In der Öffentlichkeit präsenter werden

Die Kirchen wollen ihre Medienarbeit verstärken – Ein Blick in das neue evangelische „pro – Christliches Medienmagazin“

Die deutsche Bischofskonferenz denkt über einen eigenen Fernsehsender nach, um die katholische Publizistik zu verbessern. Die evangelische Publizistik dagegen hält von solchen Überlegungen für ihre Arbeit weniger. „Was die evangelische Kirche nicht braucht, ist ein eigener digitaler Sender“, sagt der Hannoveraner Oberkirchenrat Udo Hahn, der das Referat „Medien und Publizistik“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitet. Er hat das in der jüngsten Ausgabe 1/2008 von „pro – christliches Medienmagazin“ getan, wo er mit seinem Beitrag „Medienunternehmen Kirche“ den Kurs der evangelischen Kirche auf dem Feld ihrer Publizistik für die kommenden Jahre skizziert. Es sei schließlich „nicht unrealistisch“, von Ausgaben in Höhe von etwa einhundert Millionen Euro pro Jahr der 23 Gliedkirchen für evangelischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit auszugehen.

Hahn kündigte auch an, die evangelische Kirche wolle künftig die ganze Bandbreite ihrer Printmedien und elektronischen Medien besser vernetzen. Dazu werde ein neues Gesamtkonzept evangelischer Medienarbeit erarbeitet, das letzte mit Titel „Mandat und Markt“ stammt aus dem Jahre 1997, und ein Zukunftskongress evangelischer Medienarbeit ausgerichtet.

Demnach will die evangelische Kirche statt einen eigenen Fernsehsender zu gründen, ihr Engagement bei dem Digitalsender „Bibel.TV“ stärken. Für diese Aufgabe ist laut Hahn der bisherige EKD-Rundfunkbeauftragte Bernd Merz freigestellt worden, der nun als Geschäftsführer von „Bibel.TV“ arbeitet. Hahn sieht den größeren Einsatz bei „Bibel.TV“ als „Möglichkeit, im digitalen Bereich des Fernsehens die Präsenz der evangelischen Kirche und die Präsentation von Inhalten des christlichen Glaubens weiterzuentwickeln“. Die evangelische Kirche will also den Anschluss an die Veränderungen des Fernsehmarktes, wo durch die sogenannte Digitalisierung immer mehr Kanäle und Sender entstehen, die zudem zusehends mehr mit den Mitteln des Internets produziert und empfangen werden können, nicht verpassen, ohne sich über Gebühr finanziell verausgaben zu müssen – gleichzeitig aber ihren aktuellen Einfluss bei den öffentlich-rechtlichen Sendern von ARD und ZDF stärken, deren Arbeit von Hahn ausdrücklich gelobt wird. So unterhält die evangelische Kirche laut Hahn eine eigene Produktionsgesellschaft mit Namen „Eikon“, die beteiligt ist an der Entwicklung von Kinderprogrammen, kirchlich geprägten Sendereihen, Unterhaltungsserien oder Spielfilmen. Diese Firma produziert zum Beispiel für das ZDF die Kindersendungen „Löwenzahn“ und „Siebenstein“, steuert Beiträge für den Kinderkanal des ZDF „ki.ka“ bei oder war Co-Produzent des Kino-Spielfilms „Luther“.

Hahn und Markus Bräuer, der neue EKD-Medienbeauftragte, der „pro – christliches Medienmagazin“ ein Interview gab, fordern von den öffentlich-rechtlichen wie privaten Rundfunkhäusern in Zukunft allerdings nicht nur Platz für Verkündigungssendungen, sondern auch mehr Raum im Bereich der Unterhaltung. „Wenn es denn stimmt, dass es eine neue Aufmerksamkeit für Religiöses in der Gesellschaft gibt, dann muss sich das auch in Unterhaltungsformaten niederschlagen. Schließlich nehmen die Macher für sich in Anspruch, dass sie Lebenswirklichkeit abbilden“, schreibt Hahn. Beispiele dafür seien Fernsehserien wie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ in der ARD oder „Schwarz greift ein“ auf Sat1. Dennoch, so Hahn weiter, sei es der evangelischen Kirche in den vergangenen Jahren nicht ausreichend gelungen, solche Konzepte sowohl bei den öffentlich-rechtlichen als privaten Rundfunkanstalten unterzubringen.

Bräuer machte an dieser Stelle dann auch den etwas unorthodoxen Vorschlag, in Fernseh-Krimiserien der Privaten beispielsweise den Gerichtsmedizinern einen Notfallseelsorger zur Seite zu stellen. Bräuer: „Ich bin davon überzeugt, dass sich die biblische Botschaft in allen Bereichen des Mediums Fernsehen vermitteln lässt.“ Bräuer regte zudem an, über neue Programmformate für die Übertragung von evangelischen Gottesdiensten nachzudenken. Bei allen Bemühungen, sich in säkularen Medien Gehör zu verschaffen, will die evangelische Kirche jedoch nicht die eigenen Medien vernachlässigen. Dass hier Zweigleisigkeit in kirchlicher Medienarbeit am meisten Erfolg verspricht, steht für Hahn außer Frage. In seinem Beitrag „Medienunternehmen Kirche“ sicherte der Oberkirchenrat dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), unter deren Dach die evangelische Nachrichtenagentur „epd“ arbeitet, weitere Unterstützung zu.

Auch das evangelische Print-Monatsmagazin „chrismon“, das laut Hahn im vergangenen Jahr eine Auflage von 1,5 Millionen Heften und 940 000 Leserinnen und Leser gehabt habe, werde weiter gefördert. Dieses Heft liegt der „Zeit“, der „Süddeutschen Zeitung“, dem „Tagesspiegel“, der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Halle) und der „Schweriner Volkszeitung“ bei. Die Aufgabe der evangelischen Kirchengebietszeitungen, auf katholischer Seite den Bistumszeitungen vergleichbar, als Mittel, schon aktive Christen weiter und fester an die Kirche zu binden, um so deren Identität zu festigen, die wiederum in die säkulare Welt strahle, würdigte Hahn ausdrücklich. Er sprach hier von einem „Auflagenriesen“. Auch wenn sich kirchliche Medienarbeit mehr als früher selbst refinanzieren müsse, „bleibt die evangelische Publizistik dauerhaft auf die finanzielle Unterstützung angewiesen“, verdeutlichte Hahn, dass sich die evangelische Kirche die Qualität ihrer Medienarbeit auch weiter etwas kosten lasse wolle. Er nennt evangelische Kirchenarbeit einen „Grundauftrag“ der Kirche. Sogar die früher zu beobachtende Distanz der EKD zur Medienarbeit evangelikaler Christen hat sich laut Hahn verringert: Eine bessere Zusammenarbeit etwa mit deren Nachrichtenagentur „idea“ kann sich der Repräsentant der EKD vorstellen. Das kommt gut an in „pro – christliches Medienmagazin“.