Mein Tagesposting: Fruchtbare Gräben

Von Monika Metternich

Tagesposting: Schutzraum für die Kinder Gottes
Monika Metternich ist eine katholische Publizistin und Autorin. Foto: Archiv
Tagesposting: Schutzraum für die Kinder Gottes
Monika Metternich ist eine katholische Publizistin und Autorin. Foto: Archiv

Ausgerechnet am Vorabend des Weltjugendtags ergriff mich eine depressive Stimmung. Diese hatte nichts mit dem großen Glaubensfest der Jugend in Krakau zu tun, das in diesen Tagen viele katholische Jugendliche der Welt anzieht, und von der Altersklasse, die sich Nächte auf Isomatten nicht mehr erlauben kann und will, zuweilen etwas wehmütig am Fernseher mitverfolgt wird. Ich gestehe, ich gehöre nun zu den Letzteren. Aber nicht das hat mich so deprimiert, sondern eine Tendenz, die Lorenz Jäger in der „Frankfurter Allgemeinen“ kürzlich auf die knappe Formel „Hass gegen die Alten“ gebracht hat. Ein für mich neues Phänomen, obwohl ich einst mit dem Schlachtruf im Ohr „Trau keinem über Dreißig!“ vor mich hin pubertierte.

Erstmalig war mir dieser Hass in den Sozialen Netzwerken aufgefallen, als der greise „elder statesman“ Helmut Schmidt seine letzten Talkshows gab: Kettenrauchend, ruppig und aus dem großen Schatz seiner politischen Erfahrung schöpfend. Auf Twitter und Facebook gab es schon da immer wieder befremdliche Sätze zu lesen wie: „Schiebt den endlich ab ins Altersheim!“ Nach dem Brexit, der laut Wahlanalyse aufgrund des hohen Stimmanteils von Älteren zum Durchbruch kam, gab es dann kein Halten mehr: „Die Alten machen uns fertig!“, titelte die linke „taz“, in der „Zeit“ war von „Alte-Säcke-Politik“ die Rede, im „Spiegel“-Derivat „Bento“ hieß es: „Liebe Generation Rollator, macht mir mein Europa nicht kaputt.“ Dass der Fehler der englischen Jugend gewesen war, zuhauf nicht zur Wahl zu gehen, hielt viele nicht davon ab, lautstark über ein eingeschränktes Wahlrecht für Alte nachzudenken – auch in Kreisen der CDU. Der Tropfen, der mein persönliches Fass zum Überlaufen brachte, waren dann die Reaktionen auf Alan Poseners kritischen Artikel zu den linksradikalen Krawallen in Berlin in der „Welt“: „Die verzogenen Bürgerkinder wohnen gerne billig“. Der Journalist wurde im Netz dafür mit einem „shitstorm“ ohnegleichen überzogen – und zwar fast unisono mit krassesten Verunglimpfungen seines Alters (er ist 67).

„Betagte“, „Ältere“, „Generation Silber“ – sprachlich sind wir in Samtpfötchen hineingewachsen, die inzwischen aber von scharfen Krallen zerfetzt werden. Die Kluft zwischen alt und jung ist aber nichts Neues: Schon Cicero resümierte, das Beklagenswerte am Alter sei, „dass man spürt, wie man in diesem Lebensabschnitt den jungen Leuten verhasst ist“. In den Evangelien kommen überhaupt nur vier alte Leute vor: Das Ehepaar Zacharias und Elisabeth, der Prophet Simeon und die Witwe Hanna. Dass die ganze Kirche bis heute täglich die Gebete der beiden alten Männer im Stundengebet spricht, gibt doch Hoffnung. Dass alle vier uns bis heute als Zeugen des Neuen, des Anbruchs der Heilszeit vor Augen stehen, bringt mich nun zum Weltjugendtag: Wenn die Jungen als Zukunft der Kirche mit dem alten Papst zusammentreffen, so zeigt die Kirche eine Dimension, die Gräben zwischen jung und alt nicht nur überwindet, sondern fruchtbar macht. Unvergesslich der greise Papst Johannes Paul II., der visionär die Jugend der Welt um sich scharte. Ebenso unvergesslich Papst Benedikt, wie er über eine Million Jugendliche in eine tiefe Anbetungshaltung zog – gemeinsam auf den Herrn hin. Freuen wir uns nun darauf, wie Papst Franziskus, auch er kein junger Mann mehr, gemeinsam mit der Jugend in die Zukunft geht.