Medienmenschen: Sorgfältiger, tiefer, genauer

Journalismus, Pressefreiheit und Weltanschauung im Zusammenspiel zwischen Kirche und Medien. Von Josef Bordat

Stefan Förner, EBO Berlin
Stefan Förner, Pressesprecher des Erzbistums Berlin. Foto: EBO Berlin

Herr Förner, Worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Ich erlebe als Pressesprecher seit Jahren ein „Schneller, höher, weiter“, was die Ansprüche an Reichweite, Quote und Exklusivität der Veröffentlichungen angeht. Mitunter würde ich mir ein „Sorgfältiger, tiefer, genauer“ wünschen.

Sehen Sie die Pressefreiheit bedroht? Wenn ja, durch wen?

Die Presse ist bedroht durch eine schleichende Entwertung. Kostenlose Angebote werden mehr und mehr selbstverständlich, dabei hat alles seinen Preis, und wenn es die sinkende Qualität ist. Die Presse ist auch bedroht, wo sie pauschal diskreditiert und infrage gestellt wird, wie derzeit – höchst populär – vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Pressefreiheit ist überall da bedroht, wo Journalisten wegen ihrer Berichterstattung ins Gefängnis geworfen und vorverurteilt werden, nicht nur, aber derzeit ganz massiv in der Türkei.

Worüber berichten die Medien zu wenig?

Afrika, nach wie vor. Auch von Europa – jenseits von Brexit und dem Europaparlament – dürfte es gern ein bisschen mehr sein. Dass zu wenig über Kirche berichtet wird, kann ich gar nicht sagen. Insgesamt wurden und werden wir fair behandelt, auch wenn es um Missbrauch geht. Und über Menschen, die aus ihrer Glaubensüberzeugung heraus handeln, findet man doch mehr, als man zunächst denkt.

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Kirche und Medien verbessern?

Als Tendenz würde ich sagen: Wir brauchen weniger „Geheim-Sekretäre“ (eine feine Tautologie) und mehr Hintergrundgespräche. Ansonsten gilt, was Papst Johannes Paul II. sagte: „Habt keine Angst!“ Und: wir müssen wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass die Zahl derer, die einen Prälaten von einem Protonotar unterscheiden können, tendenziell rückläufig ist.

Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

Niemand kann seinen weltanschaulichen Hintergrund ausblenden, weder als Fragender noch als Antwortender. Umso wichtiger ist es, sich gegenseitig Rechenschaft darüber abzulegen, was man glaubt, wovon man überzeugt ist und wofür man einsteht.

Der Papst richtet jedes Jahr zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel eine Botschaft an die Welt. Wenn Sie Papst wären, womit würden Sie sich in dieser Botschaft befassen?

Wenn ich Papst wäre, würde ich keine Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel an die Welt richten. Ich würde alle Jahre wieder fordern, Journalisten, die aus politischen oder fadenscheinigen Gründen inhaftiert sind, freizulassen. Ich würde für die beten, die wegen ihrer Berichterstattung eingeschüchtert, verprügelt oder gar getötet wurden.