Medienmenschen: Mit Medien Grenzen überwinden

Wenn Kirche akzeptiert, dass Aufdecken von Missständen und kritischer Blick zu den Aufgaben von Medien gehört. Von Josef Bordat

Clemens Behr, Chefredakteur des Magazins "Neue Stadt"
Clemens Behr, 53, ist Chefredakteur des Magazins „Neue Stadt“, das die Fokolar-Bewegung herausgibt. Zuvor hat er bei Radio Vatikan und Hitradio RTL Sachsen gearbeitet. Foto: privat

Herr Behr, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Über Blogs und soziale Medien kann jeder schnell „seine Wahrheiten“ veröffentlichen. Um in der Masse der Info-Angebote bei Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit zu punkten, müssen Journalisten ihr Handwerkszeug nutzen: recherchieren, Quellen prüfen ... Dazu brauchen sie Zeit und Mittel. Sie müssen Meinung von Information trennen und transparent machen, wo sie selbst stehen. Und die Kommunikation mit und die Einbindung der Zielgruppe lernen.

Sehen Sie die Pressefreiheit bedroht? Wenn ja, durch wen?

Bei uns sehe ich sie in Form abnehmender Presse- und Meinungsvielfalt bedroht: durch Stellenabbau in Redaktionen, gleiche Quellen, die berühmte „Schere im Kopf“ – also (unbewusste) Selbstzensur.

Worüber berichten die Medien zu wenig?

Wie Menschen aus ihrem Glauben heraus leben und Gesellschaft gestalten. Positive Entwicklungen in anderen Kontinenten – wie Innovationsfreude in Afrika. Die Innensicht der Bürger osteuropäischer Staaten.

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Kirche und Medien verbessern?

Wenn Kirche akzeptiert, dass Aufdecken von Missständen und kritischer Blick zu den Aufgaben von Medien gehört. Wenn Medienleute bereit sind, Vorbehalte und Unkenntnis gegenüber religiösen Themen zu überwinden.

Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

Mögen Journalisten noch so um Objektivität bemüht sein, sie haben ihre Prägungen und Überzeugungen. Die fließen bewusst oder unbewusst ein bei Themenauswahl, Herangehensweise, Formulierungen. Bringt Teamarbeit mit Personen unterschiedlicher Anschauungen mehr Ausgewogenheit?

Sind sie selbst ein gläubiger Mensch?

Ja, die persönliche Beziehung zu Gott prägt mein Leben. Die Gemeinschaft, der Austausch und das Zusammenleben mit anderen Gläubigen lässt sie wachsen und hilft mir, im Alltag aus ihr zu schöpfen.

Der Papst richtet jedes Jahr zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel eine Botschaft an die Welt. Wenn Sie Papst wären, womit würden Sie sich in dieser Botschaft befassen?

Wie Medien genutzt werden können, damit sie Grenzen überwinden und zu einem besseren Miteinander führen; wie Kommunikation gegenseitig werden und Beziehungen verbessern kann: Fragestellungen, die Franziskus schon aufgreift.