Internationale Zeitschriftenschau am 24. Januar 2019

Internationale Zeitschriftenschau

Neurodiversität

In seinem Artikel für den Spectator weist Autor Jonathan Mitchell auf die Gefahren der „Neurodiversität“ hin. Das Konzept zielt darauf ab, „neurobiologische Unterschiede zwischen den Menschen“, worunter auch die Entwicklungsstörung Autismus fällt, nicht als behandlungswürdiges Syndrom zu verstehen. Mitchell, der selbst Autist ist, schildert seine eigenen Einschränkungen durch die Krankheit. Er kenne andere, die an der „Autismus-Spektrum-Störung“ leiden, denen es schlechter geht als ihm. Die etwa nicht sprechen können oder sich selbst verstümmeln: „Sie brauchen lebenslange Betreuung.“ Doch die „Neurodiversitätsbewegung“ meint, dass Autismus keine Funktionsstörung des Gehirns sei, „sondern lediglich eine alternative Form der Gehirnverdrahtung. Anhänger der Neurodiversität glauben, dass Autistisch-Sein nur bedeutet, einfach anders zu sein, so wie schwarz statt weiß oder Frau statt Mann zu sein.“ Daher fordern Anhänger dieses Konzepts, Autisten keine medizinische Betreuung mehr angedeihen zu lassen. Noch vor wenigen Jahren hielt man die Vorstellungen der Neurodiversitätsbewegung für „absolut randständig“. Das habe sich gewandelt. Seit kurzem habe sie große Schritte gemacht. Mitchell ist über ihren Einfluss beunruhigt: „Ich mache mir Sorgen, dass sie wissenschaftliche Forschungen verhindern wird, die mir und weitaus stärker Betroffenen helfen könnten.“

Christliche Werte in US-Medien

In den amerikanischen Mainstream-Medien wurde Karen Pence ins Visier genommen. Die Frau des US-Vizepräsidenten Mike Pence wage es, an einer Schule Kunst zu unterrichten, „die von ihren potenziellen Angestellten fordert“, wie die „Washington Post“ despektierlich schreibt, „bestimmte religiöse Überzeugungen zu bejahen, die darauf abzielen, homosexuelle und Transgender-Bewerber auszuschließen; dazu gehört auch die Aussage, dass eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau bestehen kann“. Die Lehrer müssten versprechen, ihr „Privatleben in sittlicher Reinheit zu führen“. Rod Dreher antwortet dem Verfasser des Artikels in The American Conservative: „Vielleicht glauben Sie ja, das sei bizarr, doch es ist absolut normal – und diese Sichtweise war in ganz Amerika bis praktisch vorgestern weit verbreitet. Es ist nichts Neues, dass christliche Schulen Moralvorstellungen haben.“ Für die amerikanischen Christen sei nun eine schwere Zeit angebrochen, meint Dreher. Die amerikanische Linke sei derart „vollständig und militant säkularisiert, dass die amerikanischen Christen lernen müssten, mit dem Antiklerikalismus zu leben, so wie europäische Christen es schon seit vielen Jahrzehnten tun“. Bezogen auf Karen Pence folgert Dreher: „Die versuchte Beschämung von Karen Pence ist ein verdichtetes Sinnbild für den Hass der säkularen Linken auf konservative Christen und auf unsere moralischen Werte und Sitten.“ Er mache sich Sorgen, „dass ihre landesweit verbreitete und über die sozialen Medien noch extrem aufgebauschte verständnislose Verachtung das Land auf etwas äußerst Hässliches vorbereitet“.

Muslimische Einwanderer in Belgien

Der Figaro führte ein Gespräch mit dem belgischen liberalen Politiker Alain Destexhe, dessen jüngstes Buch „Immigration et intégration: avant qu?il ne soit trop' tard…“ („Einwanderung und Integration: bevor es zu spät ist…“) – eine Bestandsaufnahme der Immigration in Belgien – soeben erschienen ist. Im Interview mit der Zeitung zeigt er sich beunruhigt über die fehlende Diskussion in Bezug auf die langfristigen Konsequenzen einer unkontrollierten Einwanderung. „Etwa 75 Prozent der Immigranten nach Belgien und Frankreich entziehen sich der Kontrolle der Verwaltungsbehörden“, entweder durch Familiennachzug, durch Asylgesuche oder durch illegale Einwanderung. Die belgische Bevölkerung sei dadurch innerhalb von 20 Jahren um zehn Prozent angestiegen. Die daraus resultierenden Probleme: „Ein bedeutender Anteil der zugewanderten Bevölkerungsgruppen ist nicht integriert, weder wirtschaftlich (er ist in starkem Maße abhängig von den Sozialsystemen) noch kulturell, und, was noch viel schlimmer ist: Diese Menschen leben nach Wertesystemen, die mitunter mit unseren Gesetzen, unserer Geschichte und unseren Traditionen nicht zu vereinbaren sind.“ In Bezug auf die Möglichkeit eines Euro-Islams, den er noch vor einigen Jahren befürwortete, sei er eines Besseren belehrt worden: „Heute glaube ich immer mehr, dass es sich dabei um eine Utopie handelt und dass der Islam und die europäischen Werte unvereinbar sind.“ Er habe das Buch „Kampf der Kulturen“ von Huntington erneut gelesen, „das all das vorhersagt, was heute geschieht! An sich ist der Islam eine ehrenwerte Religion, die jedoch Werte propagiert, die sich von unseren unterscheiden.“ Die „Knackpunkte“ seien unter anderen „die Gleichheit von Mann und Frau“ sowie „die Freiheit, die Religion zu wechseln, was der Islam nicht anerkennt. Wenn ein Muslim Europäer werden will, muss er diese Freiheit akzeptieren.“ Außerdem ist Destexhe beunruhigt über die Entwicklung des Antisemitismus. Die Studie eines belgischen Soziologen zeige, „dass die Hälfte der muslimischen Schüler in Brüssel Antisemiten sind“. Zudem meinten 70 Prozent der Muslime in Belgien, dass ihre religiösen Gesetze höher stehen als die Gesetze des Landes.

Grüne Energie oder Kernkraftwerke?

Das französische Politikmagazin L'Express befasst sich mit der Frage, ob gegen die Klimaerwärmung die atomare Lösung Abhilfe schaffen könne. In einem Beitrag für das „Wall Street Journal“ hatten sich der Politologe Joshua S. Goldstein und der Energiespezialist Staffan A. Qvist für eine stärkere Nutzung der Kernenergie ausgesprochen. Angesichts der Herausforderung sei das Energieproblem eine „moralische Frage, aber auch ein mathematisches Problem“. Die Gleichung sei simpel: „80 Prozent der Weltenergie zur Produktion von Elektrizität stammen aus fossilen Brennstoffen.“ Doch der Verbrauch an Energie steige jährlich. Nach Berechnungen der beiden Experten müsste man zur Verringerung des CO2-Ausstoßes bei Aufrechterhaltung der nötigen Energieerzeugung in 30 Jahren 100 Millionen kWh an „grüner Energie“ produzieren, also 3,3 Billionen kWh jährlich: „Doch um das zu erreichen, wäre es den Autoren zufolge ein Fehler, auf Solar- und Windenergie zu setzen“. Selbst wenn „alle Staaten der Erde sich die Bemühungen Deutschlands, dem führenden Land auf diesem Gebiet, zum Vorbild nähmen, bräuchte man 150 Jahre, um 100 Millionen kWh ,grüner‘ Energie zu erzeugen“. Daher stellen Goldstein und Qvist fest: „Die Welt braucht eine Elektrizitätsquelle, die kein CO2 produziert und schnell im Massenbetrieb gebaut werden kann, um zuverlässig enorm viel Leistung unabhängig von den meteorologischen Verhältnissen bereitzustellen. Und nur die Nuklearenergie wird all diesen Anforderungen gerecht.“ KS