Kommentar: Handyverbot in Frankreich

Von Burkhardt Gorissen

Der Handywahn hat sich epidemisch ausgebreitet. Die Franzosen haben jetzt genug davon. Mobiltelefone sollen an Schulen verboten und das Mindestalter für soziale Netzwerke heraufgesetzt werden. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer ist der Ansicht, die Jugendlichen könnten sich so besser auf ihre Aufgaben konzentrieren. Mit dem Verbot erfüllt er ein Wahlversprechen von Präsident Macron. Frankreich übertrumpft damit seine Nachbarländer. In Deutschland gibt es bislang nur an bayerischen Schulen ein Handyverbot. Die Umsetzung wird allerdings nicht so einfach sein, obwohl bereits heute in Frankreichs Schulen die Telefone größtenteils nur auf Pausenhöfen erlaubt sind. Fakt ist, die Zahl der Nutzer steigt. Besaß vor sechs Jahren nur jeder fünfte Zwölfjährige ein Handy, sind es laut Studie aktuell 94 Prozent. Erwartungsgemäß ruft das Verbot heftige Kritik in den sozialen Foren hervor, insbesondere von Eltern. Haben sie Angst, ihre Kinder selbst erziehen zu müssen, statt sie in der digitalen Welt wegzuparken? In Wahrheit steckt wohl vornehmlich der Wunsch dahinter, die Kinder zu unterstützen, falls sie gemobbt werden. „Big parents are watching you“, beantwortet das Handy die latente Angst mit Überwachungstrieb? Der 17-jährige Ugo Thomas, Vorsitzender des französischen Schülerverbandes SGL, schlägt vor, den Kindern beizubringen, besser mit der Technik umzugehen, statt Verbote zu erlassen. Doch die französische Regierung will die Nutzung für Jugendliche offenbar noch stärker einschränken. Justizministerin Nicole Belloubet ließ verlautbaren, das gesetzliche Mindestalter für soziale Netzwerke wie Facebook oder Whatsapp soll von 13 auf 16 Jahre hochgesetzt werden. Grund dafür ist eine neue Umfrage, die belegt, dass jeder zweite Schüler unter Cybermobbing leidet. Tatsächlich steigt nicht nur in Frankreich die Zahl derer, die bei Facebook oder via Twitter gemobbt werden. Auch die Verbreitung peinlicher Videos nimmt beängstigend zu.

Mit der neuen Regelung geht Frankreich sogar weiter, als die EU fordert. Dort gilt ab dem 25. Mai 2018 eine neue Datenschutz-Grundverordnung. Vielleicht wird die Mindestalter-Regelung das Telefonverbot in Schulen erleichtern; den richtigen Umgang mit der modernen Technik erlernt man allerdings nur durch vernünftige Erziehung. Und dafür sollten Elternhaus und Schule eigentlich da sein.