In der Küche des Élysée-Palasts

Loblied auf gute Gerichte, aber auch auf Charakterstärke und Authentizität: Der Spielfilm „Die Köchin und der Präsident“. Von José García

Der französische Staatspräsident (Jean D'Ormesson) vermisst im Élysée-Palast Hausmannskost. Deshalb wird Hortense Laboire (Catherine Frot) als seine Leibköchin eingestellt. Foto: Alamode
Der französische Staatspräsident (Jean D'Ormesson) vermisst im Élysée-Palast Hausmannskost. Deshalb wird Hortense Laboir... Foto: Alamode

Basierend auf den Erinnerungen von Daniele Delpeuch, die zwei Jahre lang im Élysée-Palast für den französischen Staatspräsidenten François Mitterrand kochte, erzählt Regisseur Christian Vincent von Hortense Laboire (Catherine Frot), die aus ihrem beschaulichen Leben herausgerissen wird, als plötzlich zwei hohe Beamte in ihrem Provinzrestaurant erscheinen. Sie soll unverzüglich nach Paris reisen, weil der französische Präsident sie als seine persönliche Köchin anstellen möchte. Natürlich kann sie das Angebot nicht abschlagen, obwohl ihr von Anfang an ihre schwierige Lage klar wird. Denn sie soll lediglich sozusagen privat für den Staatspräsidenten kochen. Für größere Bankette und für den ganzen kulinarischen Betrieb im Élysée-Palast bleibt die sogenannte Zentralküche zuständig. Und deren Chef ist alles andere als begeistert von dem, was er als eine Einmischung in seinen Zuständigkeitsbereich betrachtet. Außerdem: Eine Frau hatte noch nie im Élysée-Palast gekocht!

Mit ihrer bodenständigen, resoluten Art behauptet Hortense jedoch in der eingeschworenen Männerdomäne des Palasts ihre Stellung. Nach und nach verschafft sie sich den Respekt der unterschiedlichen Palast-Mitarbeiter. Bald möchte sie der Präsident (Jean D'Ormesson) persönlich kennenlernen, der mit ihr über seine Lieblingsspeisen, aber auch über Kindheitserinnerungen spricht – über das Kulinarische kommen sie sich bei allem Unterschied Präsident und Köchin menschlich näher, so dass sich der Präsident immer öfter in ihre Küche schleicht, um einen erlesenen Rotwein oder feinste Trüffel zu probieren. Zu den stets gärenden Problemen mit dem Küchenchef kommt nach einem Postenwechsel die pedantisch-kleinliche Art des neuen Leiters der Controlling-Abteilung hinzu, die Hortense auf die Palme bringt. Als zu allem Überfluss der kränkelnde Präsident eine Diät halten muss, stellt sich für Hortense die Frage, ob sie noch im Palast bleiben soll.

Die eigentliche Handlung um die zwei Jahre, die Hortense für den Staatspräsidenten arbeitete, betten Regisseur Christian Vincent und sein Mitdrehbuchautor Étienne Comar in eine Rahmenhandlung ein. „Die Köchin und der Präsident“ beginnt auf einem Schiff, das zu einer Forschungsstation in der Antarktis unterwegs ist. Dort erfährt eine angereiste Journalistin, dass die allseits beliebte Köchin der Forschungsstation zuvor als Leibköchin des Staatspräsidenten gearbeitet hatte. Was sich als ein Kunstgriff liest, der den Filmemachern den Kontrast zwischen der üppigen Ausstattung des Präsidentenpalastes und der kargen Einrichtung einer Kantine erlaubt, beruht ebenfalls auf wahren Tatsachen: Daniele Delpeuch war tatsächlich unmittelbar nach ihrer Zeit im Élysée-Palast als Köchin für ein Forschungsteam in der Antarktis tätig. Zu dem Kontrast zwischen der kalten bürokratischen Welt und der herzlichen Art der Antarktis-Forscher führt Drehbuchautor und Produzent Étienne Comar aus: „Hortense wird ja am anderen Ende der Welt jene Anerkennung und Freundlichkeit zuteil, auf die sie im Élysée vergeblich warten musste.“

Dennoch: Der ständige Wechsel zwischen den beiden Handlungen, der neben einigen schnellgeschnittenen Sequenzen in der Küche das auffälligste Stilmittel in der Regiearbeit von Christian Vincent bildet, überzeugt nicht ganz. Denn diese kontrastierende Wirkung zwischen der Enge in der Palastküche und der weiten Antarktis-Landschaft nutzt sich schnell ab. In der Parallelhandlung finden die Filmemacher darüber hinaus keine inhaltliche Parallele zu den Konflikten oder zu dem bei aller Distanz immer freundschaftlicheren Ton in den Unterhaltungen zwischen dem Präsidenten und seiner Köchin. In diesem Nebenstrang erhält niemand aus der Wissenschaftlergruppe individuelle Züge. So bleibt beispielsweise die mit dem Schiff eingangs angereiste Fernsehjournalistin, die Hortense zu deren Erinnerungen als Präsidentenköchin befragen möchte, lediglich bloße Funktion.

Christian Vincents Film ist trotz üppiger Ausstattung und schöner Landschaftsbilder, die von der Kamera von Laurent Dailland zwar kunstvoll eingefangen und mit der Streichermusik von Gabriel Yared unterstützt werden, ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen, vor allem ein Schauspieler-Film: Catherine Frot verkörpert die sich gegen die unterschiedlichen Zwänge behauptende Hortense überaus glaubwürdig. Dass der Präsident nicht von einem Schauspieler, sondern vom Schriftsteller und Mitglied der Académie Française Jean D'Ormesson dargestellt wird, der mit 87 Jahren erstmals vor der Kamera stand, kann als mutiger Schritt der Filmemacher angesehen werden. Jean D'Ormesson gelingt es in den gemeinsamen Szenen mit Catherine Frot jedoch, neben einer der bekanntesten französischen Schauspielerinnen zu bestehen.

Über die Leidenschaft für die gute Küche hinaus überzeugt „Die Köchin und der Präsident“ wegen des warmherzigen Blicks auf die Menschen und die Ideale, die sie verkörpern, sowie wegen der feinsinnigen Beobachtung zwischenmenschlicher Beziehungen.