten-Kundgebung in Offenbach
Weil männliche Salafisten häufig mit Gerichtsverfahren zu tun haben, werden nun die Frauen aktiv in der Mitgliederwerbun... Foto: dpa

Das Internet hatte sich bereits bei der Rekrutierung für den sogenannten Islamischen Staat bewährt. Das System haben jetzt offenbar Salafistinnen in Nordrhein-Westfalen übernommen – Salafisten in Deutschland arbeiten schon länger für den Islamischen Staat und waren bisher mit der Beschaffung finanzieller Mittel für die Terrororganisation beschäftigt und der Indoktrinierung. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz hat nun die Befürchtung, dass sich salafistische Parallelgesellschaften in Deutschland bilden. So warnt das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen auf seiner Internetseite: „Gerade Kinder und Jugendliche sind dafür empfänglich. Um sie zu schützen, haben das Ministerium des Innern NRW und das Ministerium für Schule und Bildung NRW Präventionsangebote zusammengestellt.“

Die etwa 40 Salafistinnen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, benutzen wie der Islamische Staat das Internet, um weitere Anhänger zu werben. Dass einige der Frauen auf Facebook Hunderte von Anhängern haben, zeigt die Bedrohlichkeit der Lage. Aber auch die Mängel der Betreiber sozialer Netzwerke, die bisher offensichtlich nichts gegen die Hetze gegen „Nichtgläubige“ unternehmen, mit der aggressiv im Internet missioniert werde, wie Burkhard Freier, der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, gegenüber der FAZ vom Mittwoch erklärte: „Die Frauen sind mittlerweile Ideologieproduzentinnen.“ Im Internet kann Koran-Schulung problemlos in arabischer Sprache verbreitet werden, ohne mit der deutschen Bildungspolitik in Berührung zu kommen, die gerade hier für mehr Transparenz sorgen möchte. Dass die Indoktrination durch die Salafistinnen bereits in der Familie bei den Kindern beginnt, macht es so schwer, diese Strukturen aufzulösen.

Facebook hat die Aufgabe übernommen, Hassnachrichten und falsche Nachrichten auszusortieren oder zu kennzeichnen. Beides würde auf die massive Missionierung durch die Salafistinnen zutreffen. Erst vier Tage vor Weihnachten hat Facebook auf seiner Internetseite erklärt, sein System verbessern zu wollen. Man will keine deutlichen Zeichen mehr wie eine rote Flagge setzen, um die strittigen Posts zu kennzeichnen, sondern verwandte Beiträge ins Netz stellen, so dass ein Kontext entstehe, der die Aussagen relativiert, was dann für jeden nachvollziehbar sein soll. Auch ist geplant zu zeigen, warum Informationen nicht mit der Wahrheitsquelle übereinstimmen. Damit wolle sich Facebook selbst als Informationsquelle verbessern. Wenn das alles im Fall des Salafismus zur Wirkung kommt, wäre den Internetnutzern viel geholfen. Gerade Jugendlichen wäre geholfen, die sonst häufig wenig Medien außer dem Internet und den Sozialen Medien zur Kenntnis nehmen.