Mein Tagesposting: Fasten, wie ich es verstehe

Von Klaus Kelle

Klaus Kelle, freier Publizist und Sachbuchautor
Klaus Kelle ist freier Publizist und Sachbuchautor („Bürgerlich, christlich, sucht ...“). Foto: Kerstin Pukall
Klaus Kelle, freier Publizist und Sachbuchautor
Klaus Kelle ist freier Publizist und Sachbuchautor („Bürgerlich, christlich, sucht ...“). Foto: Kerstin Pukall

Mit dem Aschermittwoch beginnt für die katholischen Christen die alljährliche Fastenzeit. Sie erinnern uns an die 40 Tage, die Jesus Christus einst fastend und betend in der Wüste verbrachte. Fasten, das ist nicht exklusiv den Katholiken vorbehalten, auch im Islam und bei den Juden gehört es zum Leben eines Gläubigen unbedingt dazu. Interessant ist die Entwicklung bei den Protestanten und hier speziell bei Evangelikalen und Charismatikern, wo das Fasten in den vergangenen Jahren eine wahre Renaissance erlebt hat. Auch von Martin Luther sagt man, dass er gefastet habe, wenngleich er es als Äußerlichkeit betrachtete, durch die ein Wohlwollen Gottes nicht zu erlangen ist. Und in der Schweiz startete Ulrich Zwingli die Reformation mit einem demonstrativen Wurstessen am ersten Tag der Fastenzeit.

Wie fasten wir also? An jedem Freitag nimmt der gläubige Katholik ja sowieso fleischlose Gerichte zu sich. In der Fastenzeit, der Vorbereitung auf das Osterfest, sind wir gehalten, Verzicht zu üben. Und das bedeutet keineswegs, dauernd Fisch und Gemüse essen zu müssen, wenngleich das gesund ist. Aber Gesundheit oder gar Gewichtsreduzierung sind eben nicht das Entscheidende, sondern konsequent auf etwas Liebgewonnenes zu verzichten. Populär ist, auf Alkohol oder Tabak zu verzichten, auf Süßigkeiten oder Kartoffelchips abends vor dem Fernsehapparat.

Doch das reicht nicht, denn Fasten, das bedeutet, intensiver und bewusster den eigenen Glauben im Alltag zu leben. Das tägliche Gebet ist wichtig, in der Fastenzeit sollen wir häufiger und länger Zwiesprache mit Gott halten. Wir sollen uns intensiver um unsere Mitmenschen kümmern, denen es schlechter geht als uns. Nächstenliebe, Almosen geben, Zeit für Andere haben – auch das gehört ganz vorn zum Fasten dazu, wenn man es „richtig macht“.

Manche katholischen Gläubigen in Deutschland bemühen sich bekannter und wie ich finde auch bedauerlicher Weise neuerdings darum, unsere Kirche im Zuge der Ökumene zu protestantisieren. In manchen Fällen würde ich es auch profanisieren nennen.

Im Internetforum der Frauenzeitschrift „Brigitte“ schrieb jetzt eine Leserin: „Ich verzichte bis Ostern aufs Verzichten.“ Originelle Idee, oder? Andere wollen 40 Tage aufs Internet verzichten, Facebook-Fasten sozusagen. Es gibt Menschen, die machen in den Fastenzeit 15 Minuten Yoga täglich, weil es ihnen „total gut tut“. Ja, Dinge machen oder lassen, die uns gut tun, das sollte uns auch außerhalb der Fastenzeit leiten.

Für mich persönlich ist solches Fasten ohne Gott und ohne Gebet schlicht nicht vorstellbar. Erst dadurch ergibt alles einen Sinn. Eine Diät veranstalten, Obst statt Schokolade essen, auf eine liebgewonnene TV-Serie zu verzichten – all das mag einen jeden von uns persönlich erfreuen, aber es ist kein Fasten, so wie ich es verstehe.

Als Jesus 40 Tage in der Wüste ausharrte und Hunger verspürte, trat (nach Matthäus)der Versucher an ihn heran und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Und Jesus antwortete: „Der Mensch lebt nicht vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“

Das ist das Entscheidende. Ich wünsche Ihnen eine schöne und gesegnete Fastenzeit!