Merkel beklagt zu viele Schulabbrecher bei Zuwanderern

Bundesbildungsministerin Annette Schavan will mehr Abschlüsse von Migranten anerkennen

Vor dem Integrationsgipfel gestern im Kanzleramt hat die Bundesregierung verstärkte Anstrengungen der Länder gefordert, um die Zahl der Schulabbrecher unter Zuwandererkindern zu senken. „Die Länder haben uns zugesagt, dass der Anteil der Schulabbrecher bei ausländischen Kindern auf das Niveau gesenkt werden soll wie bei deutschen Kindern“, sagte die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Quote betrage bei Zuwandererkindern aber 13 Prozent und bei deutschen Kindern nur sieben Prozent. „Die Lücke klafft noch deutlich auseinander.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beklagte hier Defizite: „Kinder aus Einwandererfamilien brechen doppelt so häufig die Schule ab wie deutsche Kinder, ausländische Jugendliche haben doppelt so oft keine Berufsausbildung. Deshalb gibt es auch unter Migranten weitaus mehr Hartz-IV-Bezieher als unter Deutschen. Das muss sich ändern“, sagte Merkel. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) warb für eine weitere Öffnung Deutschlands für ausländische Fachkräfte. „Ich wünsche mir vom Integrationsgipfel das Signal, dass Deutschland ein weltoffenes Land ist“, sagte die Ministerin dem „Hamburger Abendblatt“ (Mittwoch). Die Bundesrepublik solle attraktiv sein „für Talente aus aller Welt“. Sie gab außerdem bekannt, einen Gesetzentwurf zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse vorzustellen. Das sei für alle ein Gewinn. „Die zugewanderten Fachkräfte müssen nicht länger unter Wert arbeiten“, so Schavan. Und auch Deutschland profitiere von den Kenntnissen und Qualifikationen der Zuwanderer.

Beim Integrationsgipfel im Kanzleramt beraten die Kanzlerin, mehrere Minister, Länderchefs sowie Vertreter von Zuwandererverbänden, Wirtschaft und Sport über das weitere Vorgehen. Hauptthemen des vierten derartigen Treffens sollen Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt und Integration vor Ort sein. Die Teilnehmer wollen einen Aktionsplan auf den Weg bringen, der bis zum kommenden Jahr erarbeitet werden soll. Böhmer distanzierte sich von der Position der CSU, dass Deutschland kein klassisches Zuwanderungsland sei. Zwar liege es auf der Hand, dass die Bundesrepublik nicht mit den USA zu vergleichen sei, sagte Böhmer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). Allerdings gehöre Deutschland zu den größten Einwanderungsländern, ein Fünftel der Bevölkerung habe einen Migrationshintergrund. DT/dpa