Mein Tagesposting: Kämpfen statt Frust schieben

Von Klaus Kelle

Tagesposting: Toleranz heißt das Zauberwort
Der Autor ist freier Publizist und Sachbuchautor. Foto: Kerstin Pukall
Tagesposting: Toleranz heißt das Zauberwort
Der Autor ist freier Publizist und Sachbuchautor. Foto: Kerstin Pukall

Frust gibt es reichlich im bürgerlichen Lager unseres Landes. Der Tiefschlag der Bundestagsentscheidung über die Gleichstellung der Homo-„Ehe“ mit der Ehe wirkt noch nach. Und die Chuzpe der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden, die selbst das Tor zu dieser Entscheidung weit öffnete, um dann im Bundestag mit Nein zu stimmen, weil für sie ja Ehe die Gemeinschaft von Mann und Frau sei, das macht atemlos. Man weiß nicht, ob man Frau Merkel ob ihrer strategischen Brillanz bewundern oder ob ihrer absoluten Prinzipienlosigkeit verachten soll. Egal, es ist passiert. Wieder wurde eine Position geräumt, die man noch vor einer Woche für uneinnehmbar angesehen hat. In den Sozialen Netzwerken diskutieren Bürger in endlos erscheinenden Themensträngen darüber, ob es sich überhaupt noch lohnt, für irgendetwas oder für irgendwen in den Kampf zu ziehen, weil man ja nicht weiß, ob morgen schon wieder alles anders ist.

Beim Lebensschutz haben wir alle einst gedacht, könnte man sich blind auf die Union verlassen. Das bröckelte schon lange vor der „Modernisiererin“ Merkel. Die Atomkraft? Im Handstreich in die Mülltonne, weil in Japan die Erde bebte. Das Betreuungsgeld? Weg damit aus formalen Gründen. Bayern hat es dann auf Landesebene selbst eingeführt, die sechs CDU-geführten Länder rühren keinen Handschlag für die Mehrheit der Familien in Deutschland, es gibt ja Krippen und Kitas für die staatliche Verwahrung der Kinder ohne den schädigenden Einfluss von Mutter und Vater. Ach ja, und die Wehrpflicht bei der Bundeswehr hätten wir auch gern behalten…

Und die Kirche Jesu als unverrückbarer Fels in der Brandung? Wenigstens die katholische Kirche? Papst Franziskus hat den Gender-Unfug, der alle Bereiche unserer Gesellschaft durchzieht und hohe Millionensummen verschlingt, als satanischen Angriff auf die traditionellen Familien weltweit bezeichnet. Und die Deutsche Bischofskonferenz lässt gleichzeitig bunte Gender-Broschüren an die Schäfchen verteilen. Alljährlich belästigen uns Theologen aufs Neue mit Forderungen nach Abschaffung des Zölibats, nach Zulassung von Frauen ins Priesteramt und einer Wischi-Waschi-Ökumene ohne jede Verbindlichkeit, ohne jede Bindekraft.

Für was sollen wir noch kämpfen, wir Christen? Wir Bürgerlichen? All diejenigen, die ihr kleines alltägliches Glück leben wollen, eine Familie haben, in Freiheit und Sicherheit geborgen sein wollen? Alle die, die lieber in die Heilige Messe oder zu einem Landfrauen-Fest gehen möchten als zum Christopher-Street-Day? Letztlich denke ich, dass es nur zwei Wege gibt, mit der Situation umzugehen. Das eine ist zu resignieren, sich zurückzuziehen ins Private, versuchen, das Beste daraus für sich und seine Lieben zu machen. Der andere Weg heißt aufzustehen!

Unsere Alternative ist, von den 68ern zu lernen, sich auf den Weg zu machen zu unserem Marsch durch die Institutionen. Uns noch mehr in der Kirche zu engagieren, Verantwortung in Gremien zu übernehmen. In gesellschaftlich relevante Gruppen einzusteigen und aktiv mitzumachen, wo noch etwas bewegt werden kann. Und in Parteien einzutreten, die noch rudimentär auf christlicher Basis begründet sind, und sich den Laden zurückzuholen. Ja, den Laden zurückzuholen! Dieses Land, diese Kirche – dafür lohnt es sich zu kämpfen, auch heute noch.