Katholisches Fernsehen hat große Zukunft

Der Sender K-TV will durch technische Veränderungen noch mehr Qualität produzieren – Erinnerungen an Pfarrer Hans Buschor. Von Maximilian Lutz

Im Sendestudio von K-TV Spiritualität und Liturgie im Blick, v.l.n.r: Annekathrin Hohmann (Mitarbeiterin), Patrick Gruhn (Geschäftsführer Kephas-Stiftung gGmbH) und Pfarrer Hans Buschor (Geistlicher Leiter K-TV) im alten Sendestudio in Gossau in der Schweiz. Foto: K-TV
Im Sendestudio von K-TV Spiritualität und Liturgie im Blick, v.l.n.r: Annekathrin Hohmann (Mitarbeiterin), Patrick Gruhn... Foto: K-TV

Mit K-TV gründete Pfarrer Hans Buschor den ersten privaten katholischen Fernsehsender nördlich der Alpen. Am 26. Februar ist der Fernsehpioneer gestorben. Viele Gläubige sind betroffen vom Tod des 1933 im Schweizer Kanton St. Gallen geborenen Priesters, Regisseurs und Unternehmers. Dank des katholischen Programms seines Senders konnte Buschor die Arbeit der Seelsorger in den Gemeinden ergänzen.

Die Erstausstrahlung von K-TV erfolgte im Jahr 1999, zunächst über Satellit, später auch über Kabelnetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit 2002 kann der Sender auch digital empfangen werden, und seit 2006 sogar über das Internet. Von 2002 bis 2011 war Buschor gesamtverantwortlicher Senderchef. Während er die Geschäftsführung danach verließ, blieb er jedoch weiterhin geistlicher Leiter von K-TV.

Die Weichenstellungen für eine juristisch solide und auch im kirchlichen Kontext übliche Regelung der Nachfolge legte Buschor bereits 2011 mit der Errichtung der Kephas-Stiftung im Wesentlichen fest. Dadurch wurde die Trennung von geistlicher Leitung bei K-TV und weltlicher Geschäftsführung, sowie die Aufgaben- und Verantwortungsverteilung klar geregelt. Die finanzielle und juristische Verantwortung bewusst abzutreten war für Buschor die Voraussetzung, sich vollständig den geistlichen Aufgaben und den inhaltlichen Zielsetzungen widmen zu können.

„Er hielt es“, sagte Patrick Gruhn, derzeitiger Geschäftsführer des Senders, „wie ich finde sehr zu Recht, für nicht unproblematisch, wenn ein katholischer Priester Verantwortung in rein weltlichen Dingen übernehmen muss, wie bei der Einstellung oder Entlassung von Mitarbeitern, gegenüber dem Finanzamt oder in Vertragsverhandlungen mit Dienstleistern.“ Dass die Entscheidung von Buschor zur Trennung von geistlicher und weltlicher Leitung auch ganz konkrete Hintergründe hatte, wolle er nicht verschweigen. Seit Beginn habe es von verschiedener Seite das Ansinnen gegeben, den Sender zu übernehmen, insbesondere 2011: „Es gibt die Aufzeichnung eines Tagesthemas mit Pfarrer Buschor, wo er vor laufender Kamera minutenlang weint, weil er zutiefst betrübt und besorgt war, dass man ihm den Sender wegnehmen will.“ Durch die Übertragung der juristischen Verantwortung auf Gruhn konnten Altlasten bereinigt und „unternehmerische Strukturen der ambitionierten Vision von Pfarrer Buschor“ organisationsrechtlich und juristisch angepasst werden.

Wachstum einerseits, Unwissenheit anderseits haben seit Bestehen von K-TV verschiedentlich Begehrlichkeiten geweckt. Dies war auch der wesentliche Grund für die Entscheidung von Buschor, faktisch und juristisch mit der Errichtung der Kephas-Stiftung eine Trennung voranzutreiben und damit Garantie für die Zukunft von K-TV sicherzustellen.

Nach dem Willen von Buschor sollte die geistliche Leitung von K-TV auf drei katholische Priester übertragen werden. Deren kollegiale inhaltliche Verantwortung sollte nach seinem Wunsch die klare katholische Linie von K-TV sicherstellen. Dabei hatte Buschor nicht nur Kollegialität, sondern auch Diversität im Blick. Obwohl ihm die Messe im außerordentlichen Ritus ein besonderes Herzensanliegen war, wurde auf K-TV nicht nur diese gesendet. Seine Auswahl der Zusammensetzung der Priester spiegelt seine Wertschätzung der Vielfalt in der Einheit, die den Reichtum der Tradition der Kirche ausmacht. Die drei Priester, die Buschor seit teilweise mehr als einem Jahr auf diese Aufgabe vorbereitet hat, sind Werner Hess (Regensburg), Thomas M. Rimmel (Augsburg) und Paul Schuler (Bistum Chur).

„Wenn Sie so wollen bilden diese drei Priester die interne Glaubenskongregation von K-TV. Es war Pfarrer Buschors stetiger Wunsch, dass bei K-TV immer katholische Priester die letztendliche Entscheidung in inhaltlichen Fragen treffen sollen und keine Laien, was K-TV insbesondere von anderen christlichen Sendern unterscheidet“, erklärt Gruhn. Buschor habe eine „außerordentlich kluge“ Nachfolgestruktur geschaffen. Beeindruckt habe Gruhn, dass Buschor, der eine besondere Vorliebe für die alte Messe und eine ganz dezidierte Meinung zur Interpretation der Lehre der Kirche hat, bei der Wahl der Priester für seine Nachfolge eine weitere Vielfalt mit Blick auf Spiritualität und Liturgie anstrebte. „Vielleicht war das seiner besonderen Wertschätzung für Papst Benedikt XVI. geschuldet.“

Die Zukunft von christlichen Medien im deutschsprachigen Raum ist insgesamt von großen Herausforderungen geprägt. Bereits ein Blick auf die demografische Entwicklung in Kombination mit der Zahl von Gottesdienstbesuchern, die etwa für die Zeit von 2001 bis 2015 um 1,7 Millionen auf gerade einmal 2,5 Millionen zurückgegangen ist, macht dies deutlich. Zugleich erleben wir aber bei den jungen Menschen eine Rückbesinnung auf traditionelle konservative Werte und den christlichen Glauben – eine Chance, die es zu nutzen gilt.

Für Fernsehsender kommen noch spezifische Herausforderungen hinzu. Die technischen Veränderungen führen zu neuen Nutzergewohnheiten. So tritt die Kernfunktion eines Fernsehsenders, die Programmablaufgestaltung, zunehmend in den Hintergrund. Die Zukunft liegt eindeutig bei IPTV-Fernsehen, das über das Internet und nicht mehr über Satellit oder Kabelnetze übertragen wird. Für etablierte Sender ist das eine große Herausforderung. Durch IPTV sind vor allem zwei Entwicklungen absehbar: Die Möglichkeit zur Errichtung und der Betrieb eines Fernsehsenders über IPTV sind denkbar einfach und kostengünstig möglich. Damit kann die Bedeutung der etablierten Sender in Frage gestellt werden. Zugleich erfordert diese neue Form von Fernsehen deutlich mehr produzierte Sendungen, da nicht mehr nur das Sendeschema gefüllt, sondern dem Zuschauer eine breite Auswahl an verfügbaren Sendungen angeboten werden muss. In Zukunft wird der Inhalt, das heißt die Qualität und die Anzahl der produzierten Sendungen, für Fernsehsender entscheidend sein. Das ist auch der Grund, weshalb weltliche IPTV-Betreiber wie Netflix oder Amazon Prime enorme Summen in die Produktion von Sendungen investieren.

Für Spartensender lässt sich aus der Nutzungsgewohnheit im Internet eine weitere wichtige Entwicklung absehen: Kleinere und bisher unbekannte Sender können binnen Kurzem große Reichweiten erzielen, wenn sie den Wertvorstellungen der Zuschauer entsprechen. Für K-TV stellen diese Entwicklungen eine Chance dar, die der Sender im Geist von Hans Buschor nutzen möchte. Für einen „Medienapostel“, wie Buschor es war, bedeutete dies, mehr Menschen das Evangelium verkünden und die Freude des katholischen Glaubens vermitteln zu können. Es war ihm ein Anliegen, sich dieser Aufgabe frühzeitig zu stellen.

Das bestätigt auch Patrick Gruhn: „Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam mit Pfarrer Buschor eine Menge an Innovationsarbeit hinter den Kulissen geleistet und neue technische Produktions- und Übertragungssysteme entwickelt, um diese Herausforderungen als Chance für K-TV zu nutzen.“ Die neuen Verfahren erlaubten es, mehr Sendungen zu geringeren Kosten bei deutlich besserer Qualität zu produzieren. „Parallel dazu haben wir auch die Internetplattform www.kathtv.org geschaffen, die einen wichtigen Teil dieser Strategie ausmacht“, so Gruhn. Durch die lange Vorlaufzeit im Fernsehbereich und die notwendige jahrelange Entwicklungsarbeit für diese neuen Produktionsverfahren konnte man bisher nur erste Ansätze im Programm erkennen. In naher Zukunft sollen die Früchte dieser Arbeit auch nach außen sichtbar werden. Auch wenn Pfarrer Buschor das leider nicht mehr auf Erden miterleben kann. Mit Material von K-TV