Momente überirdischen Glücks

Eine Ausstellung zeitgenössischer Fotografie in Kloster Benediktbeuern zeigt, wie sehr Menschen Teil der Schöpfung Gottes sind. Von Marie-Thérese Knöbl

Die Sonne steigt aus dem Nebel auf: Natur und Glaube auf den Fotos von Beate Schaaf in Benediktbeuern. Foto: Ausstellung
Die Sonne steigt aus dem Nebel auf: Natur und Glaube auf den Fotos von Beate Schaaf in Benediktbeuern. Foto: Ausstellung

Eine bemerkenswerte Ausstellung in Kloster Benediktbeuern, einem der ältesten und landschaftlich am schönsten gelegenen Klöster Bayerns, zeigt, wie sehr wir als Geschöpfe Gottes und Betrachter der Wunder der Natur Teil der Schöpfung sind. Ausgestellt werden hier noch bis Ende September 2015 im Kreuzgang des Salesianerklosters einige großformatige Werke der Ayinger Künstlerin Beate Schaaf.

Die Betrachtung von Natur gibt Geborgenheit

Schaaf, gebürtige Dortmunderin und seit ihrer Kindheit mit der Region des bayerischen Oberlandes eng verbunden, ist es dabei gelungen, das ganz besonders Kostbare in den Begegnungen des menschlichen Betrachters mit der Natur einzufangen: Momente der Stille, Momente des Staunens und auch Momente überirdischen Glücks. Interessant ist dabei, dass die gelungenen Nahaufnahmen von Eiskristallen, Tautropfen, Schilfkolben, Spinnweben, aber auch die feinsinnigen Porträts des Benediktiner Storchenpaares, eines vom Walchensee auffliegenden Schwanes oder verschiedener Bäume, Himmelskonstellationen und Wolken vor allem zweierlei hervorrufen: eine ungeheure Himmelssehnsucht und die geradezu mit den Händen greifbare Präsenz Gottes.

Bei genauerer Betrachtung, und die fällt bei der wunderbaren Hängung der Exponate im Kreuzgang des Klosters nicht schwer, stellt sich heraus, dass genau 33 der insgesamt 45 Exponate sich in intensiver, unmittelbar oder indirekt sichtbarer Weise mit dem Himmel befassen. Darauf angesprochen, sagt Schaaf, die mit den gezeigten Bildern einen klosterinternen Auswahlprozess mit kunsthistorischer Prüfung gewonnen hat, dass ihr selbst diese Bilder und die in ihnen eingefangenen kostbaren Momente der Betrachtung von Natur ein Gefühl von Frieden und Geborgenheit geben. Das möchte sie auch gerne an Kinder und Jugendliche weitergeben, die dieses Gefühl und die Kunst der Beobachtung aufgrund zahlreicher Anforderungen und Ablenkungen von außen heute kaum noch kennen. „Die eigene innere Ruhe bringt auch die Natur dazu, sich zu öffnen“, so die Fotografin, die selbst geduldig stundenlang in der Natur ausharrt, um die Momente einzufangen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Besonders stimmungsvoll sind dabei der Friedhof des Klosters Benediktbeuern im Morgennebel und die Sonnenaufgänge in Maxlrain gelungen.

Die Kostbarkeit des Lebens begreifen lernen

Aber auch mit poppig-modern wirkenden, nachkolorierten Nahaufnahmen von Raureif und Eiskristallen oder den lichtdurchfluteten von Pflanzen, Tieren und Wolkenstimmungen versteht die Künstlerin, die Betrachter ihrer Arbeiten in Bann zu ziehen. Auf die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus angesprochen, erwidert Frau Schaaf, ihr gehe es vor allem um die Sensibilisierung von Kindern beziehungsweise der kommenden Generation für die Schönheit der Natur. „Eine Wertschätzung der vielen Schätze der Natur“, so Schaaf, „kann auch wesentlich dazu beitragen, das Leben wertzuschätzen und die Kostbarkeit des eigenen Lebens und des Lebens eines jeden anderen besser zu begreifen.“

Ein kluger Ansatz, um in einer zunehmend komplexer und disparater werdenden Gesellschaft die Menschen dort zu erreichen und zu fordern, wo sie wirklich ansprechbar sind, in ihrer Himmelssehnsucht und ihrer seelischen Intelligenz. „Durch den Blick nach oben“, so Schaaf, „erhält jeder Mensch Stärke, Kraft und Vertrauen, ganz unabhängig von Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit und Herkunft.“ Und er wird dabei reich belohnt. „Aus dem Staunen und aus der Dankbarkeit über das, was man dabei zu sehen bekommt, erhält die eigene Seele Frische und Kraft“, so die Künstlerin.

Dies bei der Betrachtung der Bilder Beate Schaafs selbst zu erfahren und bei den durch die wunderbaren großformatigen Arbeiten aus den Jahren 2010 bis 2015 ermöglichten visuellen Ausflügen in das Tölzer und das Werdenfelser Land zu unternehmen und die Präsenz Gottes in der Natur zu erfahren, sei jedem Leser wärmstens empfohlen.

„Zauber der Natur“ – Fotografie auf Leinwand von Beate Schaaf. Ausstellung im Kreuzgang von Kloster Benediktbeuern, bis 30. September 2015, geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr,

Eintritt frei.

An den Wochenenden steht die Künstlerin für Fragen bereit.