Radiokritik

Das von „Bayern 2“ ausgestrahlte Magazin „Theo.Logik“ wendet sich eigenen Angaben zufolge an „alle neugierigen und nachdenklichen Hörerinnen und Hörer, die von einem Radio-Programm mehr erwarten als fast-food-information“. Am vergangenen Montag befasste es sich erstmals ausführlich mit der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID). Mehrere Beiträge, die als Podcast auf den Seiten von Bayern 2 heruntergeladen werden können, beleuchten verschiedene Aspekte des brisanten Themas. So wurden drei Gesetzentwürfe vorgestellt, mit denen Politiker aller Parteien die PID gesetzlich regeln wollen, und die PID-Stellungnahme der EKD analysiert. Gefragt wurde, ob es ein Recht der Eltern auf gesunde Kinder gebe, was der protestantische Theologe und frühere brandenburgische Verfassungsrichter Richard Schröder, ein vehementer PID-Befürworter, erfreulicherweise verneinte. Zu Wort kamen ferner der Reproduktionsmediziner Matthias Bloechle, der die erste PID durchführte und sich dann selbst anzeigte, eine seiner Patientinnen sowie der Augsburger Weihbischof Anton Losinger und der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhof, die im Deutschen Ethikrat die katholische Kirche vertreten. Für die Protestanten sprachen die Bayerische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. Obwohl das wichtige journalistische Kriterium der Ausgewogenheit formal damit geradezu perfekt erfüllt wurde, wird niemand leugnen können, dass die Macher der Sendung mit einer Zulassung der PID sympathisieren. Denn wer der emotionalen Darstellung eines Einzelschicksals gleich zu Beginn breiten Raum einräumt, trifft – zumal bei einem ethisch zunehmend unmusikalischen Publikum – eine Vorentscheidung, zu der sich ethische Expertisen nur noch wie Fußnoten ausnehmen. Suggeriert wurde ferner, es gäbe eine ethisch akzeptable und eine ethisch nicht akzeptable Selektion von Embryonen. Das gewaltige, wissenschaftlich belegte Ausmaß der Selektion wurde völlig verschwiegen. Das wäre aber eine wichtige Information gewesen und hätte für eine emotionale Ausgewogenheit gesorgt.