Kinder verbreiten weniger persönliche Daten im Netz

Neue Studie: Fernsehen bleibt wichtigstes Medium – Gefahren in der virtuellen Welt sind Kindern bewusst. Von Carl-H. Pierk

Die Internet-Nutzung wächst gerade bei den Jüngeren rasant: Die Hälfte aller Jugendlichen im Alter von sechs bis 13 Jahren surft täglich, erläutert die „KIM-Studie 2010“ des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. „Eine deutliche Steigerung ist vor allem bei den Jüngsten zu verzeichnen“, heißt es in der Studie, die vergangene Woche veröffentlicht wurde. 89 Prozent der Kinder verfügen demnach zuhause über einen Internetanschluss, die meisten würden ihn ungern wieder aufgeben. An einem normalen Tag verbringen 28 Prozent der Kinder eine halbe Stunde im Netz, zwei Fünftel bis zu einer Stunde, ein Viertel ist sogar länger als eine Stunde online. Die meisten Kinder – vor allem Mädchen – haben Lieblingsseiten im Internet, die sie regelmäßig anklicken.

Die Eltern stehen dem Internet häufig mit zweigeteilter Meinung entgegen: 59 Prozent stimmen der Aussage zu, dass das Internet Kinder zu „Stubenhockern“ macht, dennoch finden 60 Prozent: „Kinder sollten so früh wie möglich an Computer gewöhnt werden.“ Über drei Viertel der Eltern meinen, dass Kindern der Umgang mit Computer und Internet in der Schule vermittelt werden sollte. Allerdings birgt das Internet für Kinder auch Gefahren, befürchten viele Eltern. 65 Prozent von ihnen sind der Ansicht, ihre Schützlinge würden dort mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert. Zwar befürworten knapp zwei Drittel der Eltern technische Hilfsmittel wie Filter- oder Schutzprogramm für den Computer. Umgesetzt wird dies aber nur selten. Nur 14 Prozent aber gaben an, tatsächlich eine Kindersicherung auf dem Familiencomputer installiert zu haben. 41 Prozent lassen ihr Kind ohne Aufsicht im Internet surfen, wie der Forschungsverbund mitteilte. Dabei gaben einige Kinder an, unerwünschte Erfahrungen im Netz gemacht zu haben. 16 Prozent hätten sich der Studie zufolge im Netz Dinge angesehen, die ihrer Meinung nach für Kinder ungeeignet gewesen seien. Acht Prozent fanden angesagte Seiten „unangenehm“. Drei Prozent besuchten Webseiten, die ihnen sogar Angst machten. Im Zuge der Verbreitung von Online-Communities werden auch verstärkt persönliche Daten preisgegeben. 29 Prozent der Kinder, die das Internet nutzen, haben Fotos oder Filme von sich eingestellt. 22 Prozent haben auch Bilder von ihrer Familie oder Freunden veröffentlicht. Doch haben viele Jugendliche inzwischen dazugelernt: Die Bereitschaft, persönliche Daten im Internet zu verbreiten, ist gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Und die Jugendlichen sind sich der Gefahren im Internet durchaus bewusst, geht aus der Studie hervor. Während in der öffentlichen Wahrnehmung etwa die sexuelle Anmache in der Diskussion steht, sind aus Sicht der Jugendlichen eher Abzocke und Datenmissbrauch und -manipulation sowie Viren das Problem.

Bei aller Internetbegeisterung bleibt das Fernsehen wichtigstes Medium im Kinderzimmer. Das belegt schon allein die Häufigkeit, mit der Kinder fernsehen. 95 Prozent mindestens einmal pro Woche, drei Viertel jeden oder fast jeden Tag. Je älter die Kinder werden, desto länger sitzen sie vor dem Fernsehgerät. Dabei bringt es ein durchschnittlicher Siebenjähriger auf 84 Minuten, ein Dreizehnjähriger sogar auf 110 Minuten.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest führt seit 1999 KIM-Studien zum Medienverhalten von Kindern durch. Für die KIM-Studie 2010 wurden etwa 1 200 Kinder und deren Eltern im vergangenen Frühsommer zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK).

Weitere Informationen: www.mpfs.de