Minderjährige sind nur unzureichend geschützt

Ein Bericht der EU-Kommission über soziale Netzwerke in Europa. Von Carl-H. Pierk

In den meisten sozialen Netzwerken sind Minderjährige nicht ausreichend geschützt. Das verdeutlicht ein in Brüssel vorgestellter Bericht der EU-Kommission. Auch die in Deutschland besonders beliebten Netzwerke SchülerVZ und Facebook haben Nachholbedarf. Nur „Bebo“ und „MySpace“ gewährleisten den ausreichenden Schutz. Bei den zwischen Dezember 2010 und Januar 2011 durchgeführten Tests wurden 14 Websites geprüft: Arto, Bebo, Facebook, Giovani.it, Hyves, Myspace, Nasza-klasa.pl, Netlog, One.lt, Rate.ee, SchülerVZ, IRC Galleria, Tuenti und Zap.lu. Weitere neun Websites werden im Laufe dieses Jahres noch getestet.

Zwar stellt eine Mehrzahl der getesteten Seiten inzwischen Sicherheitsinformationen für Minderjährige bereit. Aber die meisten Netzwerke verstoßen weiterhin gegen die „Grundsätze für sichere soziale Netze in der EU“, die sie mit der Kommission 2009 vereinbart hatten, heißt es in dem Bericht. So bemängelte die zuständige Kommissarin Neelie Kroes: „Ich bin enttäuscht, dass die meisten sozialen Netze nicht dafür sorgen, dass die Profile Minderjähriger standardmäßig nur den Mitgliedern auf deren genehmigten Kontaktlisten zugänglich sind. Ich werde darauf drängen, dass sich diese Websites eindeutig dazu verpflichten, diesen Mangel in einer überarbeiteten Version des Selbstregulierungsrahmens abzustellen, der gegenwärtig erörtert wird.“ Geschützt werden sollten Minderjährige nicht nur vor unerwünschten Kontaktaufnahmen, sondern auch vor der Beschädigung ihres guten Rufs in der Online-Welt.

Durch die von den meisten sozialen Netzen angebotene Möglichkeit, Personen in Bildern namentlich zu kennzeichnen, ist es leicht geworden, im Internet nach Fotos einer bestimmten Person zu suchen. Minderjährige sind im Internet auch anderen Gefahren wie „Grooming“ (Anfreunden mit Kindern, um sie dann sexuell zu missbrauchen) und „Cyber-Bullying“ (Schikanierung und Ausübung psychologischen Drucks) ausgesetzt. Neelie Kroes meint daher: „Jungen Leuten ist nicht ganz klar, welche Folgen die Online-Veröffentlichung so vieler persönlicher Informationen haben kann. Deshalb brauchen sie Hilfe von Eltern und Lehrern, denen wir aber mit Schutzvorrichtungen zur Seite stehen müssen, bis die Jugendlichen in der Lage sind, ihre Entscheidungen selbst in voller Kenntnis der Folgen zu treffen.“

Die niederländische Politikerin Neelie Kroes wurde zuerst als EU-Wettbewerbskommissarin bekannt, seit letztem Jahr als EU-Kommissarin für die Digitale Agenda. Ihrem Bericht zufolge nimmt die Zahl der minderjährigen Netzwerker weiter zu: 77 Prozent der Dreizehn- bis Sechszehnjährigen und 38 Prozent der Neun- bis Zwölfjährigen Internetnutzer in der Europäischen Union sind in Netzwerken aktiv.

Bislang haben 21 Unternehmen die „Grundsätze für sichere soziale Netze“ unterzeichnet: Arto, Bebo, Dailymotion, Facebook, Giovani, Google, Hyves, Microsoft Europe, MySpace, Nasza-klasa, Netlog, One, Rate, Skyrock, VZnet Netzwerke, Stardoll, Sulake, Tuenti, Yahoo! Europe und Zap. Wer-kennt-wen trat im November 2010 bei, wurde aber in die jetzige Bewertung nicht einbezogen. Kommissarin Kroes betonte, sie werde die Websites weiterhin drängen, bestehende Mängel zu beseitigen.

Weitere Informationen auch unter: ec.europa.eu/information_society