Mein Tagesposting: Was der Lösung vorausgeht

Von Prälat Wilhelm Imkamp

Wenn Mitarbeiter gekündigt, Filialen und Geschäftsstel-len geschlossen werden, alle Kennzahlen heruntergehen, dann ist ein Unternehmenskonzept gescheitert. Seit den 1970er Jahren gab es im deutschen Sprachraume ein fast flächendeckendes Konzept der Priesterausbildung. Es war gekennzeichnet durch Horizontalisierung, Psychologisierung und Entsakramentalisierung. Dieses Konzept ist gescheitert. Viele Seminare und Ausbildungsstätten mussten geschlossen werden, die Eintrittszahlen sind bei null, aber ... man macht weiter. Die Konzepte der 1970er Jahre werden nicht kritisiert, sondern radikalisiert. Was man ablehnt, ist weiterhin das „kultisch-sazerdotale Priesterbild“. Die davon Befallenen erkennt man an der täglichen hl. Messe, der Priesterkleidung und dem Rosenkranz. Es sind „Feinde“, die notfalls wegtherapiert werden. In der „wissenschaftlichen“ Ausbildung, die mit Bildung etwas, mit Kirchenkritik viel und mit Traditionsdestruktion sehr viel zu tun hat, wird alles vermittelt – nur nicht die Liebe zur konkret-gewachsenen Kirche. Endlose, das Studium begleitende Praktika sollen Alltagstauglichkeit vermitteln. In den ersten Priesterjahren folgen dann ebenso endlose und kostenintensive Fortbildungen, oft genug von (Hochschul-)Lehrern, die sich schon in der Ausbildung als Dekonstruierer einschlägig qualifiziert haben. Dazu kommen die immer größeren Pastoralräume mit oft bizarren kirchenrechtlichen Leitungsstrukturen, in denen der Priester nicht nur optisch verschwindet.

Je weniger Priester es in der Seelsorge gibt, umso größer werden die Pastoral- (oder Seelsorgs-) Ämter. Eine immer größere Pastoralbürokratie, sorgfältig bundesweit vernetzt, verwaltet immer weniger wirkliche Seelsorge. Pastoralpläne, Meetings, Workshops sind die natürlichen Ausscheidungen dieser Bürokratie. Kritik an dieser Entwicklung gibt es nur zaghaft, Kritiker werden aus Seminaren entlassen. Schon geweihte Kritiker werden schnell marginalisiert, stigmatisiert und möglichst isoliert. In den einschlägigen Kommissionen und Zeitschriften sucht man sie vergeblich. Das Desaster lässt sich nicht leugnen, aber der Apparat macht weiter.

Wie wäre es stattdessen mit einer Besinnung auf das Priestertum als Lebensform, die sakramental bestimmt ist, zum Beispiel durch die tägliche Zelebration des hl. Messopfers? Ohne zelebrationsfreie Tage oder Urlaub! Eine Lebensform, die sich dem Breviergebet verpflichtet weiß; seit aus dem „Breviarium Romanum“ nach vielen Zwischenlösungen das deutsche „Stundenbuch“ geworden ist, hat diese Form des Gebets jedenfalls nicht zugenommen. Vom Rosenkranzgebet ganz zu schweigen. Eine Hinführung zum nicht nur liturgischen Gebetsschatz der lateinischen Tradition wäre wohl sinnvoller als Zen-Yoga und andere Kurse mit ihren fernöstlichen Verrenkungen.

Dabei verhindert die Sprach- und Gehörlosigkeit gegenüber der Überlieferung, die Diskriminierung von Kritikern, aber jeden echten Dialog, jede echte Erneuerung. Wir müssen es endlich begreifen: Törichte Zölibatsdiskussionen von ehesatten Pensionären, die ihrer Jugendzeit im Priesterseminar nachtrauern, führen nicht weiter! Tägliche hl. Messe und Brevier sind wohl nicht die Lösung für die Krise, wohl aber die Voraussetzung für eine Lösung.