Mein Tagesposting: Schwiegermütter und Märtyrer

Vor kurzem gab es von eminenter Stelle im deutschen Katholizismus den Hinweis auf die Menschenrechte, die auch Terroristen zukämen. Vor allen Menschenrechten haben die Täter ein Recht darauf, ernst genommen zu werden!

Prälat Wilhelm Imkamp

Die Vertreter des Säkularisierungsdogmas vom mehr oder weniger unaufhaltsamen Absterben der Religion tun sich schwer mit Tätern, die aus einem Glaubensmotiv heraus handeln. Deshalb werden diese Täter zuerst einmal als Einzeltäter wahrgenommen, die zeigten, wie schwach der „Islamische Staat“ geworden sei. Dieser Erklärung wird dann eine Pathologisierung der Einzeltäter nachgeschoben: sie sind krank, gestört, milieugeschädigt, vom Opa geschlagen, in der Schule gemobbt oder was auch immer, nur die Religion, die hat keine Rolle bei der Tat gespielt. Vertreter der Kirche fühlen sich im nachkonziliaren Dialogoptimismus ebenfalls nachhaltig gestört. In einer Art naiver abrahamitischer Religionsromantik fragt man mit souveräner Ignoranz erst gar nicht, ob die Gründungsgestalt einer Religion ein Gewaltopfer oder ein Gewaltherrscher ist. Der Islam hat mit Mohammed ein wohl eher unbefangeneres Verhältnis zur Gewaltausübung, begründet werden musste immer der Verzicht darauf. Im Christentum musste immer die Gewaltausübung begründet werden. In dieser Debatte mag auch noch die ästhetisierende Orientromantik des 19. Jahrhunderts nachwirken, samt ihren schwülen Haremsidyllen, wie sie gerade französische Maler so üppig ins Bild gesetzt haben. Den Islam in der Karl-May-Perspektive zu sehen, bedeutet die Hadschi-Halef-Omarisierung der islamischen Wirklichkeit.

Wenn schließlich sogar der Verweis auf die Ermordung von Schwiegermüttern durch Christen erkenntnisleitend sein sollte, dann wird man darauf verweisen müssen, das mit der von Mohammed erlaubten Vielehe ja auch die Vervielfachung von Schwiegermüttern gegeben ist und damit eine erheblich höhere Rate von Schwiegermüttermorden…!

Manche Erklärungen sind nicht hilfreich. Allen Beschwichtigungstheologen, Dialogartisten und Aufklärungsfetischisten sei daher ein Buch empfohlen, das in den liturgischen Reformen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gründlich auf den neuesten Stand gebracht wurde: das Martyrologium Romanum, (2001, 2004 2. Auflage). Dort sind für jeden Kalendertag die Heiligen aufgeführt, unter ihnen circa 7 500 Märtyrer. Gerade in den Sommermonaten sind täglich besonders viele Märtyrer aufgelistet. Die roten Brigaden im spanischen Bürgerkrieg waren im Sommer besonders aktiv, ebenso wie ihre mexikanischen Kollegen. Und die schwimmenden KZ's der französischen Revolution forderten in der heißen Jahreszeit ebenfalls besonders viele Opfer. Die Nazis produzierten gleichmäßig das ganze Jahr über. Der Ort, der im Martyrologium wohl am meisten genannt wird, ist Dachau.

Verschweigen oder Verharmlosung des Glaubenshasses ist keine neue Taktik unserer Tage. Die kommunistisch geprägte äußerst brutale Kirchenverfolgung in Mexiko im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war eigentlich nur möglich „unter dem Schutz des Totschweigens, bzw. der Verleumdung seitens der liberalen Weltpresse und der zivilisierten Welt“, so las man 1935 im „Lexikon für Theologie und Kirche“! Geschieht genau das nicht auch heute?