Mit Leidenschaft prächtige Unikate herstellen

Am Montag ist der Welttag des Buchs: Für den Verleger Wolfram Benda sind Bücher noch Kunstwerke. Von Kathrin Zeilmann

Wolfram Benda liebt Bücher. Schon als Student gründet der Anglist einen eigenen Verlag. Das Buch ist bei ihm keine Massenware – sondern ein handwerklich hochwertiges und künstlerisch einmaliges Produkt. Die Herstellung braucht Zeit – und das Buch kostet viel Geld.

Was ist ein Buch? Der massenhaft produzierte Taschenbuch-Roman, der in den Buchhandlungen der Fußgängerzonen angeboten wird? Gelbe Heftchen, in das Studenten ihre Anmerkungen kritzeln? Das alljährlich wiederkehrende Weihnachtsgeschenk, das schnell ins Regal wandert? Wolfram Benda würde hier wohl energisch den Kopf schütteln. Für ihn ist ein Buch ein Kunstwerk. Ein Unikat. Eine Leidenschaft. Seit 1979 verlegt der Bayreuther Bücher, die es nicht im Laden zu kaufen oder im Internet-Buchhandel zu bestellen gibt. Seine Bücher sind reinste Handarbeit, „hergestellt wie bei Gutenberg“, sagt er.

Handgeschöpftes Papier, Einbände aus wertvollem Material wie etwa Leder, Drucken und Binden als Handwerkskunst ganz ohne Einsatz moderner Maschinen – Benda sagt, er wolle Traditionen fortführen.

Denn: „Der Buchdruck ist bei uns so gut wie ausgestorben.“ Der 1953 geborene promovierte Anglist war schon „als Junge verrückt nach Büchern“, 1979 dann gründete er seinen Verlag „The Bear Press“. Den Bären als Namensgeber seines Unternehmens wählte er aus einem einfachen Grund – er mochte seit seiner Kindheit Bären, egal ob als Stofftier oder als Zootier. Die Geschäftsidee: „Schöne Texte in angemessener Form mit Originalgrafiken präsentieren“. Benda geht es nicht nur um den Text. Seine Bücher enthalten stets auch künstlerische Arbeiten, die er eigens für das jeweilige Werk in Auftrag gibt: „Es werden nie Dinge verwendet, die schon einmal da waren.“

Der Künstler setze sich in seinen Grafiken mit dem jeweiligen literarischen Werk auseinander: „Das ist keine Illustration, keine platte Abbildung des Textes“, betont Benda.

Leben kann er nicht von der Schaffung dieser bibliophilen Kunstwerke. „Ich mache das nebenbei“, erzählt Benda. Auf reine Handarbeit zu setzen, sei eben sehr kostspielig. Nach Angaben der Gesellschaft der Bibliophilen in München leisten sich diesen Luxus heute kaum Verleger. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Reinhard Wittmann, schätzt, dass es rund ein Dutzend sind, und sagt: „Es ist nichts, womit man Reichtümer anhäufen kann.“ Verleger Benda hat eine Stelle am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Erlangen-Nürnberg inne.

Bei der Textauswahl geht er konsequent vor: Verlegt wird nur, was ihm persönlich gefällt. „Ich fröne nur meiner eigenen Leidenschaft, ich nehme nur Texte meiner Lieblingsautoren.“ Das Spektrum reicht dabei von der Antike – etwa Horaz – bis zur Gegenwartsliteratur. Es finden sich aber auch mehr als 1 000 Jahre alte chinesische Gedichte sowie persische Lyrik im Programm. Zuweilen hat Benda auch englische und französische Texte ins Deutsche übersetzt. Das neueste Buch aus seinem Verlag ist Hugo von Hofmannsthals „Der Tod des Tizian“ mit Radierungen von Eberhard Schlotter.

Und der Preis? Je nachdem, wie aufwendig das Buch gestaltet ist, liegt er zwischen 170 und 3 000 Euro. Benda richtet sich an „Bücherliebhaber, Sammler von bestimmten Autoren oder Künstlern – und auch an Menschen, die Originalgrafiken lieben“. Rund 40 Werke hat er bislang herausgegeben, dazu kommen sogenannte Einblattdrucke – also kürzere Texte in Kombination mit einer Druckgrafik.

Der Entstehungsprozess eines Buches dauert vier bis sechs Jahre, die Auflage pendelt zwischen 50 und 200 Exemplaren. Folgeauflagen gibt es nicht. In jedem Buch findet sich ein Nachwort, das Benda selbst verfasst hat oder das von ausgewiesenen Experten stammt.

Auch der Vertrieb ist aufwendig, Benda kümmert sich selbst darum. Er schickt seinem Kundenstamm Prospekte zu, legt sie einschlägigen Katalogen und Zeitschriften bei, besucht Messen und Ausstellungen. Aber es lohne sich, findet er: „Denn die Schönheit des Buches ist überwältigend.“