Intelligente Elektronikgeräte auf dem Vormarsch

Die Internationale Funkausstellung IFA kann ihren Status im globalen Messe-Rummel behaupten. Von Max-Peter Heyne

Die Haushalts- und Unterhaltungselektronik bleibt ein wichtiger Motor der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und entsprechend darf sich die Internationale Funkausstellung – IFA Berlin – auch in diesem Jahr über regen Zuspruch aus der Branche freuen: „Fast alle großen Aussteller legen zu, sodass wir jetzt beim entscheidenden Faktor Netto-Ausstellungsfläche bei über 140 000 Quadratmeter liegen“, verkündete Christian Göke, der Geschäftsführer der Messe Berlin, zum Auftakt. „Wir sind bereits über unsere Kapazitäten hinausgegangen und haben zusätzliche, temporäre Hallen gebaut“, so Göke, der bis zum Jahr 2014 einige Hallen des Messegeländes am Berliner Funkturm aufstocken möchte. Bei den Besucherzahlen rechnet die Messeleitung mindestens mit einem ähnlichen Ergebnis wie 2010 – das mit über 15 000 Konsumenten ein Rekord war. Anders als in anderen Wirtschaftsbranchen rechnet die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) für 2011 mit einem satten Zuwachs von vier Prozent auf insgesamt circa 27 Milliarden Euro. Wenn die Deutschen sparen wollen oder müssen, dann also lieber in anderen Lebensbereichen.

Wer bereits in die Messehallen hineinspähte, konnte feststellen: Viele Konzerne greifen auf die traditionellen Konzepte zurück, handeln nach der Devise „größer ist besser“ und werden ihre Produktpalette großzügig und weitflächig präsentieren – und zwar unabhängig, ob es sich um Hard-, Software oder die „weiße Ware“, also die Haushaltsgeräte handelt. Gerade im letzteren Sektor ist durch die Wende in der deutschen Energiepolitik der Faktor Energiesparen noch wichtiger geworden. Die neuen Produktgenerationen zeichnen sich grundsätzlich durch den sogenannten „smart grid“, das heißt eine vom Gerät selbst gesteuerte Energiezufuhr, aus, mit der unnötiges Stromschlucken in Ruhe- oder Leerlaufphasen („stand by“) vermindert wird. Auch beim Kauf von Haushaltsgeräten herrscht derzeit noch immer Wachstum.

Ebenso wie bei der „weißen Ware“ gilt auch bei der Unterhaltungselektronik: Bequemer Bedienkomfort ist Trumpf. Die vom Apple-Konzern mitentwickelte Touchscreen-Technik der leichten Bedienbarkeit per Fingerberührung ist heute bei den meisten Mobilgeräten obligatorisch. Lange Bedienungsanleitungen sind endgültig passé. Der Konsument erwartet, dass ihm die Industrie mit einem Learning-by-doing-Prinzip entgegenkommt, erst recht, da die Verschmelzung verschiedener Gerätetypen – zum Beispiel von Fernsehen, Internet, Mobiltelefonen oder iPads – zu einer einzigen Einheit weiter anhält. Der größte Boom der Saison sind digitale Mobilgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs, also Geräte, die dem Konsumenten den permanenten, mobilen Zugriff auf seine Lieblingsmedien und -Inhalte und den raschen Austausch digitaler Daten von einem Nutzer zum anderen erlauben. Zu den Gerätetypen, die mit immer flexiblerer, bedienungsfreundlicherer und intelligenterer Software ausgestattet werden, zählen auf der IFA 2011 unter anderem: Navigationsgeräte mit Sprachsteuerung, Fingerdruck-Markierungsfunktion und Umfahrungsassistenz im Falle unerwarteter Staus, Computer-unterstützte Stifte (Smatpens) zur Speicherung schriftlicher Notizen und per integriertem Mikrofon aufgezeichneter Audiodaten, Einzelfernseher mit 48 verschiedenen, integrierten Varianten zur individuellen Konfiguration von Größe, Design und technischer Ausstattung. Daneben gibt es HDTV-Adapter zur kabellosen Übertragung von Medieninhalten (Videos, Musik, Fotos) vom Notebook oder Internet auf einen großen Fernsehbildschirm sowie immer mehr kabellose Übertragungslösungen und 3D-Bildschirmtechnologie – mit und ohne Brille.

Wie schnell der Markt mit einer Gerätegeneration überschwemmt werden kann, zeigt der Preisverfall bei den TV-Flachbildschirmen, die den Luxussektor seit einigen Jahren verlassen haben. Mit mehr Zusatzangeboten in der Grundausstattung – deren Aufrüstung entsprechend mehr kostet – wollen die Hersteller gegensteuern. Immerhin wird es noch einmal einen Schub für hochauflösende (HD-)Bildschirme geben, wenn in verschiedenen Ballungsgebieten wie Berlin am 30. April nächsten Jahres vollständig auf den digitalen Modus bei der Fernsehbildübertragung umgestellt wird. Flimmrige und schummrige Bilder werden unsere Enkel dann nur noch aus Erzählungen kennen. Doch nicht nur die Konsumenten, die sich noch immer analog oder per Satellitentechnik versorgen lassen (derzeit immerhin noch 2,5 Millionen Haushalte), müssen umrüsten – auch die Sender haben Nachholbedarf: Bei vielen Sendern werden die wenigsten Programme auch tatsächlich in HD-Qualität ausgestrahlt.

Vielleicht lautet der Slogan des internationalen Berliner Medienkongresses „Medienwoche@IFA“, der traditionell parallel zur Messe stattfindet, daher „Digital is now!“ – obwohl Digitalisierung nun schon zehn Jahre das Dauerthema der Medienwoche ist. Zu den zahlreichen Diskussionen werden neben Größen aus Medienpolitik und öffentlich-rechtlichem sowie privatem Rundfunk auch wieder wichtige Vertreter der Film- und Internet-Branche erwartet. Der prominenteste Gastredner kann sich nur per Videobotschaft zuschalten: Der Gründer der Webplattform „WikiLeaks“ für politische Transparenz, Julian Assange, darf wegen eines bevorstehenden Prozesses wegen sexueller Nötigung England nicht verlassen. Um Digitalisierung und inwieweit diese Technologie zur „Wertschöpfung“ beiträgt, geht es auch beim Serviceforum@IFA, ein Treffpunkt für die Industrie, Fachhändler und Handwerksbetriebe. Zum dritten Mal wendet sich die IFA an interessierte Schüler und Schülerinnen aus Berlin und Umgebung, im Rahmen ihres Unterrichts die Messe zu erkunden und technologische Schwerpunkte vermittels eines interaktiven Lernparcours auszuprobieren.