Kurzrezensionen am 9. Mai 2019

Kurzrezensionen

„Ambo“, das Jahrbuch der philosophisch-theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz, hat mit anspruchsvollen Themenbänden über „Europa eine Seele geben“ (2016) und „Gebet“ (2017) hohe Erwartungen in Bezug auf den Band für 2018 geweckt: Ambo 3 „Romano Guardini und der christliche Humanismus“, ist nun – aus Anlass seines 50. Todestages – dem Priester, Religionsphilosophen und Theologen Romano Guardini (1885–1968) gewidmet. Die zahlreichen Beiträge wissenschaftlicher Fachtagungen erschließen nicht nur Guardinis (vor 100 Jahren erschienenen) Klassiker „Vom Geist der Liturgie“ und sein monumentales Werk „Der Herr“, sondern dokumentieren auch Beiträge über „Das unterscheidend Christliche“, Schrifthermeneutik und Rechtsphilosophie. Kurt Kardinal Koch, Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz oder auch Kosmas Thielmann OCist eröffnen aktuelle Dimensionen des Werkes Guardinis, dessen Gültigkeit Abt Maximilian Heim OCist in seinem Vorwort betont: „Romano Guardini erkannte schon vor etwa 80 Jahren, dass es ein Irrtum sei, die Pastoral ganz ins Organisatorische und Pädagogische zu verlegen, wodurch ,das absichtslose Sich-Versenken in die ewigen Dinge und der heilige Dienst vor Gottes Angesicht als Zeitverlust erschienen‘“.

Die größte Empfehlung für Ambo 2018 kommt vom emeritieren Papst Benedikt XVI., der in einem Schreiben an den Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, P. Wolfgang Buchmüller OCist, seinen Dank über den „prachtvollen Jahrbuch-Band“ zum Ausdruck bringt, „der nicht nur der Hochschule zur Ehre gereicht, sondern auch ein Meilenstein in der Guardini-Forschung ist“. Gudrun Trausmuth

Wolfgang Buchmüller, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (Hrsg.): „Ambo 2018. Romano Guardini und der christliche Humanismus“. Jahrbuch der Hochschule Heiligenkreuz 2018, 3. Jahrgang, Be&Be Verlag, Heiligenkreuz 2018, 588 Seiten, EUR 24,90

Aus heutiger Sicht erscheint es vollkommen undenkbar, dass die Orgel einmal nicht das Gottesdienstinstrument par excellence gewesen ist. Tatsächlich aber hat die Königin der Instrumente eine überaus facettenreiche Geschichte und die beginnt lange bevor die ersten Christen sich zunächst in ihren Hauskirchen und später in den Basiliken versammelten. Göttert entfaltet unterhaltsam erzählt und kenntnisreich komprimiert auf rund 400 Seiten die Kulturgeschichte eines Instrumentes, das man zu Recht als monumental bezeichnen kann, ist es doch nicht nur das größte, es bringt mit den Föten, den Streichern, den Holz- und Blechbläsern auch das ganze orchestrale Spektrum zum Klingen. Da der Autor einer profunden Kulturgeschichte immer das große Ganze im Blick haben sollte, informiert diese Monografie nicht nur über die Geschichte des Orgelbaus in seinen verschiedenen regionalen Ausprägungen. Sie beschreibt auch den Beruf des Orgelbauers und die sich wandelnden Umstände dieses Handwerks. Sie nimmt die Organisten in den Blick, die in höfischen Diensten, als Stadt- oder Kirchenmusiker die Orgeln zum Klingen bringen und widmet sich der Präsenz der Orgel in den Medien, wobei die Bereiche Rundfunk, Internet, Roman und Film abgedeckt werden. Barbara Stühlmeyer

Karl-Heinz Göttert: Orgel. Kulturgeschichte eines monumentalen Instruments. Bärenreiter, Kassel 2018, 408 Seiten, EUR 34,95

Josef Seifert ist Österreicher, Philosoph und Katholik. Sein Denken kreist um das Verhältnis von Leib und Seele und die Frage, wie sich Wahrheit objektiv erkennen lässt. Seit einigen Jahren beteiligt er sich publizistisch am Kampf gegen die Diktatur des Relativismus. Seiferts erste Veröffentlichung jenseits der philosophisch-theologischen Fachliteratur ist ein „Roman aus dem Fürstentum Liechtenstein“. Er heißt „Gottes dritte Versuchung oder das Evangelium des Teufels“. In einer mit Gelehrten aus aller Welt besetzten Talk-Show in Vaduz übernimmt es Satan höchstpersönlich, den Anwesenden vor Augen zu führen, wie es bei einem Ereignis zuging, das beim Evangelisten Matthäus mit diesen Worten beginnt: „In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden.“ Satan beweist intellektuell anspruchsvoll, dass die Realität des absolut Bösen mit welchen Argumenten auch immer zu leugnen, ein Trugschluss mit fatalen Folgen ist. Der Stoff hat das Format, ein Weltbestseller a la Dan Brown zu werden. Doch wohl nur dann, wenn Seifert sich entschließen könnte, seinen 500-Seiten-Roman in der zweiten Auflage erheblich zu kürzen. Auch für Philosophen gilt: was gestrichen ist, kann den Leser nicht mehr langweilen. Ingo Langner

Josef Seifert: „Gottes dritte Versuchung oder Das Evangelium des Teufels: Ein Roman aus dem Fürstentum Liechtenstein“. Patrimonium 2018, 534 Seiten, EUR 24,80

Mit „Religion und Literatur in drei Jahrtausenden“ hält der Leser ein wahres Kleinod in Händen. Bernhard Lang, emeritierter Professor für Theologie und Religionswissenschaft, stellt auf knapp 800 Seiten hundert Werke der Weltliteratur vor, deren Fokus auf religiösen Motiven liegt, die zeigen, wie der Glaube an die Transzendenz Eingang in die Dichtung gefunden hat. Angefangen vom Gilgamesch-Epos, dem ältesten Großepos der Weltliteratur, über biblische Texte, aber auch Werke von Platon, Mark Aurel, bis hin zu Autoren der Moderne, wie Hermann Hesse, werden hier Texte in den Blick genommen, die religiöses Denken und Empfinden reflektieren. Die „Hochzeit“ des Religiösen wird vom Mittelalter repräsentiert – Dantes Göttliche Komödie und Thomas von Kempens „Nachfolge Christi“ sind hier ebenso vertreten wie Pascals „Gedanken“ und weitere. KS

Bernhard Lang: „Religion und Literatur in drei Jahrtausenden: Hundert Bücher“. Verlag Ferdinand Schöningh 2018, 764 Seiten, EUR 79,–