Kommentar: Kein Plus an Datenschutz

Von Clemens Mann

Ein Eintrag sorgt für Aufregung im Netz. Facebook, Monopolist bei den sozialen Netzwerken im Internet, kündigte Anfang der Woche an, in den kommenden Tagen seine Datenschutzeinstellungen überarbeiten zu wollen. Insbesondere die Menüs sollten für die Nutzer vereinfacht werden, damit sie besser kontrollieren könnten, welche Informationen für wen sichtbar sind. Die Ankündigung des Unternehmens jetzt aber als einen Sieg der Datenschützer und als Anbruch einer neuen Ära der Privatsphäre im Internet zu feiern, ist verfrüht. Der Netzmonopolist hat sich nur bewegt, um einem Konkurrent das Leben schwerer zu machen.

750 Millionen Mitglieder hat das größte soziale Netzwerk im Internet mittlerweile. In Deutschland weht dem Unternehmen von Seiten des Datenschutzes ein kräftiger Wind entgegen. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein Datenschutzbeauftragter den Giganten für seinen Umgang mit Nutzerinformationen rügt. Dennoch: Die Kritik am Platzhirschen verhallte meist ohne Konsequenzen. Dass das Unternehmen jetzt zu einem gewissen Teil einlenkt – die umstrittene automatische Gesichtserkennungsoption bleibt nämlich erhalten –, hat mehrere Gründe. Datenschützer drohen mittlerweile mit Bußgeldern in Millionenhöhe. Weitaus gravierender dürfte aber die Tatsache sein, dass Facebook mit dem seit Juni 2011 bestehenden sozialen Netzwerk Google+ eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen hat, die durch transparentere Datenschutzbestimmungen und mehr Nutzerkontrolle viel Lob in der Netzcommunity gesammelt hat. Datenschutz und Privatsphäre werden hier zu einem Wettbewerbsvorteil, den die Nutzer honorieren. 25 Millionen Mitglieder hat Google+ mittlerweile. Tendenz steigend.

Beides trifft Facebook an einer empfindlichen Stelle – nämlich beim Geld. Und nur deshalb bewegt sich das Unternehmen. Schließlich will Facebook sein Geschäftsmodell verteidigen. Die Ankündigung zeigt aber auch noch etwas anderes: Wo Geld mit Nutzerinformationen verdient wird, ist Privatsphäre nur erwünscht, wenn es den wirtschaftlichen Interessen dient. An der Problematik des Geschäftsmodells, nämlich dem Verkauf von Daten für Werbezwecke – auf Kosten der User –, hat sich nichts geändert.