Ringen um die richtige Entscheidung

„Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ porträtiert wieder einmal eine abscheuliche Welt, gegen die Jugendliche aufbegehren. Von José García

Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) soll das „Gesicht der Rebellion“ gegen den Diktator Snow und das korrupte Kapitol werden. Allerdings fragt sie sich immer häufiger, ob nicht auch die Rebellionsführer sie für ihre Zwecke benutzen wollen. Foto: Studiocanal
Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) soll das „Gesicht der Rebellion“ gegen den Diktator Snow und das korrupte Kapitol w... Foto: Studiocanal

Die Verfilmung der dystopischen Trilogie „Die Tribute von Panem“ („The Hunger Games“) von Suzanne Collins kommt nun zum Abschluss: Nach „The Hunger Games“ (2012) und „Catching Fire“ (2013), die den ersten beziehungsweise den zweiten Band für die große Leinwand adaptierten, wurde die Adaption des Abschlussbandes „Mockingjay“ in zwei Filme geteilt. Startete letztes Jahr „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ (DT vom 29.11.2014), so folgt nun der zweite Teil. Nach der Rettung Katniss Evergreens aus der Arena, in der die Jubiläums-„Hungerspiele“ stattfanden, mit der sowohl der zweite Band als auch der zweite Film „Catching Fire“ endete, spielt sich die erste Hälfte des dritten Bandes beziehungsweise der dritte Film „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ komplett im Distrikt 13 ab.

Rebellion gegen das Präsidentenamt

Die Distrikte rebellieren inzwischen offen unter der Führung der Präsidentin von Distrikt 13, Alma Coin (Julianne Moore), gegen das Kapitol. Die Rebellion braucht ein Gesicht, und das kann nur der „Spotttölpel“ („Mockingjay“ im Original), also Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), sein. Deshalb bestand der dritte Film vorwiegend aus den „Propos“ genannten Werbespots, die von Katniss gedreht werden, um die überlebenden Menschen in den Distrikten gegen das Kapitol anzustacheln. Damit weist auch der dritte Film auf die mediale Vermittlung des Kampfes hin, was ebenfalls im nun anlaufenden vierten Film fortgesetzt wird, als beispielsweise das Kapitol mit großformatigen Porträts der Rebellen reagiert: „Das sind die Gesichter der Rebellion“.

Der nun anlaufende vierte Film oder der zweite Teil von „Die Tribute von Panem – Mockingjay“ fängt ähnlich wie der erste Teil (dritter Film) an: Beginnt dieser mit der Stimme von Katniss Evergreen, die auf einer Krankenstation versorgt wird, so ist das erste Bild in „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ eine Großaufnahme ihres Gesichts. Katniss hat einen Mordanschlag durch den vom Kapitol manipulierten Peeta (Josh Hutcherson) überlebt. Dass Peeta vom Kapitol-Präsidenten Snow (Donald Sutherland) als Waffe gegen Katniss eingesetzt wird, bleibt weiterhin jenseits aller Kampfhandlungen der wichtigste Konflikt in „Mockingjay“. Peetas Gehirn wurde mit Gift so gefoltert, dass er zwischen Wirklichkeit und Kapitol-Propaganda kaum unterscheiden kann. Ob Katniss nach dem Attentat ihre Stimme wieder gewonnen hat? Zunächst nur mühsam fängt Katniss an zu sprechen.

Ein weiterer Strang, der sich durch die zwei Teile von „Mockingjay“ zieht, betrifft die Frage, inwieweit Katniss der Rebellionsführung vertrauen kann. Erschien die von Julianne Moore verkörperte Präsidentin Alma Coin bereits im ersten Teil von „Mockingjay“ als unergründlich, so kann sie im zweiten Teil als zynisch bezeichnet werden: „Egal, was sie tut – das haben wir uns ausgedacht“, sagt sie etwa zu ihrem Assistenten Plutarch in Bezug auf Katniss. Diese soll also von der Rebellenführung instrumentalisiert werden. Irgendwann einmal wird es dem Zuschauer – und natürlich auch Katniss – bewusst, dass Coin nur ein Ziel hat: Die Stellung von Präsidenten Snow zu übernehmen. Die äußere Handlung nimmt sich als eine Fortführung des ersten „Mockingjay“-Teils aus. Katniss soll wieder „Propos“ drehen, um die Rebellion am Leben zu erhalten. Deshalb wird sie von einem Fernsehteam unter der Leitung von Regisseurin Cressida (Natalie Dormer) begleitet.

Hat Nachahmer: Die düstere Zukunft mit totalitären Zügen

Außer Gale und Finnick (Sam Clafin) begleitet sie auch Peeta. Zwar leidet er noch unter der Kapitol-Gehirnwäsche. Aber propagandistisch erscheint es sehr vorteilhaft, dass Peeta nun wieder an der Seite des „Spotttölpels“ steht. Denn der Vormarsch der Eingriffstruppe soll live im Kapitol-TV ausgestrahlt werden. Katniss gibt sich jedoch nicht mit der Aufgabe zufrieden, die ihr Präsidentin Alma Coin zugeschrieben hat. Sie verfolgt durchaus eigene Pläne. Denn Katniss ist davon überzeugt, dass dem Krieg nur durch den Tyrannenmord Einhalt geboten werden kann. Sie will sich im Laufe des Einsatzes absetzen und Snow mit ihren Pfeilen töten.

Auf dem Weg zum Machtzentrum, dem Präsidentenpalast, begegnen die Rebellen allerlei heimtückischen Fallen, so dass der ganze innere Bezirk zu einer mit überall angebrachten Überwachungskameras ausgestatteten, überdimensionierten Arena ausgebaut wurde. Die Kämpfe sollen übertragen werden, sozusagen als Sonderausgabe der „Hungerspiele“. Auch wenn einige Spezialeffekte durchaus gelungen sind, stellt sich immer wieder ein „Déja-Vu-Gefühl“ ein. Ähnliche Kämpfe hatte der Zuschauer bereits im dritten Film gesehen. Was die Architektur des inneren Bezirks in der „Panem“-Welt angeht, überrascht es, dass zunächst einmal Plattenbauten zu sehen sind, und erst nach und nach klassizistische Gebäude auftauchen.

Am Schluss der vier „Panem“-Filme wird noch einmal deutlich, dass bei den Mächtigen die Grenzen zwischen Richtig und Falsch eher fließend sind. Deshalb kann „Die Tribute von Panem“ als eine dystopische Erzählung bezeichnet werden. Das Besondere dabei: Es sind jugendliche Protagonisten (in den Romanen ist Katniss Everdeen zu Beginn der ersten Hunger-Spiele erst 16 Jahre alt), die gegen das System aufbegehren. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Romane und Filme, die eine düstere Zukunft mit totalitären Zügen zeichnen. Auf diese hat Suzanne Collins mit ihrer „Panem“-Trilogie zweifelsohne einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt.