Nach 500 Jahren wieder vereint

Zwei Madonnen von Raffael gemeinsam in Dresden ausgestellt. Von Veronika Schütz

Eine Sonderausstellung in Dresden zum Deutschlandbesuch des Papstes zeigt zwei berühmte Madonnen von Raffael: Neben der „Sixtinischen Madonna“ auch die „Madonna di Foligno“ (unser Bild im Detail), die sonst in der Pinacoteca Vaticana ausgestellt ist. Foto: Fotos: dpa
Eine Sonderausstellung in Dresden zum Deutschlandbesuch des Papstes zeigt zwei berühmte Madonnen von Raffael: Neben der ... Foto: Fotos: dpa

Der Papst bringt sie nach 500 Jahren wieder zusammen: Damals standen die berühmten Gemälde vermutlich gemeinsam in der Werkstatt Raffaels (1483–1520): Die „Sixtinische Madonna“ und die „Madonna di Foligno“. Die sogenannten Geschwisterbilder sind nun erstmals in einer Sonderausstellung in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden gemeinsam zu sehen: „Himmlischer Glanz. Raffael, Dürer und Grünewald malen die Madonna“, lautet der Titel der Schau, die vom 6. September bis zum 8. Januar 2012 geöffnet ist. Anlass ist der Besuch von Papst Benedikt XVI. Ende September in Deutschland.

Von einem „einzigartigen wissenschaftlichen und kulturellen Ereignis“, das der Papst fördere, sprach der Direktor der Vatikanischen Museen Antonio Paolucci am Dienstagabend vor Journalisten. 1512 malte Raffael die mehr als drei Meter hohe Altartafel „Madonna di Foligno“. Nun verlässt sie für die Schau in Dresden erstmals die Vatikanischen Museen. Im gleichen Jahr erhielt der Malerfürst von Papst Julius II. (1503–1513) auch den Auftrag zur „Sixtinischen Madonna“ für die Klosterkirche San Sisto in Piacenza. Anlass gab der Sieg der päpstlichen Truppen über die in Italien eingefallenen Franzosen und die Einverleibung der Stadt Piacenza in den Kirchenstaat. Im Jahr 1753/54 erwarb der sächsische Kurfürst August III. das Gemälde und brachte es in seine Sammlung nach Dresden, wo es bis heute geblieben ist.

Beide Altarbilder stellen eine „Sacra Conversazione“, eine Heilige Unterredung dar: Die Heiligenfiguren scheinen miteinander im Dialog zu stehen, in den sie den Betrachter mit hineinziehen. In der Mitte der Bilder ist jeweils die Madonna auf Wolken mit dem Jesuskind, in klassischem Blau und Rot gekleidet. Die „Sixtinische Madonna“ war an ihrem ursprünglichen Platz an der Rückwand des Altars gegenüber einem großen Kruzifix angebracht; das Spiel der Figuren steht also auch in Bezug zum Kreuzestod Christi. Während Raffael dieses Bild wie eine unmittelbare Vision des Betrachters erscheinen lässt – der Vorhang öffnet sich und Papst Sixtus II. (257–258) und die Heilige Barbara erscheinen auf Wolken –, hat er bei der „Madonna di Foligno“ die Vision aus der Perspektive des Stifters Sigismondo de Conti gestaltet.

Die bekanntesten Figuren der „Sixtinischen Madonna“ sind jedoch wohl die zwei am unteren Bildrand lümmelnden Engelchen. 1803 begann ihr Karrieresprung vom Nebendarsteller zum Blickfang: Damals wurden sie erstmals aus dem Gesamtzusammenhang des Gemäldes kopiert. Dies war der Startschuss für ihre weltweite Eroberung der Souvenirläden als Motiv auf Tassen, Taschen und Topflappen.

Bereits zu Lebzeiten galt Raffael als der Madonnenmaler schlechthin. Die Gottesmutter war in der Renaissance eines der populärsten Motive der Malerei. Einen besonderen Einblick in sein Schaffen gibt hier die einzig überlieferte eigenhändige Vorzeichnung zur „Madonna di Foligno“ aus dem British Museum in London, die ebenfalls in Dresden zu sehen sein soll. Weitere Exponate zum Themenkreis des Marienlebens und der Marienlegenden zeigt die Schau in Form von Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen, Büchern und weiteren Dokumenten aus der Renaissance. Darunter eine Marienvision von Lucas Cranach dem Älteren sowie Werke von Dürer, Garofalo und Correggio aus der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden.