Medienmenschen: Auch da sein, wo Heilung geschieht

Von Josef Bordat

Ulrich Bobinger ist Programmchef von "katholisch1.tv"
Ulrich Bobinger ist Programmchef von „katholisch1.tv“. Foto: privat

Herr Bobinger, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Wir müssen uns jeden Tag neu klar machen, dass wir Journalisten Mitarbeiter der Wahrheit sind. Sagen und schreiben, was ist, und nicht, was wir uns wünschen. Das ist eine Herausforderung, die es schon immer gab, aber immer wichtig bleibt.

Sehen Sie die Pressefreiheit bedroht? Wenn ja, durch wen?

Die Pressefreiheit ist durch jeden bedroht, der den Schwätzern folgt, die jeden Tag von „FakeNews“ oder „Lügenpresse“ reden. Durch alle, die in Abrede stellen, dass eine freie und kritische Presse ein notwendiger Bestandteil der Demokratie ist. Durch Machthaber, die Journalisten einsperren und umbringen.

Worüber berichten die Medien zu wenig?

Medien sind in Gefahr, allzu oft der CNN-Devise „We don't cover the landings, we cover the crashes“ zu folgen. Wir müssen über die Schrecken dieser Welt berichten, weil sie zur Wahrheit der Welt gehören, aber wir sollten auch da sein, wo Heilung geschieht – wo Kriegspartner sich versöhnen zum Beispiel.

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Kirche und Medien verbessern?

Ich finde das Verhältnis in Ordnung. Die Kirche sollte wie jede gut organisierte Organisation in ihrer Öffentlichkeitsarbeit transparent sein, aber ich denke, das ist sie – und das schafft Glaubwürdigkeit.

Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

Eine gute Frage – ich bin mir nicht sicher. Ein guter Journalist ist ständig auf der Suche nach Wahrheit und muss bereit sein, sich dabei von vorgefassten Meinungen zu verabschieden. Das gilt für einen katholischen Journalisten genauso wie für einen atheistischen oder kommunistischen.

Sind sie selbst ein gläubiger Mensch?

Ja, klar. Glauben zu können ist etwas, was ich als großes Geschenk betrachte, und ich finde sogar, es schärft auch im Beruf den Blick für das Tagesgeschehen. Es hilft, sich nicht zu verzetteln und gelassen zu bleiben.

Der Papst richtet jedes Jahr zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel eine Botschaft an die Welt. Wenn Sie Papst wären, womit würden Sie sich in dieser Botschaft befassen?

Ich finde, es beschäftigen sich schon viel zu viele Menschen damit, was sie tun würden, wenn sie Papst wären. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit und bin sehr zuversichtlich, dass der Heilige Vater sich auf seine konzentriert.