Mein Tagesposting: Leitkultur auf die deutsche Art

Von Klaus Kelle

Klaus Kelle, freier Publizist und Sachbuchautor
Klaus Kelle ist freier Publizist und Sachbuchautor („Bürgerlich, christlich, sucht ...“). Foto: Kerstin Pukall
Klaus Kelle, freier Publizist und Sachbuchautor
Klaus Kelle ist freier Publizist und Sachbuchautor („Bürgerlich, christlich, sucht ...“). Foto: Kerstin Pukall

Deutschland ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Ganz bestimmt im Bemühen, unbedingt immer Gutes zu tun und damit leider auch oft Regeln, die wir uns selbst gegeben haben, zu brechen und Grundsätze über Bord zu werfen. Anders ist zum Beispiel nicht zu erklären, dass unsere famose Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig von der SPD angekündigt hat, drei Projekte des umstrittenen Islamverbandes Ditib mit rund einer Million Euro Staatsgeldern weiter zu fördern, die erst kürzlich blockiert worden sind. Ditib? War da nicht was? Ja, da war was, erst kürzlich!

Die dubiose, von Ankara aus gesteuerte Organisation, zu der in Deutschland etwa 900 Moscheen und rund 800 000 Mitglieder gehören, war ins Visier des Verfassungsschutzes und der Staatsanwaltschaft geraten, weil Imame hierzulande im Auftrag des türkischen Geheimdienstes vermeintliche Mitglieder der bei Erdogan in Ungnade gefallenen Gülen-Bewegung ausspioniert haben. Das ist eine Straftat und – nebenbei bemerkt – mit Religionsausübung im Sinne unseres Grundgesetzes auch nur schwer in Einklang zu bringen.

Nun wird also ermittelt… und gleichzeitig wird gefördert. Irre, oder? Das ist kein Einzelfall, denn neben Deutschland und Österreich gibt es wohl kaum Staaten auf der Welt, die Feinde der eigenen Gesellschaft großzügig fördern. Ob es um politische Herabsetzung durch die Amadeu-Stiftung geht, um Busfahrten zu Demonstrationen Linksradikaler „gegen Rechts“ oder den unwissenschaftlichen Gender-Unfug – „Staatsknete“ ist immer reichlich vorhanden, ohne dass die Regierung wenigstens pro forma verlangen würde, dass sich die Zahlungsempfänger zu unserer freiheitlichen Grundordnung bekennen.

Umso mehr ist der aktuelle Vorstoß von Innenminister Thomas de Maiziere zu begrüßen, der in dieser Woche eine öffentliche Diskussion über eine deutsche Leitkultur angestoßen hat. SPD, Grüne und Linke, in deren Millieus in der Regel die Zahlungsempfänger zu finden sind, haben sogleich protestiert. Der in jüngster Zeit spürbar munter gewordene „Berliner Kreis“ von konservativ gesinnten Abgeordneten aus der CDU sprang dem Minister sofort zur Seite. Von den Modernisierern im Adenauer-Haus war bisher nichts zu hören.

Was ist also das unerhört Revolutionäre, was de Maiziere für unser Land einfordert? Toleranz für Andersdenkende fordert er, Achtung vor dem Christentum und unseren deutschen Traditionen, und auch dass man sich hierzulande zur Begrüßung die Hand gibt und sich mit seinem Namen vorstellt. Oder dass man sein Gesicht zeigt. Dass wir uns bekennen zum Leistungsprinzip, aber auch zu den „Höhen und Tiefen“ unserer Geschichte. Dass wir Minderheiten unter besonderen Schutz stellen und Patrioten sind, ohne andere damit abzuwerten. Einigkeit und Recht und Freiheit – das sollte uns einen.

Es lohnt wirklich, darüber nachzudenken, wie es sein kann, dass selbst über solche Selbstverständlichkeiten in Deutschland ernsthafter politischer Streit ausbricht. Und dass bei vielen, die das im Grundsatz alles bejahen, offenbar die Bereitschaft fehlt, es auch im Alltag zu leben. Oder hängen Sie am 3. Oktober eine Nationalfahne aus dem Fenster, wie das in anderen Ländern bei vergleichbaren Festtagen ganz selbstverständlich ist?