Portrait der Woche: Gloria Fürstin von Thurn und Taxis

Die Standfeste. Von Stefan Meetschen

Gloria Fürstin von Thurn und Taxis

 

Es gibt nicht viele lebende Deutsche, denen die „New York Times“ ein ausführliches Porträt gewidmet hat. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis gehört dazu. Ihr bisheriger Lebensweg glänzte kürzlich im Flaggschiff der liberalen Publizistik – ein Leben zwischen sozialem Engagement, katholischer Werteordnung und kulturellem Esprit. Weiblich, bodenständig, unkonventionell.

Soviel Souveränität würde man sich auch von Kultureinrichtungen wünschen, etwa dem Museo del Barrio in New York. Das Museum ist in die Schlagzeilen geraten, weil die derzeitige Führung die flotte Fürstin zunächst für ihr langjähriges Engagement im Dienste der Kunst ehren wollte, die Auszeichnung dann aber wieder zurücknahm. Mit einer erstaunlichen Begründung: In einer Stellungnahme wird suggeriert, dass Gloria, die seit Jahrzehnten über hervorragende Kontakte in die Kunst- und Kulturwelt verfügt, sich nicht in Übereinstimmung mit den „Prinzipien von Inklusion, Bürgerrechten und Vielfalt“ befinde. Ein verfrühter, schlechter Karnevalsscherz?

Die Fürstin, die in Afrika aufwuchs, nimmt es mit Gelassenheit. Daran, erläutert sie gegenüber der „Tagespost“, könne man erkennen, dass „die Gesinnungsdiktatur den Bogen überspannt hat und die Spießer das Kommando übernommen haben“. Man wolle „auf Teufel komm raus spalten und Unfrieden säen“. Gott sei Dank habe sie von ihren „schwulen Freunden sofort liebenswerte unterstützende E-Mails bekommen“, die ihr Mut zusprächen.

Gloria Fürstin von Thurn und Taxis: Die Standfeste

Eine nette Geste, doch die 58-Jährige hat schon oft bewiesen, dass sie selbst über enormen Mut und Standfestigkeit verfügt, und sie weiß es: „In einer offenen Gesellschaft darf man ruhig kritisch über andere sprechen, das tue ich ja auch. Wer keine Kritik ertragen kann, darf sich auch nicht öffentlich äußern. Insofern habe ich schon ein dickes Fell.“ Das schließt einen kirchenpolitischen Einsatz ohne Menschenfurcht nicht aus.

In den Medien wurde berichtet, dass Fürstin Gloria den US-amerikanischen Politstrategen und früheren Trump-Berater Steve Bannon mit katholischen Kirchenleuten in Verbindung gebracht hat. Dazu befragt, kontert die traditionsbewusste Katholikin humorvoll: „Mein Gott, der war in Rom und da liegt es auf der Hand, ihn mit wichtigen Kirchenführern bekanntzumachen. Dass man sich darüber aufregt, kann ich nicht verstehen, aber aus Spaß haben wir schon früher gesagt: ,Wir sind die, vor denen Euch Eure Eltern immer gewarnt haben.‘“ Aus Spaß scheint ernst geworden zu sein – in der Kirche und in der Welt. Schön, dass die mutige Fürstin sich von den Überspannern nicht beeindrucken lässt.