London

LGBT ohne „T“ – Feministinnen wehren sich gegen Transgender

In Großbritannien beklagen Frauen aggressive Übergriffe sogenannter „Transfrauen“. Lesbische Frauen distanzieren sich von „Männern, die sich als Frauen fühlen“ und stellen klar, dass das Geschlecht von Geburt an binär ist - entweder männlich oder weiblich.

London Pride
Teilnehmer der Londoner Pride Parade tragen eine überdimensionale Regenbogenflagge durch die Straßen. Foto: John Stillwell (PA Wire)

Veränderungen zeichnen sich an der Front der LGBT-Bewegung ab. Das Kürzel LGBT, das in einschlägigen Kreisen zum Akronym LGBTQIA+ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersex, Asexual + ad libitum) und damit fast bis ins Unendliche ausgeweitet wird, muss demnächst ohne den Begriff „Transgender“ auskommen, sollte es nach dem Willen der 2019 gegründeten britischen Organisation „LGB Alliance“ gehen.

"Charta der Rechte für Transgender"

Am Folgetag des 8. März (Weltfrauentag) fand laut der französischen Monatszeitschrift Causeur in London ein Treffen statt, um gegen die Unterdrückung durch Männer, genauer gesagt, durch eine bestimmte Art von Männern, zu protestieren: Zielscheibe waren die sogenannten „Transfrauen, oder anders ausgedrückt, Männer, die sich als Frauen fühlen“. Ein Saal war angemietet worden, in dem 300 Teilnehmer - einige wenige Männer und viele feministische Frauen – sich versammelt hatten, „um den Transaktivisten zu trotzen“. Die meisten der Frauen waren aktive Mitglieder der Labour Party, die schockiert über den Zugriff der Transgender-Lobby auf ihre Partei sind. Denn die drei sich um die Nachfolge von Jeremy Corbyn bewerbenden Frauen haben eine „Charta der Rechte für Transgender“ unterzeichnet, während der einzige männliche Kandidat seine Unterschrift verweigerte.

Bei der Charta handelt es sich um ein zweiseitiges Dokument, in dem „das neue Transgender-Lumpenproletariat“ als arme, arbeitslose „Opfer von Diskriminierung, Hassverbrechen und ‚anhaltenden Angriffen der reaktionären Presse‘“ geschildert werde. Wer die Charta unterschreibe, setze sich dafür ein, die Labour Party „von ihren ‚transphoben‘ Elementen zu säubern“, zu denen neben der LGB Alliance auch „Woman’s Place UK“ sowie weitere „Hassgruppen“ zählten. „Woman’s Place UK“ gründete sich 2017, als das englische Gesetz rein auf eigene Willenserklärungen beruhende „Geschlechtsumwandlungen“ ohne medizinische Diagnose oder physiologische Veränderungen erlaubte. Die Gruppe will Frauen gegen Angriffe von Transgenderpersonen verteidigen. Sowohl Woman’s Place UK als auch LGB Alliance meinen, „dass eine Transfrau, also ein ‚Mann, der sich als Frau fühlt‘ keine Frau ist - ein Postulat, das die Transgender-Aktivisten für eine ‚transphobe Beleidigung‘ halten“.

Männer, die Frauen ihre Jobs wegnehmen?

Denn worum geht es? Transfrauen („das heißt, Männer, die sich als Frauen fühlen“) forderten gemäß der Gleichstellung von Mann und Frau Zugang zu Stellen, die Frauen vorbehalten sind: „Die Feministinnen sehen in diesen Transfrauen nichts anderes als Männer, die den Frauen ihre Jobs wegnehmen“. Die Transfrauen forderten zudem, an Sportwettkämpfen für Frauen teilzunehmen. Die Feministinnen sehen in diesen Athleten „Männer, die den Frauen auf billige Weise ihre Medaillen wegschnappen“. Die Transfrauen forderten ferner, dass ihnen die Frauengefängnisse offenständen, ebenso wie die Frauen vorbehaltenen Umkleidekabinen, Schulschlafsäle, Ferienlager sowie öffentlichen Toiletten: „Die Frauen sehen in diesen Transgenderpersonen Männer, die in die für Frauen reservierten Räume eindringen und ihre Intimsphäre verletzen“.

Am stärksten wird diese vor allem auch körperliche Bedrohung von den lesbischen Frauen empfunden: „Die Transfrauen (biologische Männer), die sich von Frauen angezogen fühlen, wollen als Lesben bezeichnet werden und ertragen es nicht, von den lesbischen Frauen abgewiesen zu werden“. Die Lesben ihrerseits fühlten sich jedoch nicht von diesen Transfrauen (weil diese ja Männer sind) angezogen, „was die Wut Letzterer hervorruft, die sich dann über Transphobie beschweren“.

Das Lager des Progressismus bekommt Risse

Der Causeur kommentiert: „Am vergangenen 9. März zeichneten sich zwei entscheidende Spaltungen ab. Die Anhänger der Labour-Partei von gestern erkennen sich in deren Progressismus nicht mehr wieder. Die Homosexuellen distanzieren sich von den Transgendern. Das Akronym LGBTQI+ hat sich überlebt. Das Lager des Progressismus bekommt Risse. Die Leugnung des Geschlechts – das war eine Forderung zu viel“.

DT/ks

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