Washington/Paris

Rod Dreher: Ich werde gewiss für Trump stimmen

Bestseller-Autor Rod Dreher äußert sich zur kulturellen und gesellschaftlichen Lage in den USA und zum US-Präsidenten Donald Trump.

Rod Dreher zum US-Präsidenten Donald Trump
Trump sei „nicht so schlecht gewesen, wie ich befürchtet hatte. Trotzdem glaube ich nicht, dass er ein guter Präsident war", meint US-Bestsellerautor Rod Dreher. Foto: Brian Cahn (ZUMA Wire)

Rod Dreher hat sich in seinem Weltbestseller „Die Benedikt-Option“ über das Überleben von Christen in säkularisierten Gesellschaften zu Wort gemeldet. Nun tut er seine Haltung gegenüber der kulturellen und gesellschaftlichen Lage in den Vereinigten Staaten und gegenüber Präsident Trump kund.

So gab er der französischen Tageszeitung "Le Figaro" ein ausführliches Interview zu diesen Themen. Die Teilnahme von Präsident Trump am Marsch für das Leben halte er zwar für „möglicherweise heuchlerisch in Bezug auf das Abtreibungsrecht“, da er sich damit die Stimmen konservativer Evangelikaler sichern möchte. Dennoch müsse man berücksichtigen, „dass er an den Supreme Court Pro-Life-Richter berufen hat. Und ein heuchlerischer Präsident, der in seiner Abtreibungspolitik konstant bleibt, ist mir lieber als ein Präsident, der zwar aufrichtig pro-life ist, aber sich in dieser Angelegenheit nicht ausreichend engagiert“.

Selbst Millenials wollen keine uneingeschränkten Abtreibungsrechte

Was besonders interessant sei, so Dreher weiter, ist, „dass, selbst wenn die ‚Millennials‘ viel freier im Hinblick auf die Fragen der Sexualität als frühere Generationen sind, und obwohl sie die säkularste Generation in der Geschichte der Vereinigten Staaten sind, ihre Ablehnung von uneingeschränkten Abtreibungen stark bleibt“. Dreher glaube, dass die Erklärung für dieses Phänomen teilweise in der Technologie liege: „Die Fortschritte bei den Ultraschalluntersuchungen ermöglichen den Menschen, zum ersten Mal wirklich zu sehen, was sich in der Gebärmutter abspielt, und sich bewusst zu machen, dass sie nicht nur ein Stück Fleisch sehen, sondern ein sich entwickelndes menschliches Wesen. Die Wunder der heutigen Medizin, die das Leben frühgeborener Babys rettet, sind für diese Generation aussagekräftiger als die Predigten der Priester“.

Trump sei „nicht so schlecht gewesen, wie ich befürchtet hatte. Trotzdem glaube ich nicht, dass er ein guter Präsident war. Dennoch werde ich in diesem Jahr gewiss für ihn stimmen, und das aus gutem Grund: die Demokratische Partei ist den religiös und gesellschaftlich Konservativen gegenüber extrem feindlich eingestellt, aber auch gegenüber unseren Grundfreiheiten. Ihr Kampf für die Gendertheorie und die maximale Ausdehnung der Rechte der LGBT-Gemeinschaft sind die Hauptpfeiler des demokratischen Programms. Die progressiven Aktivisten haben die konservativen Christen zu ihrem Hauptfeind erklärt. In Bezug auf diese Fragen und auf den Schutz der Meinungsfreiheit kann man ihnen nicht vertrauen. Sie sind die Feinde der Freiheit geworden.“

Konservative Bundesrichter zum Schutz der Religionsfreiheit

Doch es sei klar, „dass die Anzahl der Amerikaner, die über diese Fragen mit den Traditionalisten einig sind, sinkt. Ich glaube, dass in den kommenden Monaten und Jahrzehnten die von Trump berufenen konservativen Bundesrichter die einzigen sein werden, die ein wirklicher Schutz für die Religionsfreiheit in den Vereinigten Staaten sind“. Denn der Eindruck, dass die Vereinigten Staaten momentan einen Niedergang des Progressismus erlebten, sei falsch. Es stimme zwar, dass die Wahl konservativer Bundesrichter ein wichtiges Element sei, „dennoch reicht das nicht aus angesichts der enormen kulturellen Macht, über die die Progressisten ihrerseits verfügen. Sie kontrollieren die größten Informations- und Unterhaltungsmedien, sie kontrollieren die Schulen und die Universitäten, die Medizin und das Recht und auch die großen Unternehmen. Das Aufkommen eines ‚woke capitalism‘, eines progressiven Kapitalismus, ist eines der bedeutendsten politischen Phänomene des Jahrzehnts.“

DT/ks

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