Berlin

Mauerfall-Jubiläum: Angst vor Fahnen?

Keine einzige deutsche Fahne habe man bei den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin sehen können, kritisiert der belgische Autor David Engels. Daraus schließt er: Die Botschaft sollte wohl „gewohnt moralinhaltig“ sein.

30. Jahrestag Mauerfall - Potsdam und Berlin
"Aus Angst vor Nationalismus werden Fahnenschwenker mit deutscher Gründlichkeit ausgegrenzt“, bemängelt David Engels. Im Bild: Zahlreiche Menschen stehen auf der Glienicker Brücke während einer Festveranstaltung anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls. Foto: Monika Skolimowska (ZB)

Der belgische Professor und Autor David Engels („Auf dem Weg ins Imperium“) wirft in der „Tagespost“, die am Donnerstag erscheint, einen kritischen Blick auf die Berliner Einheitsfeier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls. Dort habe man erstaunlicherweise „keine einzige deutsche Fahne“ erkennen können, „dafür aber bescheidenerweise gleich die Erdkugel“. Engels schließt daraus: „Die Botschaft der Feier sollte wohl versöhnlich-europäisch und gewohnt moralinhaltig sein.“

"Aus Angst vor Nationalismus
werden Fahnenschwenker mit
deutscher Gründlichkeit ausgegrenzt"
David Engels, Publizist

Nun wisse man, so Engels, dass die Deutschen „manchmal etwas eigenartig“ seien, wenn es um ihre Geschichte gehe, doch nun sei psychologisch eine Art „Überkompensation“ festzustellen: „Aus Angst vor Nationalismus werden Fahnenschwenker mit deutscher Gründlichkeit ausgegrenzt.“

Ganz anders sei es in Warschau, wo Engels seit einiger Zeit lebt. Am Montag fand dort der nicht unumstrittene Marsch aus Anlass des polnischen Unabhängigkeitstages statt. Engels dazu: „Als deutschsprachiger Belgier habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu jeder Art Nationalismus. Umso erstaunlicher die Entwicklung meiner Gefühle, seit ich nach Warschau gezogen bin und regelmäßig zum Zeugen eines Patriotismus werde, der in Westeuropa längst ausgestorben scheint – wie heute, als ich mit einem meiner Söhne am jährlichen Unabhängigkeitsmarsch vom 11. November teilnahm.“

Engels spricht von "großer Familienfeier"

„Nationalistisch“, „chauvinistisch“, „rechtsextrem“ – das seien die Worte, mit denen jene Feierlichkeit in den westlichen Qualitätsmedien belegt werde. Er selbst habe nur eine große Familienfeier sehen können: „Viele Eltern mit Kindern, Jugendliche, Ordensschwestern, einige Veteranen, Geistliche, hier und da tatsächlich auch ein paar bierschwingende Glatzen – ein Querschnitt durch die ganze Gesellschaft, friedlich vereint unter Fahne und Rosenkranzbanner nicht nur im Glück, endlich der Fremdbestimmung entronnen zu sein, sondern auch in der Liebe zu ihrer polnischen Kultur.“

DT/mee

Welche patriotischen Unterschiede David Engels in Europa ausmacht, erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost. hier .