Würzburg

Kommentar: Wie das Kaninchen vor der Schlange

Christa Meves hat kein Verständnis für das geplante Verbot von Konversionstherapien. Kritik äußert sie in ihrem Kommentar nicht nur an der Politik, sondern auch an Kollegen - und der Kirche.

Vertreter der LGBT-Community beim Christopher Street Day
Die Bundesregierung plant, Konversionstherapien gegen Homosexualität gesetzlich zu verbieten. Foto: Gregor Fischer (dpa)

Nun scheint einmal mehr unsere Regierung außer Rand und Band zu geraten. In einigen Verlautbarungen sieht es so aus, als hätte sie den Boden der Wirklichkeit verlassen. Es geht um die Einbeziehung sexueller Vielfalt a la Genderismus und Frühsexualität ebenso wie um einen Neuaufguss der Forderung nach Kinderrechten zugunsten des Staates. Das ist allerdings eine schon von den 68ern angeregte Absicht mit dem Ziel, durch Änderung des Grundgesetzes den Eltern das dort verbriefte Erziehungsrecht über ihre Kinder einzuschränken.

Eine solche Gesetzesänderung vorzunehmen, wurde schon vor Jahren diskutiert und abgeschlagen. Aber heute, in der langfristig bereits so elend geschwächten Situation der Familie, hat dieses unsägliche Ansinnen leider viel mehr Chancen, im Verbund von Olaf und Angela – samt allen Linken –, durchgesetzt zu werden. Aber das ist nicht alles an zukunftzerstörenden Maßnahmen, die in Berlin virulent sind. Zurzeit bereitet unser neuer Gesundheitsminister (CDU) ein Gesetz vor, das unter anderem auch zur Folge haben wird, dass mit sich selbst und ihrem Geschlecht unzufriedene Homosexuelle ebenfalls daran gehindert sind, bei Therapeuten, die sich für ihr Anliegen als kompetent ausgewiesen haben, Hilfe zu suchen. Ja, Therapeuten, die hier Sachverstand besitzen, sollen dann sogar neuerdings per Gesetz verboten werden.

Es sollen damit also sogar auch Menschen, die mit ihrer bisher empfundenen oder gelebten Homosexualität nicht mehr einverstanden sind, keine Hilfe mehr finden! Therapeuten, die weiterhin auf diesem Gebiet tätig sind, sollen sogar dann – per Gesetz! – nicht nur mit Geldstrafe, sondern mit beruflichen Konsequenzen und weiteren Einschränkungen bestraft werden.

Allein von der jetzt noch geltenden Rechtsprechung her stellt sich bei diesem Vorgehen aber doch die große Frage, wieso es plötzlich in unserer demokratisch geordneten Republik bei einer einzigen Gruppe möglich sein soll, ein einzelnes Therapieverbot auszusprechen. Tausendfach kann sich heute jeder Bundesbürger hierzulande – zu welchem Experten oder Heiler auch immer – begeben und in Bezug auf seine Probleme beraten und zu einer Verhaltensänderung anregen lassen. Wieso kann sich ein Minister anmaßen, hier in einem einzigen Bereich eine Ausnahme machen zu wollen? Kann es in unserer Gesellschaft wirklich rechtsprechende Instanzen geben, die diesem Ansinnen stattgeben? Oder sind wir auch in dieser Hinsicht bereits aus den Fugen der Realität geraten?

Jedenfalls hat sogar die Ärzteschaft (mit einigen Ausnahmen nur) schon signalisiert, dass sie solch einem gesetzlich abgesicherten Verbot zustimmen würde. Wie das? Haben die Ärzte ihren Verstand verloren? Nein, so wage ich zu behaupten, da diese Gruppierung meinem Fachgebiet nahe ist: Hier kuscht bereits der Vorstand wie das Kaninchen vor der Schlange – mit Recht in Angst vor dem Verlust ihres Renommees, ja, in dieser speziellen Hinsicht auch vor dem Verlust von Approbation und damit von Existenz. Und das gründet mitnichten darin, dass sie den Stand der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiet nicht kennen würden, sondern lediglich darin, dass Eliminierungen auf diesem Feld nicht nur bei solchen Vorfällen in unserem Land, sondern auch bereits international mehrfach zur Realität geworden sind. Eine ganze Zunft von Hilfskräften ist mit einer fantastisch schlichten Lügenstrategie einfach als öffentliche Stimme ausgeschaltet worden.

Und in der Kirche ist es kaum besser: Warum hat der Vatikan sämtliche Hirten zu einer Konferenz über sexuellen Missbrauch nach Rom gerufen und dabei den zentralen Punkt einfach ausgelassen?