In das Irrationale verstrickt

Eine glänzende Untersuchung über die Irrtümer des Atheisten Richard Dawkins. Von Alexander Riebel

Der sich hinter Fossilien versteckt: Richard Dawkins verbindet Atheismus mit Evolutionstheorie. Foto: IN
Der sich hinter Fossilien versteckt: Richard Dawkins verbindet Atheismus mit Evolutionstheorie. Foto: IN

Auch wenn schon einiges über den Atheisten Richard Dawkins geschrieben wurde, so detailliert hat noch niemand gezeigt, wie er eigentlich tickt. Nämlich grundsätzlich in die falsche Richtung. Dawkins' Leugnung Gottes lässt sich schon in der Motivation des Evolutionsbiologen entlarven. Dawkins will einfach nicht glauben. So trist ist letztlich der Befund, untersucht man die Grundlagen seiner Argumente, die in ihrer Trivialität ins Leere laufen.

Die beiden Autoren, der Professor für Theologie und Bibelwissenschaft an der franziskanischen Universität Steubenville in Ohio, Scott Hahn, und Benjamin Wiker, Professor für Theologische Ethik, der ebenfalls unter anderem in Steubenville unterrichtet, haben die Irrtümer von Richard Dawkins systematisch untersucht. Dawkins liegt mit seinem Buch „Der Gotteswahn“ so sehr daneben, dass es selbst für Atheisten eine große Enttäuschung war. Der bekennende Darwinist Michael Ruse schrieb über das Buch: „Wegen ,Der Gotteswahn‘ schäme ich mich fast, Atheist zu sein.“

Das Problem bei Dawkins beginnt schon damit, dass er den Zufall gegen das Wunder ausspielt. Er glaubt, Wunder einfach auf materielle Ursachen zurückführen zu können und erklärt sie dann für einen Zufall in der Natur. Einen objektiven Grund hat er dafür natürlich nicht: „Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Gott existiert, und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn nicht gibt.“ Diese billige Voraussetzung, die Dawkins macht, sehen die Autoren Hahn und Wiker als Grundmotiv für die Behauptungen des Atheisten. Dawkins' Ziel sei es nämlich, das „Unmögliche als möglich“ anzusehen, etwa das Winken der Statue der Jungfrau Maria mit dem Arm, weil sich alle Atome in einem Augenblick in dieselbe Richtung bewegen könnten, um so gerade die Möglichkeit des Wundersamen auszuschließen. Darum sagt Dawkins, „dass gewöhnlich Wunder nicht übernatürlich sind, sondern Teil eines Spektrums von mehr oder weniger unwahrscheinlichen natürlichen Ereignissen. Mit anderen Worten: Ein Wunder ist – wenn es überhaupt stattfindet – ein gewaltiger Glückstreffer.“ Wunder gibt es für Dawkins also nur im Sinne von höchst unwahrscheinlichen molekularen Ereignissen.

Diese rein materialistische Auffassung vom Wunder verbindet Dawkins mit seiner Auffassung von Evolution. Denn wenn alle Ereignisse nur molekular und alles möglich bis auf das echte Wunder ist, schließt der Atheist beim „Wunder der Entstehung des Lebens“ die Notwendigkeit eines Schöpfergottes aus, wie die Autoren hervorheben. Dass aber der Glaube an die Macht des Zufalls größer sein soll als die Wahrscheinlichkeit Gottes, ist eine völlig irrationale Annahme. Darum nennen die Buxchautoren den Agnostizismus Dawkins' selbst einen Glauben, weil er an alles andere glaube, nur nicht an Gott.

Der Irrationalismus des Atheisten ist grenzenlos. Das wird auch an seinem Beispiel deutlich, Gott testen zu wollen. Dawkins beschreibt ein „Gebetsexperiment“. Wenn es einen persönlichen Gott gebe, dann antworte er auch auf Gebete. Doch wie so oft entscheidet hier die Versuchsanordnung über das Experiment. „So sollten wir also prüfen können“, fassen die Autoren zusammen, „ob Gott existiert oder nicht, und zwar durch ein Gebetsexperiment im Doppelversuch, in dem für eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Gruppe kranker Menschen gebetet wird, wobei allerdings weder die Patienten noch die Ärzte wissen, für wen unter ihnen gebetet wird, und auch die Betenden selbst kennen nur den Vornamen und den Anfangsbuchstaben des Nachnamens derjenigen, für die sie beten.“ Dawkins stellte dann zufrieden fest, dass das Experiment scheitern musste. Das Experiment wird im Buch ganz richtig als eine „Kränkung“ jedes Gläubigen beschrieben, der solch ein manipuliertes und den Glauben verachtendes Geschehen nicht billigen kann, weil Gott wie eine natürliche Ursache und nicht wie ein personales Sein behandelt werde. Dawkins kann sich eben den höchsten Grund des Seins nur nach Analogie einer falsch verstandenen Natur des Menschen vorstellen; dass Gott eine ganz andere Intelligenz als der Mensch hat, kommt ihm nicht in den Sinn. – In dem sehr lesenswerten Buch werden noch viele andere Aspekte bei Dawkins detailliert kritisiert wie etwa die irrige Auffassung von Ethik, die nur auf dem Darwinismus beruhe. Schließlich zeigen die Autoren, dass die Konsequenzen dieses Atheismus Abtreibung, Euthanasie und Gewalt gegenüber Religionen sind.

Scott Hahn/Benjamin Wiker: Antwort auf den neuen Atheismus – Gegen Richard Dawkins Gottesleugnung. Media Maria Verlag 2012, 208 Seiten, ISBN-13: 978-398144-444-5, EUR 15,95