Im Internet wird die Kirche aggressiv angegriffen

Atheistische Blogger haben längst die Netzwerke für ihren Einfluss auf die Internetnutzer entdeckt

Nur einen Mausklick entfernt neben dem Strom der großen Medien liegt die Bloggo-sphäre – die Internetseiten, auf denen Blogger oder auch Gelegenheitsautoren ihre privaten Meinungen verbreiten oder sich einfach unterhalten. Hier geht es natürlich auch um die Kirche, und gegen sie gibt es unsägliche Botschaften und Kampagnen.

Der Bezug zum Papst und zum Glauben ist da auf weite Strecken nicht nur ausgeblendet, sondern in kirchenverachtender Sprache wird kübelweise Hass ausgeschüttet. Die Eingabe „Vatikan“ bei Twitter führt nicht auf eine Liste von Mitgliedereinträgen, sondern zu einer, auf den ersten Blick, Parfumwerbung mit goldenen Fläschchen und Werbetext. „The Pope's Cologne“ heißt es da, „...aristokratisch, Alte Welt Cologne mit überraschender Frische“.

Aber das wollte man gar nicht wissen. Beim ersten Eintrag unter „Kirche“ erscheint dann eine weitere Internetseite, die der „webevangelisten“, auf der zu lesen ist, dass die katholische Kirche einem Ziel sicher nähergekommen sei, nämlich die Menschen über das zu verunsichern, was über den sexuellen Missbrauch noch gesagt werden dürfe. Eines wird hier aber schnell klar: Es ist die kirchenkritische Internetseite, die die Leser über die Kirche zu verunsichern versucht. Ein anderer Blogger stellt hier fest, dass seit dem Vulkanausbruch nicht mehr über den Missbrauch diskutiert wird und fragt, ob der Vatikan in Island involviert sei. Das ist natürlich alles Nonsense, aber darüber wird diskutiert, und sei es mit Blödeleien, es beschäftigt und beeinflusst die Menschen. Solchen Interneteinträgen liegt der Konsens zugrunde, nichts mit der Kirche zu tun zu haben. Blogger müssen keine Sorge haben, unpopuläre Meinungen zu vertreten und arbeiten häufig daran, sie zu populären Meinungen zu machen. Sie können hier ihre Verantwortung ablegen und ungehemmt polemisieren.

Aufschlussreich ist auch, wie auf sozialen Netzwerken wie „Twitter“ mit kirchenkritischen Artikeln aus Tageszeitungen oder Magazinen Politik gemacht wird, sei es nun mit dem „Stern“, dem „Spiegel“ oder anderen. Die Mitglieder der Seite müssen dann gar nicht mehr die einzelnen Online-Zeitungen aufsuchen, sondern werden in ihrem Internetbereich mit Informationen gefüttert.

Die Methode wie bei Twitter, wo Nutzer nach eigenem Ermessen kirchenkritische Zeitungsberichte ins Netz stellen, wird sehr oft auch gezielt angewandt. So auf blasphemieblog.wordpress.com, einer atheistischen Internetseite, die sich „Atheist Media Blog“ nennt, auf der reihenweise Zeitungs- und Magazinbeiträge oder auch Artikel aus Nachrichtenagenturen oder Fernsehtipps gestellt werden, die das Gefühl einer Krise in der Kirche hervorrufen sollen. Hier gibt es Texte zu Kirchenaustritten, schwieriger Mission in Afrika oder den „Zeit“-Beitrag „Glaube und Wahn“.

Wer sich durch diese Beiträge liest, muss an Kirche und Religion Zweifel bekommen – eine besonders hinterlistige Form des Atheismus unter dem Deckmantel der Tagespresse.

In ebenfalls unauffälliger Sprache kommt auch „brightsblog“ daher. Seelenruhig wird dem Neugierigen erklärt, ein „Bright sei eine Person mit einem naturalistischen Weltbild, frei von übernatürlichen und mystischen Elementen“. Mehr muss man schon gar nicht zur Kenntnis nehmen, um zu sehen, wie es wohl weitergeht. Auch hier werden fleißig Meinungen ausgetauscht, Videoclips bestärken die Nutzer dieser Seite in ihrer Meinung. Eine andere Masche ist es, wenn Blogseiten mit Prominenten zu glänzen versuchen. Die Seite „amrömsten“ mit dem dümmlichen Motto „Katholischer als ein Taufschein, aber nicht päpstlicher als der Papst“, wirbt mit einem Video des britischen Schriftstellers und Schauspielers Stephen Fry, in dem der Kirche die übelsten Dinge unterstellt werden. Aber atheistische Prominente aus dem Kulturleben haben leider häufig subtile Überzeugungskraft, die andere ansteckt und zu jedem Unsinn hinreißt.

Die Missbrauchsdebatte ist für zahllose Bloggerseiten Anlass zu einseitiger kirchenverachtender Kritik. Dass sich auch die Diskussion über die Odenwaldschule zuweilen dazwischen mischt, ist die Ausnahme. Eher gibt es zwischen diesen Beiträgen ernst gemeinte Anzeigen wie „Esoterik-Berater gesucht“, wo dann mit Kipperkarten, Lenormandkarten, Orakelkarten, Engelskarten oder Numerologie dem Suchenden das Geld aus der Tasche gezogen werden soll. In einem Klima der Kirchenferne nimmt an solchen Angeboten niemand mehr Anstoß.

Das aggressive kirchenkritische Bloggen tritt schon in seiner äußeren Form als Opposition zu jeder Gesprächskultur auf. Es sind meist kurze Thesen, die die geneigten Leser zum Lachen bringen sollen und damit zur spontanen Zustimmung. So macht es der bekannte Berliner Blogger Sascha Lobo auf „Twitter“, der auch erfolgreich als Werbetexter gearbeitet hat. Die kurzen scharfen Bloggings sind auch Werbetexten am ähnlichsten, als Werbung für den Atheismus. In solchem Ungeist ist ein aufklärendes Gespräch nicht mehr möglich, auch wenn die vielen Unterstützer der Kirche genannt werden sollen, die auf diesen „sozialen Netzwerken“ kämpfen. Die Lacher haben sie nicht auf ihrer Seite, leider aber funktioniert das Werben um Anhänger auf dem weiten Feld der Medien oft über die einfachsten Instinkte.

Gerade diese Internetszene macht klar, wie dezentriert und entfernt die Welt vom Dorfplatz ist, auf dem früher Meinungen ausgetauscht und konzentriert wurden.