Kommentar: Kein Gender mehr, bitte!

Über die letzten deutschen Rechtschreibreformen kann niemand wirklich glücklich sein. Die Unsicherheit über die richtige Schreibweise hat nicht abgenommen, sondern erheblich zugenommen. Von Alexander Riebel

Über die letzten deutschen Rechtschreibreformen kann niemand wirklich glücklich sein. Die Unsicherheit über die richtige Schreibweise hat nicht abgenommen, sondern erheblich zugenommen und die Genderschreibweise, wie sie an Universitäten verpflichtend geworden ist, reicht oft ins Absurde. Der neue Duden „Richtig gendern! Wie Sie angemessen und verständlich schreiben“ wird das Problem noch verschärfen, weil er neue Fakten schafft.

Die Grande Nation, unser Nachbarland, ist in den vergangenen Jahren anders damit umgegangen und hat zu einer großen Vernunft geführt. Der französische Premierminister Édouard Philippe hat die Genderschreibweise kürzlich verboten. Zumindest dürfen die Beamten so nicht mehr formulieren. Während Beamte und Studenten und Deutschland immer sensibler für Gender werden müssen, ist in Frankreich nun Schluss damit. Als Grund nannte der Premierminister Verständlichkeit und Klarheit, wonach sich die Adjektive wieder klassisch nach der männlichen Form richten, wenn mehrere Substantive in enger Folge benutzt werden. Philippe befindet sich mit seiner Regel ganz im Einklang mit der Akademie Française, die ebenfalls feministische Formen ablehnt. Die Akademie gibt in Frankreich den Standard für die Sprache vor. Denn nach welchen Regeln soll das tägliche Diktat stattfinden, das nun eingeführt wird? Der Premierminister will einfach verhindern, dass es jetzt zu Schreibweisen kommt, in denen die Geschlechter durch Pünktchen sichtbar werden, wie bei „les deputé·e·s“ oder bei „Français·e·s“. Das wäre eine Neutralisierung wie bei dem deutschen Wort StudentInnen. Auch die Académie Française will das nicht mitmachen und hält Sätze mit diesen Wörtern für unleserlich. Natürlich ist das Ziel, die Nivellierung der Geschlechter so auf den Punkt zu bringen; doch die Anrede Madame le président war in Frankreich eigentlich nie ein Problem, bis einige Feministinnen anders dachten.

Wie das Beispiel Frankreichs zeigt, ist es eine Frage des politischen Willens, welche Sprache benutzt wird. Hier weiß man, dass es sich bei der gender-dominierten Sprache letztlich um den Versuch handelt, das biologische Geschlecht in Frage zu stellen, indem man es für kulturell entstanden erklärt: man brauche ja nur die Sprache zu ändern, um in eine neue Wirklichkeit einzutreten. Welch ein Irrtum.