Medienmenschen

Mehr über Jesus berichten. Ein Interview. Von Josef Bordat

Matthias Brender leitet den christlichen Fernsehsender Bibel TV mit derzeit etwa 250 000 Zuschauern am Tag. Er ist verheiratet und hat ein Kind. Foto: Pressefoto
Matthias Brender leitet den christlichen Fernsehsender Bibel TV mit derzeit etwa 250 000 Zuschauern am Tag. Er ist verhe... Foto: Pressefoto

Herr Brender, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Wie zu allen Zeiten auch: Gut, umfassend und ausgewogen zu berichten.

Sehen Sie die Pressefreiheit bedroht? Wenn ja, durch wen?

Durch uns selbst: Durch unser Nachfrage- und unser Klickverhalten steuern wir die Themenwahl der Journalisten. Das, was wir als Rezipienten nachfragen oder nicht nachfragen, wird mehr oder weniger berichtet. Und: Wie sehr kümmern wir uns um andere Zugänge zu einem Thema als die, welche unsere Lieblingsmedien mit gleicher Weltanschauung präsentieren?

Worüber berichten die Medien in Deutschland zu wenig?

Über Jesus und wie er unser Leben verändern möchte. Das ist die wichtigste Botschaft für alle Menschen. Vielleicht könnten die Medien besser darüber berichten, wenn wir Christen als leuchtendere Beispiele in der Jesus-Nachfolge leben? Über Israel: Zum 70. Geburtstag erleben wir wieder, wie die Berichterstattung über Gottes Volk einseitig werden kann, wenn die Berufungsgeschichte aus dem Alten Testament mit der anschließenden wechselvollen Geschichte über die letzten vier Jahrtausende ignoriert wird. Über das, was in den Gemeinden und Kirchen passiert. Das alte Beispiel trifft weiterhin: Am Sonntag gehen mehr Leute in die Gottesdienste als am Samstag in die Bundesligastadien. Wenn wir den medialen Niederschlag anschauen, erfahren wir alles über Fußball – das geistliche Leben hat aber medial nicht stattgefunden.

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Kirche und Medien verbessern?

Es gibt kein schlechtes Verhältnis. Nur bringen Medien eher das, was die Auflage steigert. Ein Skandalbericht bringt mehr Klicks als die Veröffentlichung einer theologischen Denkschrift. Es liegt an uns, das Evangelium so deutlich zu machen, dass zuerst die Journalisten und zweitens durch sie die Medien-Nutzer seine Relevanz für ihr Leben erkennen.

Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

Eine große, weil es keine Neutralität gibt. Journalisten sortieren wie jeder von uns Nachrichten mit dem Filter ihrer jeweiligen Weltanschauung.

Sind sie selbst ein gläubiger Mensch?

Ich versuche es. Ich möchte der Einladung Christi, ihm nachzufolgen, in all meinem menschlichen Scheitern immer wieder neu fröhlich nachkommen.