Kurz vorgestellt

Von Alexander Riebel

Es musste ihn einfach gegeben haben: Alfred Cyril Ewing. Er war der Gegenpart des Philosophen Ludwig Wittgenstein in Cambridge. Der zehn Jahre jüngere Ewing stand so sehr auf Kriegsfuß mit dem Philosophen, der das Ruder der Geistesgeschichte auf seinen Kurs herumzureißen versuchte, dass der Ewing zeitweise aus seinen Seminaren ausgeschlossen hatte. Ewing hielt Wittgenstein vor, den Wahrheitsanspruch religiöser Aussagen zu bestreiten, und Wittgenstein verglich Ewings Definition des Guten mit einer aus „drei Stück Dreck“ geformten Kugel.

Mit seiner glücklichen Hand hat der Felix Meiner Verlag die „Ethik“ des beinahe vergessenen Ewing (1899–1973) wieder herausgegeben und damit gezeigt, wie Sprachphilosophie in Cambridge auch jenseits des Mainstream möglich war, mit einer christlich inspirierten Begründung des Guten und Wahren.

Für Ewing war klar, dass eine naturalistische Sicht der Moral nicht das Gute begründen konnte, weil das „an sich Gute“ nicht mit irgendeiner natürlichen Eigenschaft identisch sein kann: Der Naturalismus kann nicht den Schritt von Sein zum Sollen erklären. Moralische Urteile sind für Ewing notwendig wahr oder falsch; hier gibt es also kein Herumdeuten, wie es der Naturalismus gegenüber Faktischem tun würde. In seiner späteren Religionsphilosophie hat Ewing denn auch die Objektivität der Ethik als Hinweis auf die Existenz Gottes verstanden. Denn das moralische Gesetz könne nur in einem vollkommen guten Wesen realisiert sein, also in Gott. Und nicht nur das, auch die Güte Gottes macht die Existenz moralischer Urteile höchst wahrscheinlich. So gelingt es Ewing, objektive Wahrheit nicht nur auf Sätze der Naturwissenschaft zu beschränken, wie es bei seinen Zeitgenossen in Cambridge zumeist üblich war, sondern auf das Gebiet der Ethik zu erweitern. Ethischer Skeptizismus und Relativismus sind damit ausgeschlossen, die Freiheit des Willens und die Unsterblichkeit der Seele aber ausdrücklich begründet.